Handelskrieg zwischen USA und China: Peking setzt jetzt die Spielregeln
Veröffentlicht am 13. Oktober 2025 11:37 von Dói Ennoson, fmw
Peking verschärft die Exportregeln und zwingt Washington zum Handeln. Der Machtkampf zwischen den USA und China erreicht eine neue Stufe. Mit den neuen Exportauflagen setzt China ein deutliches Zeichen im Ringen um wirtschaftliche Vorherrschaft. Seltene Erden werden zum strategischen Werkzeug, um Druck auf Washington auszuüben. Die Entscheidung war lange vorbereitet und verändert das Kräfteverhältnis zwischen den beiden größten Volkswirtschaften spürbar.
Neue Exportregeln als Game Changer
Am Freitag kündigte die chinesische Regierung weitreichende Beschränkungen für die Ausfuhr von seltenen Erden, Graphit-Anoden, Lithium-Ionen-Batterien und synthetischen Diamanten an. Betroffen sind auch Produkte mit geringen Anteilen dieser Materialien. Zusätzlich gelten neue Lizenzpflichten für Maschinen und Verfahren zur Weiterverarbeitung. Damit schafft China faktisch eine extraterritoriale Exportkontrolle, die die gesamte Lieferkette umfasst. Sie spiegelt das US-System wider, das amerikanische Technologie weltweit erfasst, sobald sie mit US-Komponenten hergestellt wird.
Mehrere Faktoren haben zu dieser Entscheidung geführt. Xi Jinping hat aus dem Handelskrieg der ersten Amtszeit und dem Zollstreit seit April gelernt, dass Härte gegenüber Trump erfolgreicher ist als Beschwichtigung. Trump respektiert Stärke und verachtet Nachgiebigkeit. Beijing hat diese Lektion verinnerlicht.
Zugleich sieht Xi Trump innenpolitisch angeschlagen. Der Haushaltsstillstand, Unzufriedenheit in der Landwirtschaft wegen des chinesischen Kaufboykotts und eine schwächelnde Wirtschaft setzen ihn unter Druck. Xi nutzt das Zeitfenster, um die Rollen zu tauschen. Er will die Verhandlungslage drehen und von Reaktion auf Kontrolle umschalten.
Dieser Strategiewechsel wurde in den letzten Monaten gründlich im „südlichen Palast“, dem Sitz des Generalsekretärs im Zhongnanhai-Komplex vorbereitet.
Das Treffen am Rande des APEC-Gipfels in Südkorea ist dafür der passende Moment. Statt wie üblich zu deeskalieren, erhöht Xi gezielt die Spannung. Trumps Bedürfnis nach Anerkennung und symbolischen Erfolgen macht ihn berechenbar.
Trumps Reaktion folgte umgehend. Ab November sollen 100-Prozent-Zölle auf sämtliche chinesische Produkte gelten, begleitet von Exportverboten für kritische Software. Doch der Zeitplan verrät Schwäche. Während Beijing seine Kontrollen schon ab dem 9. Oktober aktiviert, muss Trump auf innenpolitische Rücksichten achten.
Xi treibt Tump an den Abgrund
Was bisher ein kalkuliertes Feigling-Spiel zwischen zwei ego-getriebenen Führern war, wird nun zu einem echten Brinkmanship-Spiel. Xi geht bis an den Rand des Abgrunds, um die Initiative zu übernehmen. Das klassische Beispiel hierfür bleibt die Kuba-Krise von 1962, als Washington und Moskau das Risiko einer nuklearen Eskalation bewusst in Kauf nahmen, um Entschlossenheit zu demonstrieren.
Hinter Chinas Selbstbewusstsein steckt jedoch mehr Taktik als Substanz. Die offiziellen Aussagen, man habe die Exporte erfolgreich nach Südostasien umgeleitet, treffen nur teilweise zu. Die Handelsdaten zeigen, dass chinesische Lieferungen in die USA stark zurückgingen, während Exporte aus ASEAN-Staaten in die USA stiegen. Viele chinesische Waren nehmen den Umweg über Nachbarländer, die Handelsströme bleiben strukturell gleich.
Die Einnahmen pro Einheit sinken, auch wenn die Exportmenge steigt. Subventionen auf allen Ebenen halten die Gewinne stabil, von der Staats- bis zur Lokalebene. Sie erfassen nicht nur die Unternehmen, sondern auch Forschung, Infrastruktur und Lieferketten. Außen wirkt China strategisch überlegen, bleibt aber abhängig vom Export und damit vom US-Markt.
Die Binnenwirtschaft bleibt schwach. Sollte der US-Markt langfristig wegbrechen, würde sich die Krise in China verschärfen. Subventionen federn das nur begrenzt ab. Auf der US-Seite drohen Zölle die Inflation zu treiben und die Wirtschaft zu bremsen. Beide Seiten riskieren Schaden, doch die wirtschaftliche Verflechtung – die Chimäre Chinamerika – bleibt bestehen, auch wenn keiner sie offen zugibt.
Xi hat den Vorteil des politischen Systems. Er plant langfristig. Trump denkt im Takt der Wahlzyklen. Die Midterms rücken näher und könnten ihm einen demokratischen Kongress bescheren. Xi muss sich im Augenblick nicht um eine Verlängerung seiner Amtszeit kümmern. Damit verschiebt sich das Gleichgewicht. Trump braucht und vor allem will das Treffen, um sein Ego zu bestätigen, während Xi warten kann. China setzt auf kontrollierte Eskalation, um Spielraum zu erzwingen, und dreht damit die Spielregeln um. Was wie ein neues Kapitel aussieht, ist in Wahrheit ein strategisches Reframing. Beijing agiert nicht mehr defensiv, sondern bestimmt die Bedingungen.
Trump verliert den Takt im Machtspiel
Diese Umkehrung der Dynamik hat Trump überrumpelt. Der selbst ernannte Verhandlungskünstler steht vor einer Eskalation, die er nicht erwartet hat. In einem spontanen Post auf Truth Social nannte er Pekings Schritt feindselig und drohte mit der Absage des Treffens in Südkorea, ruderte aber Stunden später zurück.
Die neuen Exportkontrollen belegen, was China-Analysten seit Langem betonen. Die Rhetorik der Trump-Administration über Fortschritte war substanzlos.
Trumps Werkzeuge gegen Peking sind stumpf geworden. Neue Zolldrohungen beeindrucken niemanden mehr. Xis Zug könnte Trump nicht nur zur Kooperation zwingen, sondern ihn zum Verlierer im Brinkmanship-Spiel machen. Xi könnte Trump endgültig entzaubern und ihn auf der weltpolitischen Bühne zu einer Randfigur degradieren. In den USA könnte er für den Rest seiner Amtszeit eine Lame Duck bleiben. Die Gefahr könnte dann wachsen, dass er die Staaten endgültig zu einem autokratischen Land formt.
LG Vatapitta