so hier nochmal etwas ausführlicher mit mehreren verfahren, u.a. da ich früher mal in enviroleach investiert war auch das verfahren berücksichtigt.
p.s. tabelle 2. technologische alternativen (sowie 4.) ist nach rechts scrollbar
Alternative Aufbereitungsmethoden für refractory (sulfid‑)Golderze – Ein Überblick
1. Warum das klassische Rösten problematisch ist
| Problem | Konsequenz beim Rösten |
|---|---|
| Hoher Energieverbrauch – 2 000 stpd Fluid‑Bed‑Röster benötigen ≈ 0,2 MWh / oz Gold. | Hohe Strom‑ und Brennstoffkosten (≈ US $26 / oz). |
| Emissionen – SO₂, NOₓ, CO₂. | Strenge Umwelt‑ und Genehmigungsauflagen, teure Abgas‑Nachbehandlung. |
| Kapitalintensiv – Röstanlagen, Wärmetauscher, Lüftungs‑/Abgas‑Systeme. | Große CAPEX‑Belastung (mehrere hundert Mio. $). |
| Betriebs‑ und Wartungs‑Komplexität | Hohe OPEX, häufige Stillstände für Inspektion. |
2. Technologische Alternativen (Kurz‑ und Langfristig)
| Methode | Funktionsprinzip | Reifegrad (Stand 2025) | Vorteile | Nachteile / offene Fragen |
|---|---|---|---|---|
| Thiosulfat‑Leaching | Gold‑Komplexbildung mit Natrium‑Thiosulfat (Na₂S₂O₃). | Pilot‑ und Demonstrations‑Scale (z. B. Goldcorp, Newmont). | Cyanid‑frei, geringere Toxizität, funktioniert bei sulfidhaltigem Erz. | Höhere Chemikalien‑Kosten, langsameres Kinetik‑Profil, Bedarf an gründlicher Reinigung. |
| Biologische Oxidation (Bio‑Oxidation) | Mikroorganismen (Acidithiobacillus ferrooxidans) oxidieren Sulfid‑Minerale, setzen Gold frei. | Kommerziell eingesetzt (e.g. Barrick Gold‑Oxidation‑Plant, South Africa). | Niedrige Energie‑Kosten, geringe Emissionen, gut für große Volumen. | Lange Anlaufzeit (Wochen‑Monate), empfindlich gegenüber Temperatur/pH, benötigt große Bioreaktoren. |
| Druck‑Oxidation (POX) | Hoch‑Druck‑Sauerstoff‑Reaktor (≈ 200 bar, 220 °C) oxidiert Sulfid‑Minerale. | Industriell etabliert (z. B. Goldcorp Cortez‑POX). | Sehr hohe Gold‑Recovery (≥ 95 %). | Sehr kapital‑ und energieintensiv, hohe Emissionen, komplexe Anlagen. |
| Chemische Oxidation (z. B. Chlor‑oder Nitrat‑Oxidation) | Starke Oxidationsmittel (Cl₂, NaNO₃) zersetzen Sulfid‑Matrix. | Lab‑ bis Pilot‑Scale, einige kommerzielle Tests. | Schnellere Reaktion als Bio‑Oxidation, keine Hoch‑Temperatur‑Ausrüstung. | Gefahrstoffe (Chlor, Nitrat), Korrosionsprobleme, Kosten für Chemikalien. |
| Hydro‑Thermisches Leaching (HTL) | Wasser‑/Dampf‑basierte Hoch‑Temperatur‑Leitung (180‑250 °C, 10‑30 bar). | Pilot‑Projekte (z. B. Sibanye‑Stillwater). | Kombiniert Oxidation & Leaching in einem Schritt, reduziert Anlagenkomplexität. | Noch nicht breit kommerzialisiert, hoher Druck‑/Temperatur‑Management‑Aufwand. |
| In‑situ‑Leaching (ISL) – EnviroLeach® | Direkte Injektion von patentierter, umweltfreundlicher Chemie in das Erz‑Vorkommen, Auflösung von Gold im Gestein, Rückgewinnung über Bohrlöcher. | Entwicklungs‑/Pilot‑Phase (EnviroMetal/Group 11 Technologies). | Minimaler Oberflächen‑Abbau, drastisch reduzierte Umwelt‑Footprint, potenziell niedrige CAPEX. | Noch keine großtechnische Demonstration, Unsicherheit über Gold‑Recovery‑Rate, rechtliche/Regulierungs‑Herausforderungen (ISL‑Genehmigungen). |
3. Fokus: EnviroLeach® (enviroleach.com)
| Aspekt | Information (Stand 2025) |
|---|---|
| Unternehmen | EnviroMetal (Partner: Group 11 Technologies). |
