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Original von traveller
Die Frage die ich mir stellen sollte ist : Glaube ich an den Fortbestand von FIAT oder nicht ?
traveller:
Nicht schlecht. Ich hätte da eine Frage zur Übung in diesem Gedanken. Ein Gedankenexperiment an einem Fallbeispiel, sozusagen.
In Argentinien gab es vor ein paar Jahren FIAT. Dann kamen
- Government Bond default (Staatspleite, platt übersetzt)
- Bank-Holidays (Banken dicht)
- Zwangsumtausch der Dollarkonten in Peso
- Währungsabwertung (ein paar Nullen am Kontostand hinten gestrichen)
- so daß das gesamte Ersparte noch ungefähr zwei Tassen Kaffee wert war
- Banken wieder auf. Wieder FIAT. Weiter Tango.
Frage: Besteht FIAT in Argentinien fort, oder nicht?
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Woran ich glaube - als alter Sinclair-Jünger:
- Die derzeitige Finanzkrise ist in Wirklichkeit eine Krise der Finanzderivate
- OTC-(d.h. nicht regulierte) Derivate sind in Umlauf, die insgesamt mögliche Zahlungsverpflichtungen ("notional Value") von 516 (amerikanischen) Trillionen USD auslösen könnten . 516.000.000.000.000 oder 516 mal tausend Milliarden USD, wenn ich nicht irre. (Ein sehr großer Teil davon sind Kreditderivate, wie Zahlungsausfallversicherungen, Versicherungen gegen Zinsänderungen und weit komplexere).
- diese Summe läßt sich nur noch in der Maßeinheit "x-faches der jährlichen weltweiten Wirtschaftsleistung" messen. Genau gesagt, ist sie etwa das 12-fache davon. Die weltweite Wirtschaftsleistung 2006 betrug mickrige 48 (amerikanische) Trillionen USD - siehe http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_GDP_(nominal) [Link einschließlich der hinteren Klammer kopieren ins Browserfenster]
- die Zahlungsverpflichtungen der Derivate-Schreiber werden unter bestimmten vertraglichen Bedingungen fällig. Bei einseitiger Marktentwicklung wie dem derzeitigen Kreditkollaps könnte dies breit eintreten. (Ähem, schrieb ich "könnte"? Zu cool.)
- die Schuldner dieser Verträge (z.B. die gerade kippenden Kreditversicherer - "Monoliner") könnten das mit absoluter Sicherheit nicht zahlen. Damit wird der wahre Wert der Derivate im Leistungsfall gleich Null, eben weil die versprochene Zahlung nicht erfüllt werden kann.
- das würde dann zu entsprechenden Verlusten bei den Besitzern dieser Derivate führen (Abschreibungen des vollen Werts). Es folgt ggf. eine weitere Stufe in Form einer Dominoreaktion, usw.
- bevor sie diese Katastrophe zulassen, werden die Zentralbanken der ganzen Welt inflationieren, bis das Geld (und damit alle Schulden oder Schuldenausfälle der Welt) nichts mehr wert sind.
Ergo vermute ich, "sie" halten die Systempfeiler (think GS...oder Andere, nach ihrem Bedarf) mit Liquidität flott, möglicherweise so lange, bis diese ebenfalls genug Gold/-forderungen/-aktien eingesammelt haben. Dann "darf" der Goldpreis steigen.
Bis dahin haben sich in den Bilanzen dieser "Pfeiler" einerseits die Größenordnungen der Schulden bzw. Zahlungsausfälle in Relation zur Bilanzsumme durch die Inflation verringert. Andererseits gleichen die eingesammelten Edelmetallinvestments eventuelle Rest-Verluste mehr als aus. Also Insolvenzverschleppung, bis die Bilanz unterm Strich wieder stimmt.
Voila, ein neuer Gleichgewichtszustand ist da. Schulden entwertet, Geld entwertet, Gold immer noch was wert, weiter gehts. Ich verweise auf Argentinien.
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von Delphin:
Allerdings denke ich, werden derzeit die Prozesse etwas unkontrollierter ablaufen als man sich das gewünscht hätte. Solche komplexen Prozesse lassen sich sicherlich eh nicht leicht kontrollieren.
"Man. Werden. Lassen" Passive grammatische Form. Soso. Da fehlt mir irgendwie ein handelndes Subjekt: WER wird WAS kontrollieren oder nicht kontrollieren?
Antwort: Wer Kontrolle hat, wird für genau dasjenige in seinem Einflußbereich sorgen, das ihm einen Nutzen bringt.
Du und ich, wir werden relativ gesehen etwas weniger Kontrolle erleben, weil wir auch über weniger Mittel zur Beeinflussung verfügen.
Das Auge der Pyramide, bei man recht weitreichende Mittel annehmen kann, wird immerhin kontrollieren, über welche Eckpfeiler eine schützende Hand wacht.
Vielleicht z.B. über ABX, die auch bei 1600 USD POG mit weit unter Wasser stehenden Vorwärtsverkäufen noch nicht platt gemacht werden.
Oder z..B. über manchen Wallstreet-Banken, deren technische Insolvenz doch heute schon offen vermutet wird, die aber in manchen Fällen vielleicht nie jemand aufdecken wird. (Während andere ans Messer geliefert werden).
Mehr ist nicht nötig, als nur das zu schützen, was im eigenen Interessens- und Einflußbereich liegt.
Der Rest... da hast Du recht, Delphin... muß sehen wie er klar kommt.
Und das hat rein gar nix mit Verschwörungstheorie zu tun ist. Nur mit der Struktur von Macht.
GL