Während der Himmel sich heute zum ersten Mal seit Kindesstagen gänzlich ohne Kondensstreifen zeigte und der erste Sonnenbrand des Jahres auf den Unterarmen juckt, will sich die Bundesregierung offenbar in der Causa Goldman/IKB engagieren:
http://www.spiegel.de/wirtscha…men/0,1518,689630,00.html
Die BaFin erwägt nun im Gefolge der Anklage durch die US-Börsenaufsicht SEC ebenfalls eine Klage gegen Goldman Sachs, weil offenbar die deutsche IKB neben der US-Gesellschaft ACA (die das CDO-Paket federführend zusammenstellte und sich dabei komischerweise vom Obershorter Paulson alle strenger bewerteten Tranchen ausreden ließ) die einzigen Investoren waren. Dass Goldman hingegen den Subprime-Markt short ging, während sie ihren Kunden den Schrott noch fleißig andrehten, ist alles andere als eine Neuigkeit – das war sogar hier im Goldseiten-Forum schon 2007 Thema. Für die Mainstream-Presse scheint aber selbst dieser Umstand Neuigkeitswert zu haben.
Dies wäre eine einmalige Gelegenheit für die zumeist erschreckend zahnlose BaFin, endlich Licht in die gesamten katastrophalen Offshore-Geschäfte auf den Cayman-Inseln zwischen US-Investmentbanken und deutschen Banken, allen zuvor den deutschen Landesbanken, zu bringen. Diese halten sich immer noch gänzlich bedeckt darüber, wem sie wo und unter welchen Bedingungen den ganzen Schrott, für den nun die Steuerzahler haften, abgekauft haben. Erst in einem Falle wie der aktuellen Causa Goldman Sachs kommt zwangsweise ein wenig Licht in diesen abgrundtiefen Sumpf. Dass die Bundesregierung wirklich Interesse daran hat, dass das Totalversagen der Landesbanken en detail in die Öffentlichkeit kommt – was unbedingt notwendig wäre – darf getrost bezweifelt werden. Im Schatten der US-Börsenaufsicht hingegen lässt es sich jedoch ohne großen eigenen Aufwand segeln und man kann damit den Anschein erwecken, selbst aggressiv Betrugsmomenten nachzugehen.
Bekanntlich haben sich die deutschen Amateurbanken zu 100% allein auf die Ratingnoten der US-Ratingagenturen verlassen, es gab darüber hinaus so gut wie keine „due diligence“, ja nicht einmal ein ansatzweises Verständnis für die Funktionsmechanismen der synthetischen strukturierten Hypothekenderivate. Auch das nun in Frage stehende Abacus-Vehikel von Goldman Sachs, das bis zur Kante ausschließlich mit dem allerschlimmsten Hypothekenmüll angefüllt war, hat sowohl von Moody´s Investor Service als auch von Standard & Poor´s die Bestnote Triple A erhalten. Warum also, so dachte man sich in Düsseldorf, sollte man da nicht dabeisein.
Die Ratingagenturen sind bislang völlig ungerechtfertigterweise nur mit einem gewissen Imageschaden durch die Krise gekommen, obwohl sie mit ihren absolut falschen Bewertungen ganz wesentliche Akteure dieser Betrügereien waren. Schon wieder richten sich fast alle großen Investoren nach ihrem Geplappere, und das Zinsniveau ganzer Staaten hängt von diesen nachweislich unfähigen Agenturen ab. Auch in dem vorliegenden Fall agierten sie im Grunde nur als ein „hochbezahlter Escort-Service“ in den Diensten von Goldman Sachs.
Die BaFin sollte allen Mut zusammennehmen und endlich eine Klage gegen die Ratingagenturen in Erwägung ziehen und gleichzeitig den Finanzströmen zwischen den US-Investmentbanken und deutschen Instituten auf den Cayman-Inseln und anderswo nachgehen.
Während Goldman Sachs schon begann, den US-Subprimemarkt zu shorten, haben sie allein 2006 noch 83 Hypothekenanleihen im Wert von $ 44, 5 Milliarden an vor allem ausländische Kunden verscherbelt. Im Jahr 2007, als der aktuelle Fall sich zutrug, war es nicht viel anders.
Das US-Finanzministerium bezifferte in einem Report von 2008 die Nominalsumme der auf den Cayman-Inseln gehaltenen hypothekenbesicherten Anleihen mit $ 164 Milliarden und für das andere Steuerparadies Luxemburg mit $ 22 Milliarden.
Das Vorgehen der SEC ist nur zu begrüßen, vor allem, wenn die Causa Goldman als Testballon und Auftakt für weitere Aktionen gedacht ist. Andererseits ist offenkundig, dass man wieder der üblichen Hollywood-Dramaturgie folgt und diesen jungen Goldman-Mann aus Frankreich mit seinen reichlich dämlichen E-Mails („ Die ganze Sache wird zusammenbrechen, ich werde dabei fein heraus sein etc…) zum gefälligen Abschuss nach vorne an die Rampe stellt.
Was ist hingegen mit seinen Vorgesetzten bei Goldman Sachs wie z.B. Jonathan M. Engohl, der der ganzen Bude das Signal zum großangelegten Shorten (was freilich nicht illegal war) gab, während Goldman nach außen hin noch eifrig den ganzen Ramsch an vor allem deutsche Landesbanken vertickerte?
Das US-Justizministerium ist bei der ganzen Sache nicht dabei. Erst eine strafrechtliche Ausrichtung und Aufarbeitung der Machenschaften der letzten Jahre wäre für die Finanzeliten eine reale Gefahr. Jede Geldstrafe/Vergleich bezahlt Goldman aus der Portokasse, während bald, wie zuletzt bei der Societé Générale, die ersten Medienporträts des jungen Angestellten erscheinen werden, ganz so, als sei es wieder einmal nur eine reine Testosteron- und Bonus-Geschichte von der Wall Street.
Ein paar z.T schon sehr alte Links (Video + Artikel) zur Sache als Archivmaterial für später und für die Leute von der BaFin, wenn sie vom Kaffeetrinken zurückkommen:
http://online.wsj.com/article/…04574499740849179448.html
http://wirtschaftquerschuss.bl…2007-ac1-gottes-werk.html
http://www.blicklog.com/2010/0…ate-sec-vs-goldman-sachs/
http://www.antemedius.com/cont…ges-against-goldman-sachs
http://www.youtube.com/watch?v=wlrmncvNeYE&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=AZg-akz967Q&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=XThAjCzBe7w
http://therealnews.com/t2/inde…31&Itemid=74&jumival=4410
http://www.dailyreckoning.com.au/goldman-sachs-2/2007/10/19/
http://www.mcclatchydc.com/200…-secretly-bet-on-the.html
Von 2007 (!):
http://www.business-foreclosur…ann_shorting_subprime.htm
Grüße
auratico