Ganz schön voll hier übrigens... 
Neuer Rekord: 972 Benutzer am 17.03.2008 11:15.
Nun macht doch mal halblang, was die Diskussion mit Petersen angeht. Oder ist das hier eine Veranstaltung zur Massenpsychose?
Wir sehen gerade die Deflation bestimmter Assetklassen... öhm, genauer gesagt, des Kreditmarktes und wahrscheinlich auch seiner Derivate. Das ist ein dicker Brocken, und das Bankensystem dürfte in der Tat in unbekannter Größenordnung illiquide bis insolvent sein. Fakt ist, das System aus Kreditmarkt und Geschäftsbanken ist so gut wie kaputt.
ABER:
Einstweilen erleben wir, daß Institutionen von Notenbanken / Zentralbanken bis hin zum Staat mit Liquiditätsgewährung einspringen, damit die Geschäftsbanken nicht umgehend hops gehen. Oder, um die Phrase mal woanders auszuleihen, der "Deflationäre Rückfall" wird mit frischem Geld und Liquidität bekämpft.
Die Geschäftsbanken kreieren die Kredite für die Realwirtschaft. Wenn bei den Banken die Lichter ausgehen würden... dann gute Nacht für die Unternehmen. Ließe man eine Bank pleite gehen, wäre bei deren Gläubigern (z.B. auch anderen Banken) sofort auch, sagen wir mal, "hoher Abschreibungsbedarf". Also "darf" keine Bank pleite gehen, weil sich das Problem dann zum Schachmatt fortsetzen würde.
Nach den derzeitigen Beobachtungen (Bear, Northern Rock, WestLB) scheint tatsächlich damit zu rechnen zu sein, daß das Karussel sich erstmal in dieser Weise weiter dreht, indem der Staat oder staatsnahe Institutionen einspringen.
Die mittelmäßig spannende Frage im Einzelfall ist, welche Bank genau denn nun hops geht, bzw. welche diejenige ist, die ihre Geschäfte übernimmt. (Sehr interessant ist die Frage in der Tat für Zertifikatebesitzer)
Am Ende jedenfalls landen die Schulden der Rettungsaktionen zum großen Teil beim Staat, so wie es aussieht. Oder bei der Zentralbank, die wertlose Papiere als Sicherheiten für Liquidität annimmt.
DANN erst dürften diese ernsthaft weginflationiert werden. Ein erster Ansatz sind die Schecks im Mai für die US-Haushalte. Ein nächster ist direkte Monetisierung, wenn Wertpapiere (d.h. Schuldpapiere) also nicht mehr als Sicherheit für Kredit hinterlegt, sondern von den Zentralbanken direkt aufgekauft werden.
Die Geldmengensteigerungen von gut 10-15% global in den letzten Jahren sind zwar eine starke, aber keine absichtlich herbeigeführte Hyperinflation, sondern dürfte an diesem Punkt im Lebenszyklus des Schuldengedeckten Papiergelds schlicht normales Erfordernis sein. Großenteils kommt das Geld aus dem "Schattenbankensystem", wo mit derivativen Instrumenten Liquidität vermehrt wird, ohne daß es auf die reale Wirtschaft entsprechend große antreibende Effekte hat.
Statt durch Geldmengenwachstum angetriebener Wirtschaft gab es ja die bekannten Asset-Blasen in den einzelnen Anlageklassen - erst die Aktien bis 2000, dann die Immobilien im angelsächsischen Bereich und einigen europäischen Ländern. Dasselbe schickt sich offensichtlich auch für die Rohstoffe und Edelmetalle an.
Was wir derzeit an Preisanstiegen bei Rohstoffen sehen, ist wahrscheinlich erst ein laues Lüftchen. Wir hatten bis vor ca. 2001/2002 Jahren inflationsbereinigt historisch niedrige Rohstoffpreise. Chart siehe: http://www.gr-invest.de/pdf/ka…tinformation/q-2-2004.pdf
Mit der wahren Geldmengenausweitung adjustiert, dürften die Rohstoffpreise real noch weit tiefer liegen. Zusätzlich auf Eurobasis, dürfte alles noch halb so wild für uns in Europa sein. (Hat jemand einen Chart: Rohstoffe indexiert seit 1950, normalisiert an Geldmengenwachstum, Eurobasis?)
Natürlich beginnen auch Kapitalflüsse zu den Rohstoffen in Erwartung von Inflation, aber das dürfte zur Zeit noch beinahe gemäßigt sein!
Dazu paßt der Artikel von Hr. Baader im (ansonsten igittigitt) Rohstoff-Spiegel 01/06, ab Seite 12: http://www.investment-ideen.de/pdf/rs_01.pdf
Der Totentanz beginnt, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes exponentiell steigt, weil Käufe aufgrund steigender Preise vorgezogen werden. Das führt über kurz oder lang zum inflationären Kollaps - wenn dem nicht wie 1980 ein Ende bereitet wird. Diese Methoden - Zins auf 20% - kann sich heute aber keine Regierung oder Zentralbank leisten.
Fazit:
Außer "geretteten Bankenpleiten" sehe ich derzeit keinen umgehenden - deflationären - Kollaps des Bankensystems. Die Gefahr ist da, wird aber derzeit durch Liquiditätszufuhr oder auch direkte Verstaatlichung zumindest selektiv abgewehrt.
Längerfristig dürfte das zu offensichtlicher Verschlechterung der Staatsfinanzen und "absichtlicher" starker Inflation zwecks Schuldenentwertung führen.
Die Preis"inflation" bei Rohstoffen und den Verbraucher am Ende seiner finanziellen Fahnenstange haben wir allerdings jetzt schon.
Gut für Alle die in Rohstoffe /EM investiert sind. Schlecht für alle Sparer in konventionellen Formen. Hunger für Alle, die jetzt schon kaum hinkommen und nichts gespart haben. Ein ziemliches Trauerspiel.
Gruß, GL