ZitatOriginal von Kellermeister
Aus einem anderen Thread übernahm ich folgendes Zitat von auratico:
""Und die Chinesen sind ein äußerst goldaffines Volk...""
Worauf stützt sich diese hier und woanders oft geäußerte Annahme?
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Von "den Chinesen" zu sprechen ist natürlich zuerst einmal eine Pauschalisierung, aber ich habe bei solchen Formulierungen schon auch die enorme Bevölkerung Chinas im Hinterkopf.
Völlig richtig ist der Einwand, daß die junge Generation in China sich mit Haut und Haaren dem Konsum verschrieben hat und viele der Ärmeren, die dennoch oft bis zu 40% ihres mageren Einkommens sparen, dies freilich nicht in Gold tun, was bei den verfügbaren Summen ja auch kaum möglich wäre. Eigene Erfahrungen mit solchen chinesischen Sparern nach vier Besuchen in China 2004 und 2005 habe ich schon früher einmal gepostet, weiß aber nicht mehr in welchem Thread.
Gold ist in China nicht einfach ein x-beliebiger Stoff, es ist vor allem ein glückverheissendes, ultimatives Material - in physischer Realität schier unerreichbar für die Allermeisten -, das für Wohlergehen und Prosperität und Macht steht , und dies so übertrieben aus westlicher Sicht, daß man es bald schon nicht mehr sehen kann - all die vergoldeten Drachen und Goldimitationen überall. Die Billigvariante davon kannst du in jedem westlichen China-Restaurant erleben.
Und wenn du wüßtest, wie "abergläubig" die Chinesen bei all ihrer Geschäftigkeit sind - da könnte ich stundenlang berichten.
Und die wohlhabenderen Nomaden in Tibet haben Goldzähne im Mund - bei den jungen Frauen auch einfach zu Schmuckzwecken -, das könnte sich ein deutscher Durchschnittsverdiener mit Familie und auch ein chinesischer Angestellter gar nicht mehr leisten. Wo sie das Geld dafür hernehmen, habe ich auch erfahren - es wird einfach ein Yak verkauft und mit dem Erlös wird das Gebiss vergoldet.
Ich denke vielmehr, daß eine größere Nachfrage nach Gold sowohl als Sparfunktion als auch durch Schmucknachfrage natürlich nur von der immer größeren Schicht der Wohlhabenden kommen kann, nicht rasant, sondern kontinuierlich. Und es bleibt zumindest im Moment so, daß der chinesische Normalbürger recht leicht an Gold kommen kann, an die internationalen Aktienmärkte hingegen kaum.
Also, ich erwarte keinen Gold-Boom in China, sondern eine schon allein aus den Fundamentaldaten sich ergebende steigende Nachfrage, die im Falle einer Währungskrise sich freilich dramatisch zuspitzen würde.
Und damit haben die Chinesen als die Erfinder des Papiergeldes nun wirklich genug Erfahrung...
grüsse
auratico