@ R. Deutsch
Zitat
Dieses schon zig mal widerlegte Argument ist leider nicht auszrotten
Das Metermaß muss auch nicht verlängert werden, wenn wir größere Häuser bauen wollen.
Ein gutes Buch dazu ist Rothbart: Das Scheingeldsystem mit einem Vorwort von Guido Hülsmann in dem er ausführlich auf dieses falsche Argument (nicht genug Gold) eingeht. Der Zinssatz war in der Zeit des Goldstandard übrigens immer sehr niedrig (2-3%) und die Industriestaaten hatten ein größeres Wachstum als heute.
Hallo Reinhard,
eine Quellenangabe oder Verweis zu Fundstellen, wo dieses Argument 'zig mal' widerlegt wurde, fände ich sehr hilfreich.
Interessant fände ich auch zu wissen, an welcher Stelle das genannte Buch "Das Scheingeldsystem mit einem Vorwort von Guido Hülsmann [..] ausführlich auf dieses falsche Argument (nicht genug Gold) eingeht". Außer allgemeinen Betrachtungen zur Funktionsweise des Geldes konnte ich beim besten Willen keine Klarstellungen entdecken.
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In Kapitel 8 "Das richtige Geldangebot" macht sich Rothbard Gedanken zur Relation Geldmenge-Gütermenge und deren Veränderungen.
Was sind m.E. seine wesentlichen Aussagen dazu?
1. Die Veränderung in der GesamtGOLDmenge wird sich sehr langsam vollziehen, da das Verhältnis der jährlichen Neuproduktion zur Gesamtmenge der Tendenz nach recht klein ist (S. 30).
Nachvollziehbar.
2. Im Verhältnis zum Güterangebot wird "ein Anstieg der Geldmenge (hier goldgedeckte GM) den "Preis" für Geld mindern; eine erhöhte Nachfrage wird ihn steigen lassen" (S. 31).
Das würde ich als Inflation bzw. Deflation bezeichnen (Kaufkraftschwund bzw. Kaufkraftgewinn der Währung).
3. Die Veränderung der Geldmenge (des Angebots) bedeutet keinen gesellschaftlichen Nutzen. Während neue Konsum- oder Kapitalgüter den Lebensstandard erhöhen, erhöht neues Geld nur die Preise, d.h. es verwässert seine eigene Kaufkraft. (S. 32)
Ein Anstieg der Geldmenge verwässert die Kaufkraft der Goldunze, ein Schrumpfen der Geldmenge erhöht die Kaufkraft der Goldunze (S. 33)
Einverstanden, das ist bei der goldgedeckten Währungen nicht anders wie bei Papiergeld.
4. "Wir kommen zu der überraschenden Erkenntnis, dass die Größe der Geldmenge unerheblich ist. Jede Geldmenge wird ihre Aufgabe so gut erfüllen wie jede andere " (S. 33)
Darauf bezieht sich vermutlich der obige Hinweis (Zitat), dass das Argument widerlegt ist.
Aha! Das gilt aber doch auch für Papiergeld, oder nicht ?
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In Kapitel 9 "Das Problem des Hortens" trifft Rothbard folgende Aussagen:
1. Als Ergebnis des Hortens sinken die Güterpreise und die Kaufkraft der Unze steigt. (S. 34)
Einverstanden. Verknappung der Geldmenge = Deflation.
2. Ökonomen irren, wenn sie glauben, es sei etwas nicht in Ordnung, wenn das Geld sich nicht in einem konstanten "aktiven" Umlauf befindet. Geld ist genauso nützlich, wenn es "untätig" in irgendeiner Kasse liegt, sogar im "Hort" eines Geizhalses. (S. 35)
Verknappung der Geldmenge ist also kein Problem.
3. Bewegungen im Geldpreis, die durch Veränderungen der Geldnachfrage entstehen, leisten einen positiven gesellschaftlichen Nutzen, und zwar so positiv, wie jeder andere Nutzen, der durch ein steigendes Güter- und Dienstleistungsangebot entsteht. (S. 36)
Angenommen die Nachfrage nach Kassenbeständen steigt - vielleicht auf Grund einer wachsenden Besorgnis. Da die Leute Bargeldbestände höher bewerten steigt die Nachfrage nach Geld, die Preise fallen.
Einverstanden. Wieder potenzielle Deflation.
Nachwort "Schöne neue Zeichengeldwelt" von J. G. Hülsmann (S. 111)
Hülsmann schreibt: "Rothbards meisterhafte Darstellung der Währungsgeschichte führt uns stets ein Gundaxiom der Geldtheorie vor Augen, dass die Geldmenge für den Tauschhandel unerheblich ist. Jede beliebige Menge Geldes reicht aus, um jede beliebige Menge von Gütern und Dienstleistungen umzusetzen. Eine größere Geldmenge setzt die Güter und Dienste lediglich zu höheren Preisen um während eine kleinere Geldmenge die gleiche Funktion bei niedrigeren Preisen erfüllt.
Für die Konsumenten ist die Höhe des Preisniveaus einerlei.
Wenn weniger Geld im Umlauf ist, sind die Geldeinkommen geringer, aber die Preise der Konsumgüter sind ebenfalls niedriger. Ganz entsprechend geht ein höherer Geldumlauf mit einem höheren Geldeinkommen, aber auch höheren Konsumgüterpreisen einher. Für die Realeinkommen hat das offensichtlich keine Bedeutung.
Genauso steht es aus der Sicht der Unternehmer. Für den unternehmerischen Erfolg ist das Preisniveau völlig unbedeutend.
------------ Ende der Zitate
Die Ausführungen verstehe ich soweit. Natürlich muss die Geldmenge nicht 1:1 mit der Gütermenge wachsen. Das ist für mich jedoch keine befriedigende Lösung für das Problem eines funktionierenden Geldwertes.
