ZitatOriginal von Schablonski
und dabei gibt es genug , die immer noch an die Globalisierung als Allheilmittel glauben. ( ist es ja auch.. nur nicht für uns)
Ja, aber in Davos, auf dem Forum war es wohl dieses Jahr Hauptthema, dass die Globalisierung auch Verlierer produziert.
So eine Einsicht zuzugeben, ist für bekannte Ökonomen wohl so, als würden sie PDS wählen, und es dann auch noch sagen und dazu stehen. ![]()
Hier dazu ein super Artikel von meinem Lieblingsjournalisten, Thomas Fricke, von der FTD: Davos will die Reichensteuer
Grüsse,
gutso
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Thomas Fricke: Davos will die Reichensteuer
Kurios: Beim Treffen der Großen und Wichtigen erschallt dieses Jahr der Ruf nach staatlicher Fürsorge und nach höherer Besteuerung von Privilegierten. Nicht aus Ideologie, sondern aus Sorge um die Globalisierung.
Die Sache wirkt auf den ersten Blick reichlich grotesk. Da tagen seit Mittwoch in Davos diejenigen, die Geld haben und mächtig sind oder zumindest als solche gelten. Und was kursiert plötzlich als eines der Topthemen dieses Weltwirtschaftsforums? Die Frage, ob beziehungsweise wie stark die Steuern steigen sollten - und zwar bei den Reichen. Und wie sich soziale Netze schnellstmöglich wieder verstärken oder aufbauen lassen.
Davos von Verdi unterwandert? Oder vom DGB, ohne dass der BDI und Guido Westerwelle einschreiten konnten? Quatsch. Der Hintergrund ist weit ernster und ernster zu nehmen. Noch nie hat es Davoser Topökonomen und andere hier so stark und akut beschäftigt, ob nicht die Globalisierung am Ende doch gefährlich viele Verlierer produziert. Und ob es dauerhaft tragbar ist, wenn womöglich nur die Bessergestellten von den weltweiten Wirtschaftsfortschritten etwas Zählbares abbekommen und die Kluft immer größer wird.
Wenn das stimmt, wäre es gut, wenn sich die Deutschen damit ebenfalls ernsthafter und ideologiefreier beschäftigten, als dies vor lauter Ritualkonflikten alter Zeit der Fall ist. Auch wenn die Deutschen bislang zu den insgesamt größten Gewinnern der Globalisierung zählen.
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Was in Davos beeindruckt, ist die Präsenz des Themas - und wer die Sorge vorträgt. Noch vor fünf Jahren habe es einen Konsens gegeben, dass die Globalisierung am Ende positiv auf die Einkommen wirke. Das sei jetzt anders, sagt Laura Tyson, Dean der London Business School. Natürlich sei die Globalisierung wirtschaftlich insgesamt etwas Gutes. Nur, was helfe das, wenn es immer schwerer werde, dies Amerikanern aus der Mittelklasse nahezubringen, deren Realeinkommen seit Jahren fallen?
"Die Mittelklasse ist eindeutiger Verlierer", sagt Lawrence Summers, Ex-Harvard-Präsident und vormals Finanzminister unter Bill Clinton. Warum? Weil die Mittelklasse mit der Globalisierung und den neuen Technologien nicht mitkomme. Ein Phänomen, das der chinesische Ökonom Zhu Min eindrucksvoll mit Zahlen belegt: Die Einkommenskluft sei in den USA mittlerweile wieder so groß wie 1913, als die reichsten ein Prozent der Amerikaner 45 Prozent der Einkommen hatten. In den 60er-Jahren sei die Quote auf 28 Prozent gefallen. Lange her. Heute verdient das reichste Hundertstel der Amerikaner sogar 48 Prozent der Gesamteinkommen.
