Nichtsdestotrotz, in der Sache ist es hoffnungslos, und mir scheint auch, daß Du ungeachtet aller Wortgewalt nicht gut zwischen den Zeilen liest ... kurz, daß jeder Chef Angst hat, Du würdest den ganzen Laden auf den Kopf stellen, und nicht einer der zig Scheingründe von Dir (... mit Kind ... Lebenslauf ... Wohnort ... etc. pp.)
Da gab es nichts zwischen den Zeilen zu lesen - die Kritik war ja nun überdeutlich. Nur... wie kommst du zu deiner Annahme, jeder "Chef" hätte nun Angst vor mir? Liest "jeder" potentielle Vorgesetzte in den Goldseiten? Und selbst wenn... bist du dir sicher, dass es "jedem" potentiellen Vorgesetzten nun so gehen muss, wie dir?
... du setzt die Postings zu Hartz IV von mir mit meiner gesamten Persönlichkeit gleich - dabei weißt du nichts, aber auch gar nichts über meine berufliche Biographie; kennst weder meine Qualifikationen, meine Grundeinstellung zu den "Dingen" - noch die ebenfalls inzwischen vorhandenen "Vermittlungshemmnisse".
Was die "Scheingründe" angeht - unterstellst du mir, es mir einfach machen zu wollen... ich hatte 2007 eine Netzhautablösung bis über die Makula, 3 Operationen seither - es gab Phasen, da konnte ich nichts sehen, andere Phasen, in denen ich auch recht verzweifelt war - schließlich und endlich versorge ich auch meinen Sohn und wollte zu keiner Zeit irgendwie "eingeschränkt" sein. Nein, das ist kein Jammern - das sind Fakten. Meinen Lebenswillen habe ich behalten - und du hast recht, ich schaffe es sogar, in diesem Forum zu schreiben, weitgehend höflich, menschlich und freundlich zu bleiben, obwohl man mir hier nicht mit dem gleichen Respekt begegnet, den ich anderen entgegenbringe und Begründungen dafür letztlich schuldig bleibt.
Im Gesamtkontext ist es aber, wie es ist, es wartet - gerade angesichts der großen Auswahl auf dem Arbeitsmarkt ! - niemand auf eine 42-jährige, alleinerziehende, sehbehinderte Frau, die wahrscheinlich nie wieder Auto fahren darf. Du magst das als Scheingrund sehen - für mich aber ist es Realität... gleichwohl gebe ich nicht auf...
Kommen wir aber zurück zur allgemeinen Realität für ganz viele andere Menschen... du beklagst dich, sie alimentieren zu müssen, auf der anderen Seite kritisierst du (wie ich übrigens auch!) den "Sozialmarkt", den Betroffene übrigens zu bedienen gesetztlich verpflichtet sind, nicht zuletzt deswegen, damit "ihr" zufrieden seid, wenn ihr diese Menschen Straße fegen, alte Menschen pflegen etc. pp. seht... denn "die" tun dann ja etwas... dass sie auch mit einem Ein-Euro-Job und anderen "Maßnahmen", die oft genug weder zur Qualifizierung noch für einen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zweckdienlich sind, weiterhin im Bezug von Sozialleistungen stehen, wird dann aber wieder ausgeblendet... In der Hauptsache dienen diese Maßnahmen zur Statistik-Schönung - beliebt vor Wahlen - oder, wenn es sonst irgendwie "kritisch" werden könnte...
... ebenso wie die Forderung "etwas zu tun", sich gar selbständig zu machen, fehl geht - wie du weiter oben auch völlig richtig erkannt hast, gerade wegen der bürokratischen und Kosten-Hürden und natürlich stellt sich dann weiterhin die Frage, was machen wir mit 5 Millionen Schreibbüros, mobilien Nagelstudios oder Ebay-Shops? Können solche oder ähnliche, mit wenig Eigenkapital möglichen (das ist ja nun auch ein wichtiger Punkt!) Projekte tragfähig sein? In wie vielen Fällen sind Dienstleistungen am Markt überhaupt gefordert? Sind die Menschen überhaupt bereit und in der Lage, zusätzliche Leistungen und Waren abzunehmen? In diesen Zeiten?
Ich denke, viele Selbständige werden mir zustimmen - die Lage ist auch für sie härter geworden, dabei haben sie bereits einen Fuß in der Tür, haben sich einen Kundenkreis in weit besseren Zeiten geschaffen, Durststrecken überwinden müssen, einen "Namen", aber auch sie hängen an Aufträgen, bangen um den monatlichen Umsatz... diejenigen, die schlau genug waren, sich in den letzen Jahren vor der nominalen Einführung des Euros gesund zu schrumpfen, haben eine reelle Chance... der Rest - machen wir uns nichts vor - wird sich in den nächsten Jahren bei irgendeinem Auftrag übernehmen, erleben, dass die Bank nicht mehr mitzieht, das Auftraggeber für erbrachte Leistungen nicht bezahlen, Materialien für den nächsten Auftrag nicht finanziert werden können... ausbuchen bis zur Insolvenz - oder irgendwie durchhalten und aufstocken...
... und jetzt sollen zig Millionen Arbeitslose diesen Weg ebenfalls gehen? Sich Gründungszuschüsse "holen", sich die Kranken- und Rentenversicherung von der ArGe (Entschuldigung - vom Steuerzahler!) finanzieren lassen, etliche Monate nicht wirklich existenzsichernd tätig sein, aufstocken müssen, Kredite platzen lassen (für die die Allgemeinheit dann auch wieder aufkommt) und das mit Kind und Kegel - als Beschäftigungstherapie innerhalb eines sterbenden Binnenmarktes - in einer fast ausschließlich exportorientierten Nation, die jeder Bankenblase nachhängt und lieber mit virtuellem Geld spielt, als denn mit konkreten Werten reell zu arbeiten? In einer Zeit in der jeder halbwegs schlaue Mensch lieber spart, als sich künstliche Fingernägel aufpappen zu lassen?
Kollektiver Selbstmord?
Aber gut... gehen wir von Wundern aus... 1 Millionen Menschen schaffen die Selbstständigkeit und arbeiten existenzsichernd... bleiben immer noch 6 bis 8 Millionen Menschen übrig, die weiterhin hinten runterfallen - und die überdies - eben auch nicht konsumieren und somit den Binnenmarkt stützen können... Was machen wir denn mit denen?