Zitat
quote='Tollar',
Wer sind die Glaeubiger, wer sind die Schuldner ?
Inflation beguenstigt die Schuldner, Deflation beguenstigt die Glaeubiger. Die Frage ob Inflation oder Deflation wird sich daran klaeren lassen, wer mehr Macht hat.
Der Staat wird zum ultimativen Schuldner und kann sich nur durch Inflation nominell entschulden. Die Zwangsverlierer in der Inflation sind dann, in Ermangelung von kreditvergebenden Geschäftsbanken, die Steuerzahler und die jetzigen Sparer, die man bestimmt nicht mit einer langandauernden Deflation "begünstigen" wird. Dieser Prozess ist jedoch erst in einem frühen Stadium, was die Deflationisten nicht erkennen wollen, wenn sie triumphierend glauben, darauf verweisen zu müssen, dass die Notenpressen derzeit gar nicht mit der Schuldenzerstörung mithalten können. Das wird sich ändern.
Ferner ist es höchst zweifelhaft zu glauben, die sogenannte "Hochfinanz", z.B. in Form der wallstreethörigen Fed, könne angesichts des bereits vollzogenen Desasters immer noch ad libitum bestimmen, was weiter geschehen wird wie in einem perfekt durchdachten Verschwörungskrimi. Das einzige, was sie jetzt noch tun können, ist Zeit gewinnen, um ihre Klientel so lang wie nur möglich zu beschützen, um in dieser Zeitspanne mit allerlei als diverse Rettungspakete getarnten Aktionen deren Verbindlichkeiten und wertlosen Papierschrott zu Phantasiepreisen in dem grösstmöglich politisch durchsetzbaren Ausmass auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Man gibt ihnen damit auch die Zeit, sich neu zu positionieren (Unternehmen zum Spottpreis aufkaufen, ohne deren Verbindlichkeiten übernehmen zu müssen, Rohstoffefutures wieder hochtreiben etc.) Genau davon waren die vergangenen Monate bestimmt. Wie lange das noch so weitergehen wird, kann freilich nur ein Prophet sagen. Auf die Richtung aber kommt es an.
Inflation ist das monetäre Phänomen steigender Geldmengen, das sich nicht von Anfang an schon in stark steigenden Verbraucherpreisen querbeet äussern muss, sondern - wie in den letzten Jahren - sich auch in steigenden Assetpreisen aller Couleur ausbreiten kann, sofern die Möglichkeit zur Nachschuldnerei besteht. Deflation ist der Zerfall dieser Schuldinstrumente. Keinesfalls ist die logische Konsequenz eines deflationären Kollapses der Schuldinstrumente (= aktuelle Gegenwart) immer eine darauf folgende, langandauernde Verbraucherpreisdeflation.
Japan ist praktisch zur Gänze im Inland bei seiner alten Bevölkerung (die jüngeren tragen immer noch die Schulden aus der Bubble-Zeit ab) verschuldet und war während der letztvergangenen Jahre eine hochlaufende Exportmaschinerie. Japan ist kein Musterbeispiel für den Verlauf deflationärer Prozesse, zumal dort der exorbitante Verfall der Asset-Preise keinesfalls von der nur sehr mäßigen Verbraucherdeflation (man nehme nur die hohen Fahrpreise u.ä. als Beispiel) aufgefangen wurde. Die über hohe Sparguthaben verfügende ältere Generation brauchte dort die ihnen angetragenen Kredite nicht, sondern lebte als Rentner und Sparer gut mit der Deflation. Eine solche schuldenfreie ältere Generation gibt es in USA nicht bzw. sie ist vernachlässigbar klein und superreich. Die USA hingegen sind im Ausland verschuldet. Solche Schulden müssen irgendwann weginflationiert werden.
Bei einer klassischen, langen Preisdeflation essentieller Güter dürfte z.B. der Ölpreis nie und nimmer auf dem gegenwärtigen Niveau von ca. 70$ stehen. Das Öl wird also nun als gute, im buchstäblichen Sinne "liquide" Währung gesehen, nicht als frühlingsgrüner Indikator einer Konjunkturerholung. Das gilt auch für medizinische Dienstleistungen, die keinen Penny billiger werden, wie sich an den Sätzen eines jeden Pflegeheimes oder einer Zahnarztrechnung ablesen lässt. Die steigenden Hypothekenzinsen in England und USA, die die BOE und Fed, trotz quantitative easing in epischem Ausmass, nicht unter Kontrolle bekommen, sprechen die gleiche Sprache. Die US-Hypothekenzinsen werden fleissig weiter anziehen, mehr als die Löhne. Ob da die Schuldner dann auf der richtigen Seite sitzen?
Ebenso ist es kein Geheimnis, dass 95% aller Hyperinflationen eine saftige Deflation mit der Zerstörung der auf Schuldenbasis erworbenen Vermögenswerte vorauslief - wenn wir von dem jüngsten Fall in Zimbawe einmal absehen wollen. Mir scheint eine Hyperinflation als Folge der gegenwärtigen Situation wesentlich wahrscheinlicher zu sein als Inflation oder Deflation. Hyperinflation ist nicht etwa einfach eine gesteigerte Inflation, sondern ein Währungsereignis, d.h. der unkontrollierbar anwachsende Vertrauensverlust in das jeweilige Papiergeldsystem insgesamt. Das ist kein Vorgang mehr, den eine Notenbank mit ihren im Vergleich dazu bescheidenen Mitteln dann noch steuern könnte.
Ausserdem: die aus den USA kommenden Zahlen zum Arbeitsmarkt, Inflation etc. sind durch die Bank falsch, weil bis zur völligen Unbrauchbarkeit von höchst dubiosen Parametern durchsetzt, wie John Williams (http://www.shadowstats.com) seit Jahren beharrlich nachweist.
Was scheinbare Deflation in einer von Abwertungswettkämpfen der Papierwährungen befeuerten Zeit ist, zeigt sich z.B. im rezessionsgeplagten England - und das steht auch noch in einer staatstreuen und neuerdings auf den Deflationszug aufgesprungenen Zeitung wie dem "Daily Telegraph" zu lesen:
Middle-class inflation twice official rate, as petrol and mortgages prices jump
Published: 7:00AM BST 17 Jun 2009
According to an analysis of the official figures for the Daily Telegraph by Capital Economics, middle class consumers experienced prices rising by 5.3 per cent on an annual basis in May.
This is more than twice the official Consumer Prices Index – the Government's preferred measure of inflation, which dipped from 2.3 per cent in April to 2.2 per cent in May, the Office of National Statistics said on Tuesday.
Middle class families are suffering from an inflation rate more than twice the official level, as the price of petrol, mortgages and alcohol all creep up in price.
http://www.telegraph.co.uk/fin…ortgages-prices-jump.html
grüsse
auratico