Hallo Rhein-Main-Gebiet,
ist denn Harmony wirklich billig? Viele Reserven, vor allem Resourcen, teilweise noch nicht einmal exploriert. Da müßte man nur noch drillen und 40-50 Millionen neue Unzen kämen dazu. Nur ist das alles nicht rentabel, ein Schacht kostet mal schnell 1 Mrd. US$
Firmen wie Sibanye, Anglogold oder Harmony leben mit 10-20 Schächten also von der Substanz, die Replacement Kosten wären ein Mehrfaches der heutigen market caps.
Trotzdem: Harmony hat die schlechtesten Reserven, die höchsten Kosten.
US$ 520 mio market cap. Kosten pro Unze angeblich $1250, nach meinen Berechnungen (= was unterm Strich in der Bilanz ankommt) wesentlich mehr. Reserven 50 mio Unzen, Produktion 1.15 mio Unzen. Von den Reserven sind 20 mio. in derzeit betriebenen Minen, der Rest in tailings bzw. Papua Neuguinea. Macht also $62 pro Reserveunze, ca. $1100/jährlich produzierter Unze. Auf Schulden gehe ich nicht ein.
Ich habe die Sibanye zahlen nicht mehr im Kopf, dürfte aber ähnlich aussehen mit dem Unterschied, daß bei Sibanye die Kosten erheblich niedriger sind.
Auf der sicheren Seite ist man in Südafrika wohl nur mit Gold Fields, $2000/produzierter Unze und weniger Probleme mit Gewerkschaften.
Worauf ich hinaus möchte ist, daß eigentlich alle Minen ähnliche Probleme haben. Die Gewinnexplosion, auf die wir 2000 gehofft hatten, ist gekommen. Nur nicht bei den Minen sondern bei Staaten (Steuern, royalties), Arbeitern (Lohnerhöhungen um mehrere hundert Prozent) etc. Bei einer normalen Entwicklung, wenn die Gewinne wirklich zu den Aktionären durchgekommen wären, hätten wir 2013 das doppelte im KGV und vielleicht das 3-fache bei den Gewinnen gesehen, XAU und HUI hätten beim sechsfachen Stand liegen können. M.E. wurden die Goldmineninvestoren damals um die Früchte der Hausse regelrecht betrogen und verbleiben nun mit irrationalen Vorstellungen wie daß die Minen bei zurückgehendem Goldpreis weniger stark fallen müssten.
Warum soll denn der Goldpreis bis 2016 nicht auf unter $900 sinken? Auch wenn solche Vorhersagen aufgrund des heutigen Umfelds alles andere als sicher sind, m.E. ist es aber das wahrscheinlichste Szenario. Das andere Szenrario wäre eine Preissteigerung aufgrund externer Faktoren, wo es dann keine Rolle spielen würde ob man Gold, Platin, Silber oder sonstwas gekauft hätte.
Von den Minen spricht mich derzeit keine so richtig an, im speziellen steht Südafrika vor gravierenden Problemen aufgrund der Gehaltsverhandlungen. Entweder langer Streik oder zu hohe Kosten und langsames Verbluten. Den Goldpreis steuern können die Minen nicht.
Wenn ich mich dagegen im Platinsektor umsehe:
-Lohnsteigerungen, über die im Goldsektor verhandelt wird, sind längst durch
-Platinpreis $1030, impliziert schon längst einen Goldpreis bei ca. $900
-keine 170000t Bestand vs 2600t Produktion, im Platinbereich gibt es weniger Bestand und jeder Produzent hat erheblichen Anteil ander Weltproduktion, Raffinierung des Endprodukts ist kompliziert und keinesfalls von illegalen Mineuren zu machen -> die Gesellschaften haben wenigstens zu einem kleinen Teil Einfluß auf den Preis
Eine Lonmin gibt es für $700 mio. Vor gar nicht mal sovielen Jahren wurden nach $10 Mrd. Übernahmepreis als zu gering abgelehnt... M.E. ein weit besseres Investment als jede größere Goldmine.
Dann gibt es im Goldsektor ja noch die Zwerge. Einige haben geringere Kosten als die üblichen $1000-$1000. Ich habe da z.B. einen im Auge, $75 mio market cap, 1.18 mio Unzen "Reserven" (davon die Hälfte nicht ausgewiesen, aber im Abbauplan enthalten), 130000 Unzen Produktion, durch neue Mine bald 220000 Unzen. $64/reserve ounce, $340/jährlich produzierter Unze, das läßt sich schon besser sehen.
Und vor allem: produzierende Zwerge ersetzen meist ihre abgebauten Reserven die Exploration.
Der Goldsektor ist also trotz aller Probleme zumindest interessant, eine Basis für langfristige Anlagen sollte man sich dazu parallel aufbauen, ich habe mich ja wie bekannt für den auch langsam schwächelnden Pachinko Sektor entschieden:
-6419 (Mars Engineering, Pachinko Kugel Dispenser, steht neben jeder Pachinko Maschine), KGV 10, ca. 90-95% der market cap net cash
-6257 (Fuji Shoji); KGV 8, 130% der market cap net cash
-6417 (Sankyo), KGV 40-50, 75-80% der market cap in net cash
-6412 (Heiwa), KGV ca. 8-9, kein net cash dafür 125 Golfplätze mit je ca. 40ha
-6889 (Hong Kong stock code, Dynam Holdings), Pachinko Kette mit hoher Dividendenrendite, die aber bald gekürzt werden dürfte nach jüngstem Gewinnrückgang. Wachstumspotential durch neue Filialen, dafür versteckte Schulden wegen land leases
Alles in einem Land, dessen REER Wechselkurs inzwischen tiefer liegt als 1982.
Früher oder später werden die Zinsen steigen, noch sparen die Arbeiter der westlichen Welt fürs Alter, aber schon viel weniger als früher. Die Nettoentnahmen in spätestens wenigen Jahren werden für Kapitalvernichtungen und damit höheren Realzinsen führen. D.h. geringere Immobilienpreise (multiples), geringere KGVs bei Aktien. Kurseinbrüche bei Anleihen. Cash gibt es de facto für Großanleger nicht. Kontostände sind Schulden der Banken und Bargeld ist unpraktikabel. Der Cashcharakter von Gold bei steigenden Zinsen läßt mich wenigstens langfristig hoffen.
Gruß
S.