Völlig Deiner Meinung, Donnerschlag.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass es den gesunden Unternehmen gelingen könnte, gestärkt aus der Krise zu kommen. Weil die Schwachen pleite gehen, wenn man sie lässt und dadurch der Konkurrenzdruck nachlässt. Marktwirtschaflicher Darwinismus.
Was ich in Bezug zum KGV ausdrücken, wollte: viele Vorstände haben aus persönlicher Gewinnsucht nur mehr auf den Aktienkurs ihrer Unternehmen geschaut und die Analysten hofiert und die KGVs künstlich kurzfristig nach oben getrieben. Die Fusionitis, durch Analysten und Banken getrieben, hat BMW, Daimler und MR erst angreifbar gemacht.Wären sie so stark wie früher, würden sie die Krise leicht überstehen.
"....denn schließlich ist der Gewinn eines Unternehmens entscheidend für seine Bewertung..." Der Gewinn ist wichtig, aber nicht entscheidend! Ein erfolgreiches Unternehmen muss sich immer wieder neu erfinden, weil es nicht unendlich wachsen kann (weiss nicht mehr wo ich es gelesen hab..). Da sind ein paar Quartale mit Verlust durchaus zu verschmerzen.
Ein Warren Buffet sammelt jetzt Unternehmen ein, weil er ihre Substanz schätzen kann, nicht ihren Gewinn. Dass der Aktienkurs praktisch nie (höchstens kurzfristig) den fairen Wert eines Unternehmens darstellt, ist IMHO eine Tatsache. Der Aktienkurs überlagert den fairen Wert als Sinuskurve. Nach jeder Überbewertung muss eine Unterbewertung folgen. Der Value Investor macht nichts anderes als auf diese Unterbewertung zu warten, langweiliger Job. Der Charttechniker macht im Prinzip das Gleiche nur mit anderen Indikatoren.
Meine These ist, dass man nur geduldig Warten muss, bis beide Theorien "starke Signale" senden. Dann hat man eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs steigt. Für den DAX sind solche Momente äusserst selten, man wartet also nur. Momentan sicher nicht gegeben. Bei einzelnen Aktien könnte es aber schon soweit sein.
Im DAX war um den 18.11.2008 die Chance auf einen Doppelboden (ein "starkes Signal" und ein Superkaufpunkt). Ein konsequenter Anleger hätte dann allerdings am 21.11. beim Unterschreiten des Tiefs vom 24.10. verkauft.
Schulmässig war die Situation natürlich 2000/2003. Einer starken Überbewertung folgte eine starke Unterbewertung, die sich schnell nach oben aufgelöst hat. Das Top im Sommer 2007 war keine starke Überwertung, wahrscheinlich eher eine kleine. Man musste also mit einer folgenden (leichten) Unterbewertung rechnen. Diese hätte im November gegeben sein können. Nachträglich kann man sagen, die Kurse waren nicht unterbewertet, sondern haben die kommende Rezession vorweggenommen.
Durch den steilen Fall der Kurse haben aber selbst die "grössten Pessimisten" (Claus Vogt) eine Bearmarkt Rallye vorhergesagt. (Ich habe leider nicht mitbekommen was die Permabullen unter den Börsenkommentatoren prognostiziert haben). Als technische Reaktion zumindest.
Also auch rückblickend kann ich nur sagen, der Zeitpunkt November 2008 war aus logischen Gesichtspunkten nicht schlecht gewählt. Aber auch die beste Strategie schützt nicht vor (kurzfristigen) Verlusten. Langfristig muss sie erfolgreich sein. Wer nach einem Verlust sofort die Strategie wechselt oder sich von den "bösen Aktien" fernhält, hat keine Chance den Verlust wieder wettzumachen
Was bleibt?
Eigentlich fehlt also noch eine Phase der Unterbewertung. Ein Doppelboden ist nicht in Sicht. Also momentan kein günstiger Zeitpunkt um auf breiter Front in den DAX einzusteigen. Wer die überfällige Bear Markt Rallye traden will, OK. Ich mach sowas nicht. Ich denke man kann auf bessere Gelegenheiten warten.
Aber viel wichtiger als der Zeitpunkt, ist die eigene Liquidität. Wer in Cash schwimmt, hat einen ganz anderen Anlagedruck, als jemand der voll investiert ist.
Ich persönlich habe deshalb im November 2008 KEINE einzige Aktie gekauft. Es hätte bei Gold, Silber und den Minen auch viel bessere Gelegenheiten gegeben - für jemanden der unterinvestiert ist - als ausgerechnet den DAX. Wer aber in EM bereits überinvestiert war und über ausreichend Cash verfügt hatte, hat keinen Fehler begangen, wenn er Ghost_God gefolgt ist. Er hatte auch etliche Gelegenheiten mit leichtem Verlust rauszukommen.
Im Sinne des "intelligenten Ratens" kann es kein Fehler sein, eine Strategie zu verfolgen, sondern nur keine zu haben.