Dann könnte ja Jemand von einem schweren strategischen Fehler
bezüglich der Speicherstände rumjammern 
Es ist ein Glücksspiel geworden.
Und wenn die Politik daraus ein Glücksspiel gemacht hat - dann ist die für die kommenden Auswirkungen voll verantwortlich. Aber nachürlich wird das Wetter oder der Klimawandel daran schuld sein.
Was mag passieren?
Nun wenn es ganz leer wird,
dann wird die Industrie abgeschaltet.
Angeblich sind die Haushalte die letzten in der Kette, die abgeschaltet werden.
Doch die Stromversorgung muß maximal gesichert sein.
Und ohne Erdgas ist keine optimale Regulierung mehr möglich.
----------------------------------
1. Warum sind Gaskraftwerke so wichtig für die Regulierung?
Gaskraftwerke spielen im deutschen Strommix eine besondere Rolle, nicht unbedingt wegen der Menge an Strom, die sie produzieren (das machen Wind, Sonne und Kohle oft in größerem Umfang), sondern wegen ihrer Flexibilität.
- Schnelligkeit: Gaskraftwerke können sehr schnell hoch- und heruntergefahren werden. Wenn eine Wolke vor die Sonne zieht oder der Wind plötzlich nachlässt, springen Gaskraftwerke binnen Minuten ein.
- Regelenergie: Sie liefern sogenannte positive und negative Regelenergie, um die Netzfrequenz stabil bei 50 Hertz zu halten.
2. Was passiert, wenn das Gas fehlt?
Fallen die Gaskraftwerke aus, fehlt dem Netzbetreiber das "schnelle Schwert", um Schwankungen auszugleichen. Das Netz wird starrer. Die Sicherheit hängt dann von folgenden Alternativen ab:
A. Andere flexible Quellen (begrenzt verfügbar)
- Pumpspeicherkraftwerke: Diese sind extrem schnell und können sofort Strom liefern. Allerdings sind ihre Kapazitäten in Deutschland begrenzt und sie können nicht über Tage hinweg Dauerlast liefern.
- Biomasse/Biogas: Diese Anlagen können weiterlaufen, sind aber oft weniger flexibel steuerbar als Erdgas-Turbinen.
- Batteriespeicher: Diese helfen im Sekundenbereich (Primärregelleistung), haben aber noch nicht genug Kapazität für längere Engpässe.
B. Kohlekraftwerke (Reserve)
Deutschland hält Kohlekraftwerke in Reserve. Diese können die Grundlast übernehmen. Das Problem: Kohlekraftwerke sind träge. Sie brauchen lange zum Hochfahren (aus dem Kaltstart viele Stunden). Sie können schnelle Schwankungen der Erneuerbaren Energien (Wind/Sonne) viel schlechter ausgleichen als Gaskraftwerke.
- Lösung: Man müsste Kohlekraftwerke im Teillastbetrieb laufen lassen ("Must-run"), damit sie schneller reagieren können. Das ist teuer und schlecht für die CO2-Bilanz, aber technisch machbar.
C. Stromimport (Europäisches Verbundnetz)
Deutschland ist keine Insel. Wir sind Teil des europäischen Verbundnetzes.
- Wenn wir zu wenig regelbaren Strom haben, importieren wir ihn aus Nachbarländern (z.B. Atomstrom aus Frankreich, Wasserkraft aus der Schweiz/Norwegen).
- Risiko: Wenn ganz Europa gleichzeitig ein Problem hat (z.B. Kältewelle und Gasmangel überall), funktioniert dieser Ausgleich nicht mehr zuverlässig.
3. Der "Worst Case": Die Dunkelflaute ohne Gas
Das kritischste Szenario ist: Kein Wind, keine Sonne ("Dunkelflaute") UND Gasmangel.
In diesem Fall können die Netzbetreiber die Stabilität nicht mehr allein durch das Hochfahren von Kraftwerken garantieren. Um das Netz vor dem Zusammenbruch (Blackout) zu schützen, greifen dann Mechanismen der Lastseite:
- Industrielle Abschaltung: Große Industrieunternehmen haben Verträge, die besagen, dass sie gegen Entschädigung vom Netz genommen werden können. Das passiert innerhalb von Sekunden oder Minuten. Das entlastet das Netz sofort massiv.
- Brownout (kontrollierte Abschaltung): Bevor das Netz unkontrolliert zusammenbricht (Blackout), schalten die Netzbetreiber gezielt Regionen oder Stadtteile rollierend für gewisse Zeiträume (z.B. 2 Stunden) ab.
Fazit: Kann das Netz sicher reguliert werden?
Technisch: Ja.
Die Netzbetreiber haben Werkzeuge, um die Physik (50 Hz Frequenz) stabil zu halten, selbst wenn Gaskraftwerke fehlen.
Aber der Preis ändert sich:
"Sicher reguliert" bedeutet in diesem Szenario nicht mehr, dass jeder immer Strom hat. Es bedeutet, dass das Netz nicht komplett kollabiert. Die Regulierung verlagert sich von "Wir erzeugen mehr Strom" hin zu "Wir verbrauchen weniger Strom (Zwangsabschaltung)".
Das Netz würde also nicht sofort zusammenbrechen, aber die Versorgungssicherheit (dass immer Strom aus der Steckdose kommt) wäre bei einer Kombination aus Gasmangel und ungünstigem Wetter akut gefährdet.