harpo: Ihr Depot finde ich sehr interessant.
Basierend auf Ihrer Annahme eines weiteren, deutlichen, weltweiten Energie- und Rohstoffpreisanstieges haben Sie den größten Teil ihres Depots bei den Rohstoffproduzenten.
Wobei Ihre Schwerpunkte auf Edelmetalle, Uran und Kohle liegen. Nickel, Kobalt und Kupfer werden dabei in Teilbereichen abgedeckt.
Und somit halten Sie praktisch OS auf diese Rohstoffe, wobei Ihr Dach- OS (Depotzusammenstellung) prinzipiell kein Verfallsdatum hat.
Weiterhin haben Sie einen Energieversorger im Depot und runden so Ihre Gesamtstrategie ab.
Ein Telekommunikations-, ein Banken und ein Versicherungswert stellt für mich ansatzweise einen Diversifikationsversuch dar.
Chancen und Risiken
Von ansteigenden Edelmetallpreisen werden Sie weit überproportional profitieren. Und damit das so sein wird, haben Sie speziell die Edelmetalle mustergültig diversifiziert. Von daher wird Ihnen - ein weiterer, deutlicher Anstieg der Edelmetallnotierungen vorausgesetzt, niemand in diese Suppe spucken können. Selbst dann noch werden Sie profitieren, wenn ein, zwei oder drei Ihrer Rohstoffproduzenten bankrott gehen würden (wovon ich aber nicht ausgehe, denn das wäre schon ein Riesenpech).
Nun zu den Risiken:
Was wäre, wenn Rohstoffe und Edelmetalle überwiegend nur in Dollar steigen würden bzw. was wäre wenn der Rohölpreis so deutlich ansteigt, daß der Anteil des Energiekostenanstiegs bei der Förderung den Preisanstieg der geförderten Rohstoffe überkompensiert?.
Was wäre, wenn der Ölpreis sinkt und demzufolge auch die Inflationsängste und -erwartungen?.
Was wäre wenn es -warum auch immer- zum China-Crash kommen würde?.
Könnten dann die Rohstoffpreise sinken und welche Auswirkungen hätte solch ein Negativ-Szenario auf die Profitabilität und auf die Perspektiven der Minengesellschaften?.
Ich würde dahin tendieren - bei weiterhin offensiver Ausrichtung des Depots - die maximal erreichbaren Gewinnchancen zu Gunsten einer deutlichen Risikomomimierung zurückzufahren.
Rohstoffaktien würde ich auf etwa 30 Prozent zurückfahren. Dafür würde ich 10 Prozent in physischem Gold anlegen, sodaß die Rohstoffquote immer noch stolze 40 Prozent beträgt, was immer noch sehr riskant ist. Energieversorger (Elektrizität, Gas, Öl), ausschließlich Blue-Chips mit einem KGV unter 20 und einer Eigenkapitalquote größer 40 Prozent mit einem Anteil von 15 Prozent mit hineinnehmen. Weitere 25 Prozent würde ich in Blue-Chips der Nahrungsmittelindistrie (z.B. Nestle), in Luxusgüterhersteller (z.B. LVMH), Spezialchemie und sowie Maschinen- und Anlagebau (Gildemeister, Gea-Group, DSM) sowie Baustoffhersteller (z.B. Holcim) hinzunehmen, wobei auch hier nicht mehr als drei Prozent des Depotwertes auf eine Aktie entfallen sollten.
Wir sind nun bei 80 Prozent.
20 Prozent Cash können nicht schaden. Immobilienfonds mit Schwerpunkt Deutschland sollte man im Auge behalten. Nachdem die Grundbesitz-Invest-Kriese überstanden und alle Wertberichtigungen (ggf. auch noch bei anderen Fonds) raus sind, könnte das eine super Einstiegsgelegenheit sein.
Telekommunikationswerte würde ich meiden / abstoßen. Ich kenne die Folgen ruhinösen Wettbewerbes (Baubranche) leider nur allzugut und kann mir daher recht genau vorstellen, was auf die Anleger zukommt. Die Branche würde ich noch nicht mal in einem mustergültig diversifiziertem Depot aufnehmen.
In der aktuellen Zusammenstellung würde ich unbedingt davon abraten, Rohstoffwerte selektiv zu veräußern. Die guten Werte gehen zuerst weg und die weniger guten und ggf. flügellahmen, die bleiben Ihnen erhalten, was Ihrem Diversifikationsgrad diametral entgegenwirkt und ihr Depot substanziell in einem bedrohlichen Maß auslaugt - ohne daß Sie es vorerst bemerken. Wenn ich hier verkaufen würde, dann entweder alles, alles gleichmäßig oder garnichts. Ich würde alle Werte als ein "Basket" ansehen, das entweder gleichmäßig akkumuliert oder reduziert wird.
Viele werden es nicht glauben, aber: gerade durch verfrühte Gewinnmitnahmen in Kombination mit zu langem Halten von Verlustbringern sind viele Anleger bitterarm geworden.
Sollte sich eine umfangreiche Diversifikation aufgrund der Höhe der angelegten Mittel nicht rechnen, so versuchen Sie, Ihre Anlagestrategie und ihre Diversifikation teilweise über Fonds zu erreichen bzw. zu verbessern.