Im Februar machte Island den Anfang. Der weniger als eine halbe Million Einwohner zählende Kleinstaat war in den Jahren zuvor durch Deregulierungen und "heißes Geld" aus dem Ausland in ein Paradies für Hedgefonds und andere dubiose Finanzunternehmen verwandelt worden. Unter anderem hatte eine Armada von "Carry-Trade"-Investoren auf dem europäischen Kontinent Euro-Schulden zu 2-3 Prozent Zinsen aufgenommen, quer durch die Nordsee geschleust und dann in zehnprozentige Island-Anleihen gesteckt. Solange die isländische Krone stabil blieb, ergibt das ein prächtiges Geschäft. Die Emittenten der Anleihen wiederum waren zumeist isländische Banken, über die das geliehene Geld in Hedgefonds oder in die lokale Immobilienblase floß. Ein übriger Teil wurde für Firmenaufkäufe im gesamten nordeuropäischen Raum verwendet.
Im Februar genügte schließlich eine einzige negative Stellungnahme einer Ratingagentur, um die gesamte isländische Blasenansammlung platzen zu lassen. Der Absturz der Krone fiel dabei so heftig aus, daß die "Carry-Trader" innerhalb weniger Tage ihre Zinsgewinne mehrerer Jahre einbüßten. Nun ist das Geschrei groß. Denn Islands größte Bank, Kaupthing, spielte eine zentrale Rolle in dem internationalen Roulettspiel und ist jetzt in Schieflage geraten. Finanzanalyst Michael Sandfort von Nykredit Markets verbreitete beispielsweise einen Aufruf an Investoren, sich unverzüglich aus dem Staub zu machen: "Wir empfehlen, alle Anleihen von Kaupthing zu verkaufen", heißt es in dem Bericht. Denn es drohe eine isländische Bankenkrise mit unkalkulierbaren Konsequenzen. Die drei größten Banken des Landes hatten binnen zwei Jahren sowohl ihre Ausleihungen als auch ihre Anleiheschulden im Ausland vervielfacht. Nun seien die Verbindlichkeiten so groß, daß noch nicht einmal der volle Einsatz des isländischen Staates zur Rettung ausreiche. Inzwischen wurde eine Regierungskommission eingerichtet, die einen finanziellen Notstandsplan ausarbeitet.
Der "Island-Crash" war nur die erste Episode einer weltweiten "Carry-Trade"-Implosion. Mit der Aussicht auf steigende Zinsraten in Japan, Europa und den USA verlieren diese Geschäfte ihre Grundlage. Und wie bei allen Finanzblasen gilt auch hier das Gesetz, daß nur die allerersten Investoren rechtzeitig den Ausgang erreichen, während die übrigen ins Gras beißen.