Die Integration des Irans in die eurasische Achse beendet die westliche Dominanz
von Matthew Ehret*
(15. August 2025) Die imperialen Ambitionen Washingtons und der Fanatismus Tel Avivs haben die Welt an den Rand der nuklearen Vernichtung gebracht. Aber die Integration des Iran in die eurasische Achse bietet der Menschheit einen wichtigen Ausweg.
Vor dem gemeinsamen Angriff der USA und Israels auf den Iran stand die Welt kurz vor der Lösung der Krise um das Atomprogramm der Islamischen Republik. Am 9. Juni unterzeichneten Russland und der Iran ein umfassendes neues Abkommen,1 das nicht nur auf die Umstrukturierung der Energiearchitektur Westasiens abzielt, sondern auch einen entscheidenden Ausweg aus dem Krieg bietet.
Russlands letzte Warnung an das Imperium
Dieses Abkommen sieht vor, dass die russische Rosatom mindestens acht neue Atomreaktoren im Iran baut. Mohammad Eslami, Irans Atomenergiechef, erklärte: «Wir haben einen Vertrag mit Russland über den Bau von acht Atomkraftwerken im Iran, von denen vier in Bushehr stehen werden.»
Dieses Projekt ist weitgehend das Ergebnis des 25-jährigen umfassenden strategischen Pakts zwischen Russland und dem Iran,2 der am 21. Mai vom iranischen Parlament ratifiziert wurde und von Russland finanziert wird, wobei Iran mehr als 10 Gigawatt (GW) Energie erhalten soll. Nach aktuellen Plänen beabsichtigt der Iran, «die Kernkraftkapazität bis 2041 auf 20 000 Megawatt (20 GW) zu erhöhen».
Diese Vereinbarung entstand wenige Tage nachdem Moskau ein Angebot3zur Rettung der ins Stocken geratenen Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran unterbreitet hatte, das die Entfernung von angereichertem Uran aus dem Iran und dessen Umwandlung in Brennstoff für zivile Reaktoren vorsah.
Der stellvertretende russische Aussenminister Sergei Ryabkov erklärte am 11. Juni:4 «Wir sind bereit, sowohl Washington als auch Teheran zu unterstützen, nicht nur politisch, nicht nur in Form von Ideen, die im Verhandlungsprozess nützlich sein könnten, sondern auch praktisch: zum Beispiel durch den Export von überschüssigem Nuklearmaterial aus dem Iran und dessen anschliessende Umwandlung in Brennstoff für Reaktoren.»
Diese Initiative erwies sich jedoch als Moskaus letzter Akt des guten Willens. Wie The Cradle berichtete,5 betrachtete Moskau die anschliessenden US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran als schweren Verrat, der jegliche Illusionen darüber zunichte machte, dass Washington eine friedliche Lösung anstrebe. Russische Beamte, die von der Aggression überrascht wurden, haben seitdem beschlossen, ihre Rolle als Vermittler aufzugeben und sich entschlossen an die Seite Teherans zu stellen, um einer weiteren Eskalation durch den Westen entgegenzuwirken.
Warum also sollten Israel und die USA gerade jetzt eine Eskalation wählen? Die Antwort ist klar: Das iranische Atomprogramm war nie das Problem.6
Im Mittelpunkt der Überlegungen Tel Avivs steht die trotzige Herausforderung der Islamischen Republik gegenüber der zionistischen und imperialen Ordnung. Über seine Unterstützung für Widerstandsbewegungen hinaus hat der Iran eine überragende Rolle bei der Erosion der westlichen Macht gespielt, indem er eurasische wirtschaftliche und strategische Allianzen geschmiedet hat,7 die die Dollar-Hegemonie umgehen und den Einfluss der USA schwächen.
Eisenbahnstrecken und Wasserstrassen,
die den Osten mit Europa verbinden.
Diese systemischen Bedrohungen, verbunden mit der Weigerung Teherans, sich dem Projekt eines Grossisraels zu unterwerfen – einer eschatologischen Mission zur Wiedererrichtung des Salomonischen Tempels und zur Errichtung einer neuen Weltordnung –, haben den Iran zu einem unerbittlichen Hindernis für die westlichen Pläne in Westasien gemacht.
Der Iran ist nicht nur eine Säule der regionalen Stabilität, da er seit 1736 keinen Krieg mehr begonnen hat und angesichts jahrzehntelanger Provokationen durch den Westen ausserordentliche Geduld an den Tag legt. Er ist auch zum Dreh- und Angelpunkt der eurasischen Integration8 geworden und verankert sowohl die Ost-West-Initiative Belt and Road (BRI) als auch den Nord-Süd-Transportkorridor (INSTC).
