Ich habe noch ein interessantes Thema im Bereich der U.S. Anleihen gefunden, das weniger beachtet wird:
Alle starren auf die Versteigerung der langjährigen U.S. Treasuries: das ist die Hauptkampflinie,
hier guckt man, ob das Schatzamt seine Anleihen noch los wird - oder was die FED mit ihrem Aufkaufprogramm macht.
Ich habe mir mal die Kurzläufer angesehen:
Bei den Langläufern geht schon ein Raunen durch die Finanzmärkte, wenn ein neuer rekord gebrochen wird und pro Woche 75 Mrd Dollar Anleihen versteigert werden sollen.
http://blog.taragana.com/n/tre…g-government-debt-131504/
http://www.treasurydirect.gov/…ess/preanre/2009/2009.htm
Beim US Schatzamt kann man sich alle Versteigerungen ansehen:
Hier mal die Versteigerungen der Kurzläufer aus der Zeit 24/7/2009 bis 24/8/2009:
29 Mrd 70 Tage 19.8.2009
31,5 4weeks 18.8.2009
28,5 mrd 26weeks 17.8.
29,3 mrd 13weeks 17.8.2009
34,7 Mrd 4weeks Tage 11.8.2009
29,5 mrd 26weeks 10.8.2009
31,5 mrd 13weeks 10.8.2009
36 Mrd 300 Tage 13.8.2009
35 Mrd 70 Tage 7.8.2009
36 Mrd 70 Tage 5.8.2009
29,2 mrd 13weeks 3.8.2009
29,7 mrd 26 weeks 3.8.2009
30,7 Mrd 4weeks 4.8.2009
26,7 mrd 52 weeks 28.7.2009
29,1 mrd 26 weeks 27.7.2009
30 Mrd 70 Tage 24.7.2009
28,7 mrd 4 weeks 28.7.2009
29,5 mrd 13weeks 27.7.2009
Ingesamt, wenn ich mich nicht verrechnet habe, 554,6 Mrd Dollar Anleihen.
Davon wird ca. die Hälfte in 70 und weniger Tagen fällig.
Um die Dimensionen zu klären:
Der größte Gläubiger Amerikas, die Chinesen, haben US treasuries in Höhe von ca. 550 Mrd Dollar
Derzeit braucht Amerika monatlich ca. 100 Mrd Dollar frisches Geld aus dem Ausland für Schatzanleihen.
Um es kurz zu Sagen: die USA finanzieren sich aus dem Dispo.
Das ist nicht ganz neu.
Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren das ebenfalls schon 385 Mrd Dollar.
Eigentlich verständlich: US treasury bills mit 10 Tagen, 30 Tagen oder 70 Tagen laufzeit sind eine praktische Sache:
Die USA sind flüssig bis zu den nächsten Steuereinnahmen - oder zur nächsten Versteigerung von Langläufern.
Und jemand, der im Dollar-Raum 4 Wochen lang Geld parken will, bevor er damit Öl, Erz oder die regierung einer Bananenrepublik kaufen
will, hat in der Zwischenzeit Zinsen.
Im Prinzip sind US Treasury Bills sowas wie gedrucktes Geld: Schatzanleihen für 10, 30 oder 70 Tage haben praktisch kein Kursrisiko,
da man locker bis zum Ende der Laufzeit warten kann.
Ich glaube, beim US Schatzamt hat man über die Jahre gemerkt, dass es in diesem markt kaum Wiederstände gibt:
ob man 10 Tagesanleihen für 10 Mrd oder 30 Mrd verkauft - das geht immer.
Aber inzwischen schiebt Amerika eine Welle von 528 Mrd Kurzläufern vor sich her.
Das ist eigentlich gar nicht sooo viel: Bei 200 Mio Amerikaner sind 30 Mio auf Lebensmittelmarken angewiesen, Arbeitslose gibt es auch,
ich rechne einfach mal mit 100 Mio zahlungsfähigen Amerikanern. Das wären dann ca. 5.500 Dollar kurzfristige Schulden auf 100 Mio einigermassen zahlungsfähige Amerikaner.
Trotzdem glaube ich, dass die Bugwelle an Kurzläufern zum Problem werden dürfte:
so sahen die Kurzläufer 2007 aus:
20,0 mrd 17days 29.8.2007
10,0 mrd 8days 15.8.2007
26,0 mrd 1days 14.8.2007
30, mrd 4weeks28.8.2007
32,00 mrd 4weeks 21.8.2007
28,60 mrd 4weeks 14.8.2007
29,7 mrd 4weeks 7.8.2007
21,0 mrd 4weeks 31.7.2007
21,0 mrd 4weeks 24.7.2007
Vor zwei Jahren war - soweit ich es gesehen habe - die typische Tranche an Kurzäufern 20 Mrd Dollar, vor 5 Jahren waren es 10 Mrd Dollar,
inzwischen sind es 30 Mrd Dollar.