| Technologie‑Beschreibung | In‑situ‑Leaching (ISL) mit einer proprietären, patentierten Chemie, die Gold aus konventionellen Erz‑ und Konzentraten löst, ohne oberirdige Aufbereitung. Ziel ist ein „green‑gold“‑Produkt mit sehr geringem Eingriff in die Landschaft. |
| Pilot‑Projektstatus | Aktuell in Labor‑ und Feld‑Pilot‑Tests (kleine Testbohrungen in Australien/USA). Erste Ergebnisse zeigen gute Lösungs‑Kinetik (≈ 70‑80 % Recovery innerhalb von 30 Tagen bei Test‑Erz). |
| Umwelt‑ und Sicherheitsprofil | Chemikalien sind nicht‑toxisch, keine Cyanid‑ oder Schwefel‑Emissionen, geringes Wasser‑ und Energie‑Bedarf. |
| Wirtschaftliche Einschätzung | Potenzial: Reduzierte CAPEX (keine Röstanlage, keine große Heap‑Leach‑Fläche).Risiken: Unklare Skalierbarkeit, mögliche Regulierungs‑Hürden für ISL (Grundwasser‑Schutz, Genehmigungen). |
| Pass‑Fit für Jerritt Canyon | - Erz‑Typ: Jerritt Canyon enthält stark sulfidhaltiges, refractory Gold – prinzipiell geeignet für ISL, weil das Gold im Erz gelöst werden kann.- Infrastruktur: Vorhandene Bohrungen/Untertage‑Zugänge könnten genutzt werden, aber neue Bohrfelder wären nötig.- Zeitplan: Da das Verfahren noch nicht kommerziell bewährt ist, würde ein Einsatz den Restart‑Zeitplan eher verzögern (zusätzliche Entwicklungs‑ und Genehmigungsphase).- Kosten‑Vergleich: Bei erfolgreicher Skalierung könnten die CAPEX‑Ersparnisse (keine Röstanlage, geringere OPEX) die höheren Lizenz‑/Chemiekosten ausgleichen. |
| Empfohlene nächste Schritte | 1. Machbarkeits‑Studie: Labor‑Tests mit Jerritt‑Canyon‑Erz (Gold‑Recovery‑Rate, Chemie‑Dosierung).2. Pilot‑Bohrung: Kleines In‑situ‑Leaching‑Experiment (z. B. 1‑5 t Erz).3. Regulatorische Analyse: NV‑Umwelt‑ und Grundwasser‑Genehmigungen prüfen.4. Kosten‑Modell: Vergleich von CAPEX/OPEX zwischen Rösten‑Option und ISL‑Option (inkl. Lizenz‑/Chemiekosten). |
4. Gesamtbewertung – Welche Alternative ist am sinnvollsten für Jerritt Canyon?
| Option | Technische Reife | CAPEX‑/OPEX‑Ausblick | Umwelt‑Impact | Risiko für Restart‑Zeitplan |
|---|---|---|---|---|
| Weiteres Rösten (bestehende Fluid‑Bed‑Röster) | Hoch (bereits installiert) | Hoch (Energie, Wartung) | Hoch (SO₂, CO₂) | Niedrig – keine großen Änderungen nötig. |
| Thiosulfat‑Leaching (nach Rösten‑Entfernung) | Mittel (Pilot‑Erfolge) | Mittel‑bis‑niedrig (Chemikalien) | Niedrig (kein Cyanid) | Mittel – Umstellung erfordert neue Chemikalien‑Logistik. |
| Biologische Oxidation | Hoch (kommerzielle Anlagen) | Niedrig‑Mittel (geringe Energie) | Sehr niedrig (nur biologisch) | Mittel‑hoch – Bau von Bio‑Oxidations‑Reaktor nötig (Monate‑Jahre). |
| Pressure‑Oxidation (POX) | Hoch (industriell) | Hoch (Energie, Druck) | Mittel‑hoch (CO₂, NOₓ) | Mittel – neue Hoch‑Druck‑Anlage erforderlich. |
| EnviroLeach® (ISL) | Niedrig (Pilot‑Phase) | Potenziell niedrig (keine Oberflächen‑Anlage) | Sehr niedrig (keine Emissionen) | Hoch – Entwicklungs‑ und Genehmigungszeit kann den Restart um Jahre verzögern. |
Kurz‑Frist‑Empfehlung (2025‑2026):
Setze zunächst auf Rösten oder Thiosulfat‑Leaching (falls Lizenz‑Kosten akzeptabel), da beide Optionen bereits technisch verfügbar sind und den geplanten Restart‑Zeitplan (2026‑2027) nicht gefährden. Parallel kann ein Machbarkeits‑Programm für Biologische Oxidation oder EnviroLeach® gestartet werden, um langfristig die Kosten‑ und Umweltbilanz zu verbessern.