oliver - hällst du eine nicht funktionierende lebensmittelversorgung im kriesenfall bei uns für möglich ?
Kurzfristig höchstwahrscheilich kein Ding, wenn auch mit Einbußen bei der Vielfalt, bei einem scheinbar so hohen Selbstversorgungsgrad. Sollte es länger dauern (oder eine Mißernte dazwischenkommen) wird es eng, da dann auch Probleme bei Treibstoffen, Dünger und Tierfutter (Deutschland importiert etwa 3 mio. Tonnen jährlich, EU weit werden Futtermittel - womit hauptsächlich Soja gemeint ist - zu über 75% importiert, etwa 35% der Getreideernte gehen ebenfalls an's liebe Vieh) auftreten. Die hauen dann aufgrund der hohen Produktivität der Betriebe so richtig rein. Um 1900 versorgte ein Bauer weniger als 10 Personen, irgendwann 2009 waren es glaube ich um die 140 - bitte beachten, daß in den offiziellen Zahlen auch beispielsweise Rapsbauern und einige Quotenabzocker enthalten sind, außerdem sind die Größenunterschiede ziemlich drastisch. Je größer umso abhängiger von einem reibungslosen Nachschub an Verbrauchs-, Futtermitteln und Strom. Gerade letzteres ist eine kritische Angelegenheit, da Mastbetriebe vorzugsweise in der Größenordnung groß - sehr groß zu finden sind und es in ziemlich kurzer Zeit schon zu sehr hohen Ausfallquoten kommen kann. Hier mal ein Beispiel, was nach wenigen Stunden schon los ist. Bei Kühen sieht es nicht viel besser aus, die ersticken zwar nicht wollen aber gemolken werden. Passiert das nicht regelmäßig quittieren sie es mit Ableben und die heutigen "Industriekühe" sind nunmal nicht mehr so leicht von jedermann zu melken wenn man es mal gezeigt bekommen hat. Kriegt man 2 Finger an die Zitze ist das schon gut, das dann mehrmals täglich mit dem kaum vorhandenen Personal... dürfte ähnlich enden wie mit den Schweinen in dem verlinkten Beitrag oben, nur dauert es etwas länger. Fleisch gibt es dann zwar erst mal zur Genüge und spottbillig aber es bleibt ein ziemliches Loch zurück in der Nahrungsversorgung, Käse und Butter kann man dann ebenfalls größtenteils knicken in dem Fall. Weiteres Problem, wenn die Stromversorgung über einen längeren Zeitraum nicht wieder hergestellt werden kann sind die Großkühlhäuser aber ein so dermaßen langer Ausfall würde ein Ereignis erfordern, nach dem wir andere Probleme haben also kann man darüber hinwegsehen. Wie die Geflügelzucht einbricht, wenn nicht alles just in time fluppt kann man sich denken, wenn man weiß, daß ein Huhn heute nach 6 Wochen schlachtreif ist, was normalerweise 6 Monate dauert.
Gut, konkret aufzuschlüsseln ist das Ganze nur mit sehr viel Zeitaufwand. Hab mir mal Zahlen die halbwegs brauchbar da aktuell sind für ein paar Beispiele was so gefuttert wird beschafft: Reis 320.000 Tonnen, wird komplett importiert, Nudeln 590.000 Tonnen wobei Deutschland nur 38.000 Tonnen Hartweizen selber anbaut (OK, es sind nicht alle Nudeln aus Hartweizengrieß). Übler sieht es beim Gemüse aus, Prouktion etwa 3 mio Tonnen bei Einfuhren in gleicher Höhe zzgl. nochmal etwa der gleichen Menge in verarbeiteter Form wobei der Wert dann zurückgerechnet ist. Etwas detaillierter um's Gemüse geht es hier.
Das funktioniert natürlich alles nur, wenn die verarbeitende Industrie funktioniert, die Logistik rollt und die Kühlkette aufrecht erhalten werden kann. Von einem toten Schwein südlich von Aschaffenburg ist es ein weiter Weg bis zum Schnitzel auf meinem Teller. Mein Fazit ist also Daumen waggerecht wobei der mit zunehmender Zeit immer weiter nach unten zeigt. Achja, die vertrauenswürdige Regierung, die nur unser bestes will habe ich vergessen - Restrisiko halt.