Während der deutsche Staat für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit derzeit nur rund 3,1 Prozent Zinsen bezahlt, muss Portugal 4,6 Prozent versprechen – Tendenz steigend. Damit tritt Portugal in die Fußstapfen Griechenlands. Dort betragen die Aufschläge gegenüber Bundesanleihen zwar bereits rund 3,5 Prozentpunkte.
Doch der südwestliche Außenposten der Eurozone ist auf dem besten Wege, dem südöstlichen zu folgen. Und Spanien könnte eventuell ähnliches blühen. Gemeinsam mit Irland, dessen Staatsfinanzen ebenfalls reichlich zerrüttet sind, werden diese Staaten am Finanzmarkt inzwischen als die PIGS bezeichnet, abgeleitet von ihren Anfangsbuchstaben. [Hier irrt der Autor, das I steht für Italien, denn Irland hatte bei der Wortschöpfung noch keiner auf dem Radar]
Säuen soll man bekanntlich keine Perlen vorwerfen, respektive kein gutes Anlegergeld. Im Falle der Staatsanleihen der südlichen Euroländer gibt es inzwischen aber auch eine Reihe von Experten, die das anders sehen. So sind für Michael Rottmann von der Unicredit die Aufschläge für griechische Papiere jenseits von Gut und Böse. Daher gelte: „Wer an das Überleben Griechenlands ohne Kreditausfall glaubt, sieht sich mit exzellenten Ertragsperspektiven konfrontiert.“ In diesem Fall seien die Anleihen sogar nicht nur eine Beimischung wert, „sondern ein uneingeschränkter Kauf“.
Ähnlich argumentiert Andreas Riegler, stellvertretender Anleihen-Chef bei Raiffeisen Capital Management. „Wir haben an der Neuemission griechischer Staatsanleihen der vorvergangenen Woche teilgenommen“, sagt er. Sprich: Er hat die Papiere gekauft. „Wer nicht an eine Pleite von Griechenland glaubt, der kann damit derzeit eine gute Rendite erzielen.“ Und auch er glaubt: „Das Land wird nicht fallen gelassen werden.“
Ein wichtiges Argument dabei ist die Tatsache, dass der Großteil der griechischen Anleihen im Gesamtumfang von rund 290 Mrd. Euro nicht bei inländischen Anlegern im Portfolio liegt, sondern bei Investoren in Westeuropa, vor allem auch bei Banken. Sie wären es damit, die am stärksten von einer Pleite unter der Akropolis betroffen wären. Dies dürfte es den Regierungen der Euro-Partner in jedem Fall sehr schwer machen, Griechenland im Stich zu lassen. Und nicht viel anders sieht es im Falle Portugals aus.
Insofern klingen die 6,6 Prozent Rendite äußerst attraktiv, die griechische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit derzeit bieten, gerade auch im Vergleich zu den mageren Zinsen, die es für deutsche Titel gibt. Und auch 4,6 Prozent für portugiesische Papiere scheinen interessant. „Allerdings müssen Anleger auch mit einer hohen Volatilität leben können“, warnt Riegler. Die Renditen für griechische oder portugiesische Anleihen könnten durchaus noch weiter steigen, und damit dann deren Kurse fallen.
Denn die kommenden Wochen könnten noch stürmisch werden, und im April und Mai dürfte sogar erst der Höhepunkt folgen. Denn dann muss alleine Griechenland auslaufende Staatsanleihen und Zinsen im Wert von 23 Mrd. Euro bedienen – ein Vielfaches dessen, was im Februar und März fällig wird. Und da die Kassen leer sind, funktioniert dies nur, wenn der Staat dieses Geld gleichzeitig wieder am Kapitalmarkt aufnehmen kann. Gelingt dies nicht, verweigern sich also die Investoren, so kann das Land seine Schulden nicht mehr bedienen – es wäre zahlungsunfähig. Das wäre dann der Fall, den bisher die meisten für unwahrscheinlich halten.