Ein Klasse Artikel auf Finanzmarktwelt von Oliver Stalzer
(stark gekürzt)
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Der News-Flow als digitaler Treibstoff der Marktmanipulation
Und nun kommen wir zum entscheidenden Teil der Architektur: der Einbindung des allgemeinen Newsflows. Algos können längst „lesen“. Sie durchforsten in Echtzeit Tweets von als wichtig eingestuften Playern am Finanzmarkt, Bloomberg-Meldungen und Reden von Notenbankern mittels Natural Language Processing auf semantische Ladungen.
Da sieht man auch nun besonders aus den Erfahrungen der letzten Zeit, wie „intelligent“ KI wirklich ist – sie macht ja nur, was programmiert wurde. Ein HFT-Algorithmus, der auf den Wortlaut der Tagesschau konditioniert ist, hat kein Konzept von Wahrheit. Er hat kein Modul für „Eindeutige Lüge in Manipulationsabsicht“. Er hat ein Lexikon. In diesem Lexikon steht: „Satz mit ‚Zölle werden ausgesetzt‘ = Positiv-Score +0.8“. „Satz mit ‚Handelskrieg‘ = Negativ-Score -0.9“. Ob diese Sätze von Trump – also einem narzisstischen Präsidenten mit Selbstbereicherungsabsicht – stammen, der auf seiner autistischen Social-Media-Plattform um 3 Uhr morgens die nächste intellektuelle Flatulenz ablässt, oder von einem besonnenen Staatsmann, der eine durchdachte Exekutivorder verkündet: der Algorithmus macht da keinen Unterschied. Der Score ändert sich, das Signal geht auf Grün oder Rot, die Orderwand wird aufgebaut oder eingerissen.
Und hier betritt auch das Plunge Protection Team und das Media Team in der Trump-Administration die Bühne als eine Art deus ex machina der Marktmanipulation. Die Grundlage für einen manipulierten Newsflow ist denkbar einfach und erschreckend effektiv. Man muss die Parameter der Algorithmen kennen – und das scheint in den großen Investmenthäusern durchaus gewollt zu sein. Das ist kein Bug, es ist ein Feature. Wenn Sie wissen, dass die Trendfolge-Herden auf bestimmte Signalwörter wie „great“, „beautiful“, „very strong economy“ oder „trade deal“ so zuverlässig anspringen wie ein Hund auf die Futterdose, dann halten Sie den Schlüssel zum S&P 500 in der Hand.
Die Mechanik des „Fake-News-Pumps“ ist ein mehrstufiger Raketenantrieb für die Aktienmärkte. Zunächst der präsidiale Impuls: Ein Trump-Tweet kurz vor Börseneröffnung à la „Big trade deal coming. Talks are going GREAT!“. Die semantischen Analyse-Algos der Hochfrequenzhändler schlagen sofort an, der Score für Risiko-Assets springt ins Positive. Die Trendfolge-Algos erkennen den Impuls, die ersten Widerstände werden mit Market Orders plattgewalzt. Die Volumina kommen, die institutionellen Risk-Parity-Fonds werden mechanisch aus ihren Bonds in Aktien umgeschichtet, weil ihre Volatilitätsmodelle aufgrund der steigenden Kurse Entwarnung geben. Der S&P 500 macht einen Satz nach oben. Dass der „Big Deal“ zwölf Stunden später von sämtlichen Unterhändlern dementiert wird und sich als reine Erfindung des Präsidenten entpuppt, ist völlig irrelevant. Der Pump-and-Dump der Administration hat seinen Zweck erfüllt: Die Vermögenspreise wurden an einem kritischen Tag gestützt, die Verbraucherstimmung gedopt, der politische Druck reduziert. Das Algo-Rudel wurde als willfähriger Erfüllungsgehilfe genutzt.
