Werterhaltende Investitionen sind da schon mit drin. 4.1% Inflation heißt ja, daß die Unternehmen die Preise einfach um 4.1% erhöhen können. Ausgaben haben sie aber für Kapitalinvestitionen keine. Wir haben aber 4.1% Ausgaben für die 4.1% "Wachstum" angenommen, was eben diesen Instandhaltungsausgaben entspricht.
Wenn du Gewinn mit 1.103 abdiskontierst, hast du den net present value = fairen Kurs. In unserem Fall ist fairer Kurs = faires KGV da der Gewinn 1 ist.
Wenn man eine Wachstumsrate hat und eine Discountrate, dann ist nach Standardfinanzmathematik der Wert des Gewinns eben jährlicher Gewinn geteilt durch Discountrate - Wachstum.
Wenn du also rechnest 1 / (10.3% - 5.8%) = 1/0.045, dann ist das so als wenn du rechnest:
1 +
1*1.058/1.103 +
1*1.058^2/1.103^2 +
...
kannst du ja mal mit openoffice / excel überprüfen.
Für das KGV brauchen wir hier keinen Kurs. Wir haben den synthetischen Gewinn von 1, danach berechnen wir das faire KGV.
Ein Beispiel vielleicht.
Der fiktive Dow Jones hat ein KGV von 13.57 bei einem Kurs von 13570. Der Gewinn ist 1000. Die Rendite die man im Durchschnitt über viele Jahre und theoretisch bis zur Unendlichkeit erzielen würde wäre 10.3% inklusive Dividenden.
Wenn man nun statt dieses fiktionalen Dow Jones den echten Dow Jones nehmen würde von 2005. Er stand bei ca. 10000. Der Gewinn für 2005 lag bei 587.6, bereinigter 10 Jahresdurchschnitt mit Annahme von 5.8% Wachstum würde bei 617 liegen. Also sind die 587.6 ein realistischer Wert und keine kurzfristige Übertreibung. Fairer Wert also 587.6 * 13.57 = 7974. Bei 10.3% Rendite. Der Dow stand deswegen höher, weil die Zinsen 2005 und die Inflation so niedrig waren. Über kurz oder lang werden sich aber wieder die historischen Inflationszahlen einstellen, so daß wir davon ausgehen, daß der Dow über kurz oder lang eben wieder bei KGV 13.57 landen wird. Natürlich wird auf Sicht von 1-3 Jahren die niedrige Renditeerwartung bleiben. Aber auf 5 Jahressicht?
7974 * 1.103^5 = 13018 fairer Wert 2010
Wer also 2005 zu 10000 gekauft hat erzielt bis 2010
13018 / 10000 = 1.30, die fünfte Wurzel daraus ist 1.0538 = 5.38% Rendite pro Jahr inklusive Dividenden.
Halte ich nun 10 Jahre, so kommt man mit analoger Rechnung auf 7.83% pro Jahr.
Usw. usw., je länger man hält desto näher kommt man an die 10.3% heran fast egal wie teuer oder billig man eingekauft hat. Insofern logisch als daß ein zu teurer Preis eben auf viele viele Jahre verteilt wird.
Fazit: Aktien lohnen sich langfristig auf jeden Fall, das Risiko besteht EINZIG UND ALLEIN darin, vorzeitig verkaufen zu müssen. Daher nie überinvestieren und Geld investieren, daß man lange Zeit nicht braucht. Finger weg vom häufigen Traden und Finger weg von Fonds, weil die LANGFRISTIG 2-3% pro Jahr an Rendite fressen.
Jedes Prozent zählt!
Zweites Fazit: Legt nun die Inflation von 4.1 auf 8.1% zu..
Kapitalrendite: 14.9%
Wachstum: 9.8% (8.1% Inflation + reale Produktivitätssteigerung)
Rendite: 14.3% = Erwartungsrendite und damit Discountrate
Zinsen: 10-11%
Also ergeben 14.3% - 9.8% wieder die 4.5%, also wieder faires KGV 22.2 wie vorher bezogen auf den free cash flow (Gewinn minus Kapitalinvestition). Im langjährigen Mittel hatten wir ja 0.611 free cash flow bei einem Gewinn von 1 brechnet. Das ist jetzt nicht mehr so, da durch das höhere Wachstum die notwendigen Kapitalinvestitionen steigen. 6.71*9.8% = 0.6576, damit ist der free cash flow nur noch 0.3424 und das faire KGV bezogen auf den Gewinn von 1 jetzt 7.6! Eine Verdoppelung der Inflation führt also fast zur Halbierung der KGVs. Binsenweisheit, bei steigenden Zinsen (ausgelöst durch Inflation) fallen Aktien. Die höheren Kapitalinvestitionen kann man real dadurch erklären, daß aufgrund der höheren Inflation mehr Fehlinvestitionen getroffen werden, man kann nämlich kaum noch entscheiden welche Investitionen tatsächlich rentabel sind und welche nicht. Dem Schleier der Inflation sei dank. Das zweite Fazit ist dieses: Wenn ich nun keine 14.9% Kapitalrendite habe, sondern 30 oder 40%, so ist mein Kapital viel kleiner. Also muß ich auch weniger Kapitalinvestitionen tätigen und habe einen höheren free cash flow. D.h. mein faires KGV ist viel höher und ich habe zusätzlich ein geringeres Risiko, fast schon Schutz vor Inflation. Genau so hat Warren Buffett investiert.
Qualität zählt!
Den Ansatz habe ich auf Einzelwerte übertragen, indem ich das Wachstum der Einzelwerte auf 5 Jahre fortschreibe, dann innerhalb der nächsten 5 Jahre von einem Abflachen auf die durchschnittlichen 5.8% ausgehe. genauso wie für den Gesamtmarkt ein KGV von 13.57 fair ist, so ist ein KGV von über 30 für bestimmte Qualitätswerte fair.
Gruß
S.