Das KGV mag zwar langfristig eine Rolle spielen, aber für die nächsten 4 Wochen ist dies unerheblich. Ebenso die Dividendenrendite. Im übrigen ist es meistens so, dass tiefe KGV's ihre Berechtigung haben. Deren Gewinnerwartung ist dann meist viel zu hoch. Das Argument, dass bei halbem Gewinn das KGV mit z.B 4 (Du sagst ja, Sibanye hat KGV 2) immer noch zu niedrig ist und die Aktie steigen muss deswegen, zieht auch nicht so richtig. Das bedeutet nämlich, dass ein schlechter Newsflow vor der Tür steht, was nicht förderlich ist. Und wenn jemand bei KGV 2 nicht kauft, warum soll er bei KGV 4 kaufen?
Genau deswegen ist es Unsinn, auf den Markt zu setzen. "Der Markt hat immer recht" ist m.E. Unsinn, an einem Markt kauft Person A von Person B Ware X für Preis Y, das ist alles. Das KGV kann bei 1 oder bei 100 liegen, extreme Unterschiede hatten wir immer. Siehe New Economy, wir wären mit unseren Goldaktien alle dutzendfache Millionäre. Oder Japan mit Aktien unter netto cash, wir wären mit unseren Goldaktien dann alle sehr arm. Auch wenn wir davon nicht mehr weit entfernt sind, manchmal.
Ich hasse den Markt, ich habe im Markt immer nur Geld verloren. Ich mag es, wenn man auch ein Standbein in der realen Wirtschaft hat und das sind Gewinnentwicklung und Dividenden. Die dividendenlose Aktie, die dem Aktionär keine direkte Verbindung in die Realwirtschaft bietet, zwingt den Aktionär auf höhere Kurse zu hoffen. Die Dividendenwerte bieten beides: Option bei höheren Kursen zu verkaufen, ansonsten Dividendenzahlungen. Dividendenaktien, die nie steigen sind sogar am interessantesten, siehe Philip Morris langfristig, da sie immer billig waren, wurden Dividenden immer zu günstigen Kursen reinvestiert. Gegenbeispiel Japan: Als Aktionär bist du das letzte, Dividenden kärglicher und kärglicher, d.h. langfristig keine Chance zu profitieren. Zur Krönung kauft dich dann ein 75% Mehrheitsaktinär zwangsweise für 30% des fairen Wertes heraus. Für mich ist der Markt nur insofern wichtig als daß ich seine Grundfunktion, die Möglichkeit Anteile eines unternehmens zu erwerben, nutze.
Ich hatte meinen Beitrag nicht auf Sibanye bezogen, mehr auf Iamgold, Gold Fields, Barrick und Newmont. Vor dem Goldpreiscrash waren das nämlich Werte mit KGV<10, 4% Dividende. Nun nicht mehr. Zum Thema Sibanye möchte ich anmerken, daß sie im ersten Quartal 110m Gewinn gemacht haben (net debt Reduzierung), Gold Fields selber gerade mal 66 mio. Cash Flow war bei Gold Fields negativ, bei Sibanye die vollen 110mio. Das zeigt, daß sie eben keine super geheblte Eintagsfliege wie z.B. Golden Star sind. Alle Tricks und Kniffe über Kurssteigerungen etwas erreichen zu wollen gehen früher oder später nach hinten los.
Ich weiß nur daß Sibanye selbst bei jetzigem Goldpreis ein KGV im zweier Bereich hat, 1/4 des Gewinns als Dividende auszahlt und Sonderdividenden überschüssigen Kapitals sowie Aktienrückkäufe im Auge hat. Wann nicht jetzt wann dann?
Außerdem bin ich sicher, daß du Sibanye ganz gut kennst, denn Sibanye = Gold Fields. Sibanye hat die Assets, die um 2000 herum 87% der Produktion Gold Fields ausgemacht haben (3.4 mio von 3.9 mio ozs). Und Südafrika wird nie Prämien gegenüber anderen Ländern haben. Der große Vorteil ist, daß die Unternehmen gut geleitet werden und nicht irrsinnig Kapital angespart wird. Kapital muß per Dividende raus an die Aktionäre. Wenn ein unvorhergesehenes Ereignis kommt, ist es egal ob man mit 5% Eigenkapitalquote oder 50% Eigenkapitalquote pleite geht. Siehe Takefuji, der Konsumentenkreditverleiher in Japan, der super konservativ gemanaged war, 35% Eigenkapitalquote (Finanzunternehmen! CoBa = 8%). Dann kam ein Urteil wonach Zinsen von über 10 Jahren an die ehemaligen Kunden zurückgezahlt werden mußten... die Pleite war sicher. Hätten sie vernünftig gehebelt gearbeitet, wäre für die Aktionäre mehr herausgesprungen.
Also ein Unternehmen kann auch ruhig mal pleite gehen, das gehört im Kapitalismus dazu.
Ich jedenfalls kann nur mit den mir vorliegenden Informationen die zu mir passende Strategie fahren. Passende Strategie = nicht die Nerven verlieren in Extremsituationen. Ich kaufe Hauptpositionen nur in Unternehmen, wo ich mir sicher bin, daß ich sie halte, komme da was wolle. Bei einer Barrick würde ich mir das nicht zutrauen. Daher wäre es auch ein Fehler wenn sich jedermann nun einfach "Hurra, KGV 2" Sibanye kauft. Fremdempfehlungen führen sehr häufig, fast immer, dazu, daß man Extremphasen nicht übersteht und zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft. Da muß also jeder seinen eigenen Weg finden, bzw. eine Empfehlung zu seinem eigenen Investment machen.
Gruß
S.