Trump und die Zerstörung der Funktionsfähigkeit des Marktes durch Fake-Realitäten
Der Einfluss dieser toxischen Melange aus Hochfrequenz-Automaten und politischen Lügen auf die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte wird das Vertrauen in den scheinbar rationalen Preisbildungsprozess weiter erodieren. Ein Markt hat klassischerweise drei zentrale Funktionen: Kapitalallokation, Risikotransfer und vor allem Preisfindung. Die Preisfindung wird durch diese Algos, die auf den manipulierten Newsflow der Trump-Administration dressiert sind – und dahingehend nicht korrigiert werden – ad absurdum geführt. Der Zinsmarkt, der Aktienmarkt, der Ölmarkt – sie alle büßen massiv ihre Signalfunktion für die Realwirtschaft ein.
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Gleiches gilt für den Risikotransfer. Die Algos, geschult an der Volatilitätslandschaft der Fake-News, unterdrücken die Risikoprämien auf ein grotesk niedriges Niveau. Der VIX, der sogenannte Angstindex, wird zur Farce. Warum sollte ein Algo auch Angst haben? Er hat keine Existenzängste. Er hat keinen Job, den er verlieren könnte, keine Familie zu ernähren. Er rechnet nur. Und wenn der Newsflow-Score hoch genug ist, wird die Volatilität aufgrund mathematischer Modelle heruntergeschrieben, die keine Kategorie für „systematischen politischen Betrug“ besitzen. Das Ergebnis ist, dass sich eine immense, ungesicherte Risikoposition in den Büchern der Marktteilnehmer aufbaut, die sich in der scheinbaren Sicherheit des impliziten Fed-Puts und der Trump-Tweets wähnen.
Der digitale schwarze Schwan: wann fliegt das Konstrukt auseinander, weil Realität und Fake-Realität zu weit auseinanderklaffen?
Der Kollaps ist endogen in komplexen Systemen angelegt. Er wird dann eintreten, wenn ein Ereignis eine Wucht entfaltet, die selbst die semantische Manipulationskapazität der Trump-Administration übersteigt. Wenn etwa eine Schattenbank ins Straucheln gerät oder eine physische Lieferkrise wie die Hormus-Blockade so eklatant wird, dass selbst der ignorantest programmierte Trendfolge-Algo einen fundamentalen Datenpunkt nicht mehr ignorieren kann, weil der Spot-Preis für Treibstoff plötzlich einen Sigma-Score erreicht, der außerhalb jedes historischen Modells liegt.
In diesem Moment wird der Algorithmus nicht etwa intelligent und fängt an, die Wahrheit zu suchen. Er wird einfach in den Off-Limit-Modus schalten, weil das Regelwerk für diese Situation nicht existiert. Die Volumina werden in der einen Millisekunde noch den letzten Fake-News-Tweet gekauft, um in der nächsten, wenn der reale Schmerz der Kontrahenten in den Orderbüchern sichtbar wird, das gesamte Risiko in einem Rutsch zu dumpen – und das werden viele Handelssysteme gleichzeitig versuchen. Abhängig von den weiteren digitalen Sicherungssystemen in einem solchen Fall, wird ein Algo-Kaskaden-Crash eher kein langsamer, geordneter Ausverkauf sein. Es wird ein Flash-Crash, ein Kaskadeneffekt von Margin Calls, ausgelöst von Maschinen, die nur emotionslos umsetzen.
Die Hochfrequenzmärkte, ursprünglich angetreten, um rational Liquidität zu traden, haben beim Auftauchen des „digitalen schwarzen Schwans“ in Form eines unbedachten Off-Limit-Parameters in einer inszenierten und hochgehebelten „Fake-Finanzwelt“ das Potential verbrannte Erde aus wertlosen Buchforderungen zu hinterlassen. Die finale Antwort auf die Frage nach der Intelligenz der KI ist dann eine Abwärtsspirale, die schneller beschleunigt, als irgendein noch so schneller Tweet sie aufhalten könnte.
LG Vatapitta