1. Ich halte es für deutlich verfrüht jetzt schon in Aktien einzusteigen. Die Krise fängt gerade an in die Realwirtschaft zu plumsen. Die Autobauer reagieren langsam darauf (Arbeitslose), BASF hat gestern reagiert (noch mehr Arbeitslose), die ganzen Zulieferer werden jetzt betroffen (noch mehr Arbeitslose). Das wird Zweitrunden und Drittrundeneffekte erzeugen die sich gewaschen haben. Das Szenario ist hochgradig deflationär, sieht man sich die USA, Europa usw. kann man sich vorstellen wie sich das die Exportnation D auswirken wird. Alle die neuen Arbeitslosen von heute sind die möglichen Insolvenzen von morgen (Autokredite oder Leasingraten, Haus- und Wohnungskredite). Man sollte hier nicht vergessen, dass die Deutschen zwar relative viele Ersparnisse haben, allerdings sagt das noch nicht aus es würden diesen Ersparnissen nicht eventuelle Schulden gegenüber stehen. (Von der Verzerrung dieser Statistik durch die Superreichen mal ganz abgesehen).
2. Gegenläufig ist die Ausgabe von Krediten an alle Banken. Ein User aus den Gelben Seiten hatte vor circa einer Woche eine Kreditübersicht von Deutschland Stand September 2008 gezeigt (habe leider keinen Zugriff mehr auf die Quelle) die aufzeigt, dass die Neu-Kreditvergabe an private Haushalte und Firmen überraschenderweise leicht gestiegen ist. Das wiederum bedeutet, zumindest im September haben die Pferde noch gesoffen. Kann sich natürlich schlagartig ändern. Milliarden werden für Neukreditvergaben gerade bereit gestellt. Konjunkturprogramme werden aufgelegt.
Die grossen Banken dürften - schon allein durch die Anwendung jetzt legaler, kreativer Bewertung Ihrer Forderungen - gerettet sein und werden. Die Realwirtschaft ist darauf angewiesen, dass es Käufer für Ihre Produkte gibt. Für sie ist es weniger wichtig was gestern geschah, es ist viel wichtiger was morgen passieren wird. BASF, Daimler, Opel, Ford, die Spediteure sind der Meinung, morgen wird es weniger Geschäft geben als heute. Die Personal-Leasing Firmen sind ebenfalls dieser Meinung, sie kündigen Ihren Mitarbeitern scharenweise.
3. Ich finde ein klares Szenario ist nicht zu erkennen. Überall diskutieren die einen in Richtung Deflation, die anderen in Richtung einer starken Inflation. Die Geschichte lehrt, üblicherweise bekommt man beides abwechselnd und hintereinander. Eventuell mehrmals. Die Geschichte lehrt auch, das Ganze endet mit einer Währungsreform zumindest bei den Verlierermächten. Viele Werte werden üblicherweise durch die Deflation eingesammelt und alle Zahlungsversprechen/Kredite durch eine mögliche Hyperinflation entwertet. Und ich möchte nicht wissen wie viele Firmen durch Weltwirtschaftskrisen vernichtet wurden und wieviel grosse Unternehmen dabei waren. Ob es da sicher ist, Aktien von Daimler, Thyssen, BASF zu halten? Wer sagt Euch denn, dass Daimler nicht die NSU von morgen ist. Das sind gewaltige Unterschiede meint ihr? Ja, sicher, nur wer hätte denn GE oder GM würden sehr ernsthafte Probleme bekommen? Ich erinnere mich an einen Artikel aus der 'Finanzen' und der Rubrik 'Börsenfux', die vor ca. 2 Jahren empfohlen hatte (für mutige) GM, Ford und andere USA Grossbetriebe zu kaufen. Weil Value und billig und die USA wird sich wieder berappeln.... usw. Übrigens eine Rubrik, deren Empfehlungen ich ansonsten schon den einen oder anderen 500 Euro Schein verdanke.