Bei einem geringeren Geldmengenwachstum ändert sich eben die Relation Geldmenge - Gütermenge, d.h. Geld wird "wertvoller". Damit sinken die Güterpreise, in deren Folge die Produktionskosten, Materialkosten, Arbeitseinkommen, Mieten ... (Deflation).
Unklar sind mir dabei ein paar ganz praktische Fragen:
Unterstellt wird von mir dabei zuerst einmal eine weltweite einheitliche Golddeckung.
1. Eine Golddeckung erfordert eine Deckung der jeweiligen nationalen Währungen. Die wenigsten Länder besitzen Gold, sehr viele besitzen "viel zu wenig" im Vergleich zum Volumen ihrer nationalen Währung (China, Japan ...). Außer wenigen Staaten wie die USA, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Russland befinden sich alle anderen Staaten im Golddefizit. Wie kann das praktikabel gelöst werden ? Die Nicht-Besitzerländer müssten Gold kaufen ? Folge starker Goldpreisanstieg. Womit bezahlen die Nicht-Besitzerländer ? Mit Staatsvermögen (Infrastruktur, Rohstoffen ...) ? Kommen die Besitzerländer zu einem enormen Aufwertungsgewinn ?
2. Da die einzelnen Währungen durch einen festen Goldanteil unterlegt sind, stehen sie untereinander in einem unveränderlichen Verhältnis. Eine Golddeckung bedeutet demnach zwischen allen Nationen einen starren Wechselkurs.
Wie soll das funktionieren ? Das zwingt alle Nationen zu einer ausgeglichenen Außenhandelsbilanz. Bei Ungleichgewichten fließen ansonsten Währungen (= Golddeckung) ins Partnerland ab. Die Nation mit einem Importüberschuss verliert Zahlungsmittel (Deflation), die Nation mit einem Exportüberschuss erhält Inflation.
Ist es denkbar, dass die Import-/Exportrelationen stets ausgeglichen sind ? Beispiel USA, China, Japan, 3. Welt-Staaten ?
Wir haben mit dem starren Wechselkurs des Euros schon die allergrößten Probleme. Will man dieses missglückte Experiment auf die ganze Erde ausweiten ??
3. Länder mit Goldvorkommen werden für militärische Überfälle genauso "attraktiv" wie die Ölförderländer heute.
4. Die Goldförderung liegt bei ca. 2.600 to p.a. In Relation zur vorhandenen Goldmenge von ca. 150.000 to entspricht das einem Wachstum von ca. 1,7 % p.a. Das weltweite Wachstum liegt zwischen 1 % (Europa) - 10 % (Asien), im Durchschnitt ca. 3-4 %. Damit ist ein permanenter Kaufkraftgewinn der Währung bzw. Preissenkung der Güter vorprogrammiert. Die jährliche Preissenkung (Deflation) dürfte in diesem Fall bei ca. 2 % sein.
Rothbard und Hülsmann halten sinkende Preise für unproblematisch, das Beispiel der Japanischen Deflation (1990 - 2005) spricht eine ganz andere Sprache.
5. Deflation ist vielleicht kein Problem, wenn alle Beteiligten mit diesem Vorgang gut umgehen können:
Ideal wäre, dass Käufer sofort bei Kaufwunsch kaufen und diesen nicht hinausschieben um von sinkenden Preisen zu profitieren.
Im Konsumgüterbereich halte ich dieses Verhalten noch für möglich, d.h. der Kaffee wird nicht ein Jahr später getrunken, da dann sein Preis von 2,20 € auf 2,16 € gesunken ist. Genauso werden notwendige Ersatzbeschaffungen (zusammenfallende Rostlaube, Autokauf) asap durchgeführt.
Was aber ist bei großen Investitionen wie einer Immobilie, Fabrikgebäude ... ? Eine um 10 Jahre verzögerte Investition verbilligt bei einer Deflationsrate von 2 % die Investition um 22 % (negativer Zinseszinseffekt !). Da lohnt sich das Abwarten mit allen Folgen für die Investitionsgüterhersteller (Nachfragerückgang, Entlassungen, steigende Sozialkosten des Staates (ALG), geringere Konsumgüternachfrage ...).
6. Erhöhte Risiken des Handels bei Artikeln, die nicht sofort umgesetzt werden können. Durch den Preisverfall schmilzt die kalkulierte Gewinnspanne (die im Einzelhandel (große Märkte) häufig nur noch 1 - 2 % beträgt).
7. Da einem Sparer von Seiten der Bank mindestens ein positiver Zinssatz gegeben werden muss (bei einem negativen Zinssatz behält er sein Geld zu Hause) ist der Zuwachs von Spargeldern bei einem Bankzins von z.B. 0,25 % und einer Deflation von 2 % immerhin 2,25 %. Kaufkraftgewinn allein durch Warten, das ist in einem inflationären Umfeld (wenigstens auf der Basis von gering verzinsten Einlagen) nicht möglich.
usw. usw.
------------------------------ Fazit
Das große Problem mit den Rothbard'schen Gedanken sehe ich darin, dass es keine funktionierende Lösung für die zwangsläufige Deflation gibt. Dass die Folge einer Golddeckung die Geldaufwertung sein kann, spricht Rothbard selbst an. Wie aber soll das in der Praxis (und auch zwischen den Staaten) funktionieren ?
Den ersten Schritt begründet er nachvollziehbar "... dass die Geldmenge für den Tauschhandel unerheblich ist. Jede beliebige Menge Geldes reicht aus, um jede beliebige Menge von Gütern und Dienstleistungen umzusetzen".
Den folgenden Schritt, wie dies in der Praxis durchführbar ist, bleibt er schuldig.