Mal was zu den "unsanierten" Häusern. Ich finde den Begriff ziemlich irreführend, da es von diesen imho nur wenige gibt, zumindest hier bei uns in der Gegend. Meist wurde da in den letzten Jahrzehnten immer wieder was gemacht. Hier mal ein Beispiel zu meiner Hütte in der ich sowohl wohne als auch die Firma drin habe, das Haus wird also 365 Tage im Jahr voll genutzt und auch entsprechend geheizt.
Ausgangslage: Zweifamilienhaus Bauj. 1969, in den frühen 1990ern Dachausbau und somit nun mit drei abgeschlossenen Wohneinheiten. Im Zuge des Dachausbaus kam eine Zwischensparrendämmung rein mit 160 mm Isover. Mitte der 1990er kam eine Niedertemperaturheizung mit 250 l Brauchwasserspeicher rein inkl. Warmwasserzirkulation. Vorher war ein Konstanttemperaturkessel verbaut. In den frühen 2000er wurden die Fenster gegen Isolierglasfenster getauscht (Doppelverglast k-Wert 1,1), selbiges gilt für die Eingangstüren. Alle drei Geschosse (UG, EG und DG) sind ausgebaut und beheizt mit Radiatoren, im Rahmen von Renovierungen kamen da auch Niedertemperaturheizkörper rein, sind aber auch noch ein paar alte Gliederheizkörper verbaut.
Ich habe hier die Vorlauftemperatur im vergangenen Winter auf +50° C bei Normaußentemperatur -12,8° C begrenzt (zuvor waren 65° C eingestellt). Zudem habe ich alle Heizkörperventile durch voreinstellbare ersetzt und selbst so eingestellt, dass mein Rücklauf bei voll aufgedrehtem Heizkörper nicht über 30° C liegt.
Mein Jahresverbrauch liegt nun bei ~25.000 kW bzw. 2.500 l Heizöl bzw. 2.500 m³ Gas. Bei einer beheizten Fläche von ~240 m². Das bedeutet, der tatsächliche Energieverbrauch liegt pro Jahr bei ~104 kWh/a. Und das in einer Mittelgebirgslage (Schwäbische Alb). Wohnräume sind dabei auf 21° C und Bäder auf 23° C geheizt und auch warm, die Heizung ist Außentemperatur geführt und als Thermostate verwende ich inzwischen elektronische von AVM für das ganze Haus (22 Stück an der Zahl). Das kann die Fritz Box, auch wenn laut AVM nur 12 möglich sind. Funktioniert perfekt.
Entwicklung des Energieverbrauchs (alle Rechnungen ab 1970 über Heizmaterial, liegen mir vor):
Bis 1994 (Konstanttemperaturkessel): 4.500 l Heizöl/Jahr
Bis 2003 (Niedertemperaturkessel aus 1994): 3.500 l Heizöl/Jahr
Bis 2021 (Niedertemperaturkessel aus 1994 & neue Fenster): 3.300 l Heizöl/Jahr
Seit 2022 (Niedertemperaturkessel aus 1994, Vorlauftemperatur auf 50° C begrenzt (zuvor 65° C) und elektronische Thermostate): 2.500 l Heizöl/Jahr
Offiziell würde das Haus wohl von einem Käufer als unsanierter Altbau gesehen werden. Mir ist das aber wumpe, da ich eh nicht verkaufen will und mir daher auch der Buchwert ziemlich schnuppe ist. Der Nutzwert ist für mich hingegen hoch.
Denke, so sieht es bei vielen Gebäuden im Bestand aus, zumindest kenne ich viele von dieser Sorte, an denen immer wieder was gemacht wurde, wenn man Zeit und Geld übrig hatte. Zwar nie eine Komplettsanierung, aber halt immer wieder etwas.
Eidt: Die Heizungs- und Warmwasserrohre sind hier schon immer gedämmt, aber je nach Ausführungsjahr eben unterschiedlich gut. Verganges Jahr habe ich noch ein paar Ventile im Heizkeller selbst nachisoliert. Zudem ist eine Hocheffizienzpumpe Grundfoss Alpha 2 verbaut, die in der Differenzdruckregelung läuft. Die Zirkulation hat auch eine Hocheffizienzpumpe, die Speicherladepumpe ist konventionell.