Die Eisenbahn als Lebensader einer multipolaren Zukunft
Am 24. Mai wurde ein neuer 8400 Kilometer langer Eisenbahnkorridor9 zwischen Xi'an in China und dem Trockenhafen Aprin im Iran eingeweiht. Diese Eisenbahnlinie, die als «stille Revolution» der Vernetzung bezeichnet wird, verkürzt die traditionellen Seewege um 16 Tage und festigt eine wichtige Verkehrsader der BRI, die nahtlos an die INSTC anschliesst.
Der chinesische Diplomat Wang Wenbin beschrieb sie treffend als «eine Win-Win-Situation für Frieden, Entwicklung und Zusammenarbeit. Der Zug in den Iran ist der Zug in die Zukunft.»
Wie Ritu Sharma in der Eurasian Times feststellte,10 «kann Teheran ohne US-Militärpräsenz entlang der Eisenbahnlinie Öl exportieren und Waren aus Peking importieren, ohne dass Washington ein Auge darauf hat».
Über China hinaus bilden die wiederhergestellten Eisenbahnverbindungen des Iran mit Pakistan und der Türkei11 – letztere wurde 2022 nach einer zehnjährigen Pause reaktiviert – einen 5981 Kilometer langen Korridor, über den Güter in nur 13 Tagen von Istanbul nach Islamabad transportiert werden können, statt wie bisher auf dem Seeweg in 35 Tagen. Erweiterungen in die chinesische Region Xinjiang sind bereits im Gange.
Die Modernisierung der Normalspurweite in Pakistan und die laufenden Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Iran und Pakistan tragen zur weiteren Integration der regionalen Eisenbahninfrastruktur bei. Unterdessen nimmt das 2001 von Russland, Iran und Indien konzipierte INSTC-Projekt12 mit mehr als einem Dutzend aktiven Teilnehmern auf beiden Seiten des Kaspischen Meeres, einschliesslich multimodaler Seeverbindungen auf dem Kaspischen Meer selbst, endlich Gestalt an.
Eine neu in Betrieb genommene Strecke,13 die Pakistan, Iran, Turkmenistan, Kasachstan und das russische Uljanowsk verbindet, ermöglicht nun den direkten Handel mit Energie und Industriegütern und erweitert gleichzeitig den Zugang zu den zentralasiatischen Märkten.
Karte der Eisenbahnstrecke Pakistan–Iran–Türkei.
Im Süden sollen Pläne zum Ausbau des iranischen Hafens Chabahar durch eine 700 Kilometer lange Eisenbahnverbindung nach Zahedan,14 die dem Binnenstaat Afghanistan einen wichtigen Handelszugang verschafft, bis 2026 fertiggestellt werden. Die unterwürfige Weigerung Neu-Delhis, die Aggression der USA und Israels zu verurteilen,15 hat jedoch einen Schatten auf die Zukunft des Projekts geworfen.
IMEC und die Illusionen eines Imperiums
Im Vergleich zu diesen bahnbrechenden eurasischen Korridoren ist der von den USA unterstützte Korridor Indien-Nahost-Europa (IMEC),16 der 2023 ins Leben gerufen wurde, eine geopolitische Farce.
Während China seine Vision mit einer robusten nationalen Bankenlandschaft und realer Infrastruktur untermauert, hat das IMEC-Konsortium unter der Führung von Indien, Israel und der EU in zwei Jahren nichts Greifbares geschaffen. Ohne Kreditmechanismen, Energieplanung oder gross angelegte Logistik existiert es in erster Linie als Marketing-Gag, getarnt als «moderne Gewürzroute».17
Karte des Korridors Indien–Naher Osten–Europa (IMEC).
Dieses gescheiterte Projekt reiht sich ein in eine lange Liste westlich geführter Belt-and-Road-Klone, von der «Green Belt Initiative»18 über «Build Back Better World»19 bis hin zur 600 Milliarden Dollar schweren «Partnership for Global Infrastructure and Investment»20 und dem 300 Milliarden Euro (327 Milliarden Dollar) schweren «Global Gateway».21 Alle sind aus dem gleichen Grund gescheitert: der strukturellen Unfähigkeit des Westens, etwas aufzubauen.
Nach Jahrzehnten der Deindustrialisierung, der Abhängigkeit von billigen Arbeitskräften und des Casino-Kapitalismus können die transatlantischen Volkswirtschaften nicht mehr produzieren, bauen oder strategisch planen, ohne sich auf die Zerstörung schwächerer Nationen zu stützen, um ihre unipolare Vorherrschaft aufrechtzuerhalten.