Yale-Ökonom Robert Shiller sieht das Neue vor allem darin, dass sich weltweit eine "cosmopolitan class" entwickle. Das seien die, die profitieren, weil sie mit Globalisierung und neuen Technologien umgehen können, Sprachen sprechen und um die Welt jetten. Dem stünden die "locals" gegenüber, die wenig profitieren oder sogar verlieren. Der Anteil der Löhne an den Volkseinkommen liegt in den USA wie in ziemlich vielen Industrieländern heute auf rekordverdächtig niedrigen Niveaus.
Für die Ökonomen ein Alarmsignal - nicht (unbedingt) aus sozialer, sondern vor allem aus realökonomischer Sicht: Immer mehr Umfragen zeigten, dass die Amerikaner nur noch bedingt hinter der Globalisierung stünden, sagt Laura Tyson. Protektionistische Ideen haben Aufwind. "Wenn die Leute nicht mehr überzeugt sind, dass die Globalisierung gut für sie ist, dann müssen wir reagieren."
Eine Lösung sei, mehr dafür zu sorgen, dass die Verlierer der Globalisierung fit gemacht werden, sagt US-Ökonom Nouriel Roubini: "Die Leute müssen die richtige Qualifizierung bekommen, um mithalten zu können." Klingt gut. Die Frage sei nur, wie schnell so etwas wirke und ob dafür noch genug Zeit sei. In der Zwischenzeit "brauchen wir ein soziales Netz". Sagt Roubini. Mehr noch: Die öffentliche Hand müsse stärker einspringen. Das sagt in Deutschland nicht mal die SPD. "Wir werden nicht umhinkommen, die Reichen wieder stärker zu besteuern und die Besteuerung wieder progressiver zu gestalten", so Finanzexperte Robert Shiller. Um das Gefälle zu begrenzen und um die Gewinner an den entstehenden Kosten für die Verlierer zu beteiligen.
So ähnlich sagt das Larry Summers. Oder Laura Tyson. Oder Nouriel Roubini. Selbst der Chefökonom der Investmentbank Morgan Stanley, Stephen Roach, hält irgendwie sorgenvoll fest, dass der Anteil des Faktors Arbeit an den Nationaleinkommen auf historische Tiefs gefallen ist. Zur Erinnerung: Die Zitate kommen vom Davoser Weltwirtschaftsforum.
Wirre Aufrufe zu neuem Protektionismus
Nun spricht das ein oder andere dafür, dass all das nicht unbedingt eins zu eins auf Deutschland übertragbar ist. Zum Beispiel weil die Deutschen weit besser mit der Globalisierung klarkommen als die Amerikaner, trotz neuer Konkurrenz ihre globalen Marktanteile eindrucksvoll halten konnten und - anders als die USA - eine nach wie vor ziemlich beeindruckende industrielle Basis haben, die seit Kurzem sogar wieder Tausende Jobs schafft.
Vielleicht seien die Deutschen sogar das Beispiel dafür, wie man als reiches Land von der Globalisierung profitiere, sagt Laura Tyson.
Es könnte dennoch lohnen, die merkwürdig wirkende Debatte der Davoser Topexperten auch in Deutschland ernster zu nehmen und sich von alten klassenkämpferischen Ritualen zu verabschieden, bei denen platt aus Interesse immer die einen höhere und die anderen niedrigere Steuern oder Löhne fordern. Auch in Deutschland liegt die Lohnquote so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht. Auch in Deutschland erscheinen wieder wirre Bücher, in denen neue Schutzwälle oder die Wiedereinführung von Zöllen gefordert werden - was bei einem der größten Profiteure der Globalisierung eine mittlere Katastrophe auslösen würde.
Gegen die Davoser Debatten wirkt das deutsche Standardduell von Sozialaposteln und Ökonomiepäpsten bizarr und wie aus Zeiten des Kalten Krieges. So einfach ist das nicht.
"Wenn die Einkommen einmal sehr ungleich sind, ist es schwer, das zu korrigieren", sagt Robert Shiller. Daher wäre es am besten, so schnell wie möglich darauf zu reagieren.
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