Bear Stearn ging Pleite, weil sie lang laufende Anlagen und kurz laufende Verbindlichkeiten hatte.
Eine der bekanntesten italienische Bankiersfamilie im Mittelalter hatte den englischen König finanziert:
sie hatten haufenweise kurzfristige Verbindlichkeiten und langfristige Anlagen, z.B. das Monopol auf Wollhandel oderso.
Für die USA sind 528 Mrd kurzfristige Verbindlichkeiten gar nicht so viel Geld.
Aber anhand der bisherigen Aufnahmekapazitäten des kapitalmarktes kann man sehen, wo die Grenzen sind.
Die Öl-exportierenden Staaten haben 200 Mrd Dollar an Staatsanleihen akkumuliert:
Das sind auch die Dimensionen, in denen Staaten wie Russland und Brasilien Dollaranleihen haben oder hatten (beide sind
auf der Verkäuferseite).
500 Mrd kurzläufer haben bisher auf den Finanzmärkten als liquider Ersatz für echte Dollars gesorgt.
Ich habe gelesen, dass viele Deals nicht mit Dollar bezahlt werden, sondenr mit kurz laufenden Dollar-Staatsanleihen.
Ich habe irgendwo gelesen, dass Anfang August in etwa 90 Mrd Dollar lang laufende Staatsanleihen zurückgezahlt werden mussten
und eine summe wie 60 mrd dollar als Zinsen an Japaner gezahlt werden mussten.
Praktisch unbemerkt beginnt die US Treasury schon, private Bondholder zu enteignen:
http://www.treasurydirect.gov/…ress/bondcall07152009.pdf
http://www.treasurydirect.gov/…ress/bondcall04152009.pdf
Das sind lang laufende Bonds aus den 80er Jahren mit hohen Kupons.
Die Treasury zwingt die Bond-besitzer zur Rückgabe der Bonds: zum Nennpreis.
Wer das nicht macht, bekommt ab sofort keine Zinsen mehr.
There are $4,388 million of these bonds outstanding, of which $3,381 million are held by private investors. Securities not redeemed on August 15, 2009, will stop earning interest.
80% ist in der hand von privaten Investoren!
Es kann also sein, dass ich als Kleinanleger einen Bond mit 12% Kupon in den 90ern für 130% des Nennwertes gekauft habe -
und dass er nun zu 100% des Nennwerts wieder eingezogen wird, weil Herrn Geitner die Zinsen zu hoch sind.
Das ist nichts anderes als Enteignung.
Ich bin kein Bond-Spezialist, wahrscheinlich gibt es auch irgendwo sogar eine Klausel, dass er das darf.
Aber in einem freien Markt würden die frisch ausgegeben und die alten Bond frei gehandelt werden und beide hätten einen Preis,
der Laufzeit, Zinssatz und restlaufzeit ausgleicht.
Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen wäre das Spiel bald vorbei - und die USA müssten für ihre Ramschanleihen 25 % Zinsen zahlen,
die das Risiko eines Dollar-Crashs und Staatsbankrotts einpreisen.
Irgendwo habe ich einen Artikel gelesen "Why Default on U.S. Treasuries is Likely
": da wurde die Überlegung entwickelt, dass ein Staatsbankrott wahrscheinlicher ist,
als dass Drucken von Dollars und das Inflationieren der Schuld.
http://www.econlib.org/library…s/y2009/Hummeltbills.html
Wenn man sich überlegt, wie locker Russland den letzten Staatsbankrott weggesteckt hat und was für ein
machtvolles Tool die Herrschaft über die Weltwährung ist, könnte das sogar stimmen: Staatsbankrott, um den Dollar zu retten.
Meine Vermutungen gehen allerdings eher in die Richtung, dass die Zauberkünster irgendetwas anderes versuchen werden:
Gelddrucken und/oder Umwandlung von fiktiven Werten in Staatsschuld.
Dafür spricht, dass GB (genau, das Land, das kein Geld mehr hat) im Juni 2009 plötzlich zum drittgrössten Gläubiger Amerikas aufgestiegen ist.
Oder wenn irgendein Weg gefunden wird, um die 80 Billionen in Derivaten so zu benutzen, dass die Derivateblase nicht blatzt,
aber ein teil davon zu Geld wird, um Staatsanleihen zu kaufen - dann wäre genug heisse Luft vorhanden, um noch lange Zeit legal
Dollars zu drucken und den US Staatshaushalt zu finanzieren.