4. Offiziellen Zahlen über BIP und Inflationsraten ist besonders in Angelsächsischen Ländern IMHO nicht zu trauen. Die haben alle eine Abteilung 'Creative Statistics' und schaffen es locker sich ihren BIP um 4-5 % schön zu rechnen. Das lehrt mich die Erfahrung der letzten Jahre. Warum sollten sie ausgerechnet jetzt damit aufhören? Das bedeutet für mich auch, ich interpretiere offizielle Statistiken anhand der Erfahrungen, d.h. von einem amerikanischen BIP kann man gleich schon mal 4 % abziehen, auf amerikanische Inflationsraten kann man - üblicherweise sofort 4 % addieren usw. (fallende Rohstoffpreise könnten die Schere allerdings etwas kleiner machen)
5. Aus den oben genannten Punkten ergibt sich für mich persönlich der Schluss:
- Einen Teil in (echte) Werte zu investieren. (jederzeit zugreifbar und liquidierbar. Deshalb hier keine Aktien!)
- Einen Teil als Barreserve.
- einen Teil auf Tagesgeld, Giro, usw
- Einen kleineren Teil zum Spielen und für mögliche zukünftige Investitionen (hier sehe ich Aktien). Derzeit werde ich noch keine Aktien (Dow, Dax, usw.) nachkaufen, ich halte weitere 50 % Verlust für wahrscheinlich. Dann sollten die Zweitrundeneffekte eingepreist sein. Speziell glaube ich deshalb noch nicht an Aktien, weil ich glaube den Konzernen kommen die Käufer abhanden. Okay, der Staat selbst kann kaufen, bei den Ländern und Gemeinden wir es zunehmend eng. Die Banken werden schätzungsweise derzeit nicht gross investieren, sie bauen gerade Personal ab. (Büroraum ebenfalls). Die Dax Unternehmen - Lufthansa, BASF, SAP, Allianz, Daimler, BMW, usw. befürchten Schlimmeres - alles was an der Gesundheitsbranche hängt wird sich kommendes Jahr umsehen. Mehr Arbeitslose bedeuten weniger Sozialbeiträge, schlechte Wirtschaftlage bedeutet weniger Gewerbe- und Körperschaftssteuer. Durch das gute Jahr 2006 werden viele Firmen etwas an Rückstellungen für Neuinvestitionen vorgenommen haben. Viele Firmen werden nun nicht investieren sondern 2008 in der Bilanz die Rückstellungen auflösen, d.h. die Finanzämter und Gemeinden bekommen vielleicht etwas mehr an Steuereinnahmen als 2008 eigentlich erwirtschaftet hat. Falls die Steuerschuldner noch liquide sind, für die Steuern reicht es allerdings meistens noch (Privatschatulleneffekt).
6. Die größte Frage ist für mich, ob das Fiat-Geld System nochmal die Kurve in ruhigeres Gewässer bekommt. Bisher endete jegliches Fiat-Geldsystem mit einem Staatsbankrott. Warum sollte es diesmal zum ersten Mal anders ausgehen?
Jeder der bei einem Totalcrash in Aktien investiert ist bewegt sich auf unsicherem Eis. Okay zugegeben, dann ist jegliches Eis unsicher, aber die Frage ist, ob dann Konzerne nicht nationalisiert werden müssen (verstaatlich). Wenn alle Schulden aufgehoben werden ,was wird dann mit den Schulden die GM oder DB an die Aktionäre haben? Können diese erhalten bleiben? Werden sie angepasst? Wird durch Staatskredite der Anteil am Firmenvermögen verwässert? Oder investieren Anlager wie Warren Buffett, die zwar ebenfalls nur Aktien besitzen, sich allerdings Sonderrechte einräumen lassen(Verwässerung)? Wann finden ggf. Anpassungen statt, dh. wie lange sind Aktien nicht mehr handelbar? Kommst Du an dein Depot? Sind deine Aktien gerade an jemand anderes verliehen? Kann der Leiher, die Aktien wieder zurückkaufen, oder ist er gerade kollabiert (Zitat eines Bankberaters: war ja kein Risiko zu sehen, war ja Lehman Brothers).