danke für Eure Beiträge.
Genau die persönlichen Erfahrungen interessieren mich am allermeisten.
Ich bin da auf Euch angewiesen, ich komme ja quasi aus D kaum raus.
Auszug aus einem höchst informativen, lebendig geschriebenen Artikel einer indischen Frau aus der gehobenen Mittelschicht (Hervorhebungen von mir):
Es war das am besten gehütete Geheimmittel zur Erlangung von Schönheit und das beliebteste Aphrodisiakum der Maharajas: die Betelnusspäckchen, die sie nach dem Essen kauten, waren in Blattgold gewickelt, weil sie glaubten, es steigere ihre Potenz. Aus demselben Grund unterzogen sich auch ihre Frauen einer Gesichtsbehandlung mit Blattgold und Massagen.
Eine Dame aus meinem Bekanntenkreis hat ihrer Tochter zu jedem Geburtstag einen britischen Goldsovereign gekauft. Inzwischen ist das Mädchen fünfundzwanzig, und über die Jahre ist eine erkleckliche Menge Gold zusammengekommen.Die junge Frau ist Modeverkäuferin in einer Boutique und sagt, dass sie für das Gold keine rechte Verwendung habe, Diamanten oder ein Wellnessurlaub in der Schweiz wären ihr lieber als diese sorgfältig gehorteten Goldmünzen aus der britischen Kolonialzeit. Ihre Mutter schüttelt weise den Kopf und sagt: «Eines Tages wirst du mir dankbar sein.» Ich bin völlig ihrer Meinung. Aber auch meine Kinder, besonders meine Tochter Avantikka, können meine Vorliebe für Gold nicht begreifen. Kürzlich hat Avantikka geheiratet, und als ihr Verlobter ihr erzählte, dass seine Mutter ihr Fusskettchen und einen Gürtel aus Gold schenken wolle (zwei in den Augen der heutigen Generation höchst altmodische und uncoole Accessoires), rümpfte sie die Nase. Die heutige indische Jugend investiert lieber in Goldoptionsscheine, als das Metall selbst zu besitzen.
Für meine Generation war es wichtig, das Gold zu sehen, es zu berühren und bei sich zu tragen. Niemand wäre auf die Idee gekommen, ein Wertpapier zu kaufen.
Kurzum: Wir Inder lieben Gold. Und keiner käme auf den Gedanken, dass er genug davon habe. Ich lebe in der Nähe eines jahrhundertealten Fischerdorfs. Die Kolis, die dort leben, sind die Ureinwohner von Mumbai. Es ist faszinierend, die Frauen zu beobachten, wenn die Fischerboote mit ihrem Fang zurückkehren. Sie sind von Kopf bis Fuss in Gold gehüllt! Während die Männer, die mehrere Tage auf See verbracht haben, sich ausruhen, holen die Frauen die Fischernetze ein, sortieren den Fang und tragen ihn auf den Markt – all das mit mehreren Kilo Goldschmuck am Körper, vom Nasen- bis zum Zehenring. Als ich sie einmal fragte, weshalb sie so viel Schmuck trügen, lachten sie: «Es ist unser ganzes Vermögen. Wir trauen den Banken nicht. Im Unterschied zu dir verstecken wir unseren Schmuck nicht im Tresor. Was wir besitzen, tragen wir mit uns herum. Wenn es zu einer Katastrophe kommt – zu einem Erdbeben, einer Feuersbrunst oder Flutwelle –, können wir alles liegen lassen und davonlaufen. Kannst du das auch?»
Doch trotz alledem hege ich dem Gold gegenüber gemischte Gefühle. Silber, beispielsweise, gefällt mir besser, es ist vielfältiger einsetzbar. Ich liebe auch Holz und andere Materialien. Mit diesen exzentrischen Vorlieben habe ich meine verstorbene Schwiegermutter zur Weissglut getrieben. Jedes Mal, wenn sie mich mit einem solch unorthodoxen Accessoire sah, putzte sie mich herunter und sagte: «Du siehst aus wie eine verarmte, verwahrloste Zigeunerin.» Nach einer Weile gab sie schliesslich auf. Aber wann immer ich mit ihr zu einer Familienfeier ging, behängte ich mich mit so viel Gold wie nötig, um der Familie meines Mannes keine Schande zu machen.
http://www.nzzfolio.ch/www/21b…26-b87d-702f8fa6e6a3.aspx
Grüße
auratico