Alles anzeigenTrump ist zwar ein Vollidiot, aber was Adams da schwarzmalt, ist (wie meist) völlig übertrieben.
Wenn man das mal sachlich betrachtet, sieht es etwas anders aus:
Die Rohstoffe für Dünger kommen aus sehr verschiedenen Regionen der Welt, und die globalen Ströme sind diversifiziert, aber nicht gleichmäßig verteilt.
Die Abhängigkeiten unterscheiden sich stark je nach Düngerart:
- Stickstoff (N) → abhängig von Erdgas (Haber‑Bosch)
- Phosphat (P) → abhängig von Phosphatgestein (Marokko/Westsahara ist dominant)
- Kalium (K / Potash) → abhängig von Salzlagerstätten (Kanada, Russland, Belarus)
1. Stickstoffdünger (N) – Ammoniak/Urea/Nitrate
Herkunft: Stickstoffdünger basiert auf Ammoniak, das über den Haber‑Bosch‑Prozess aus Luftstickstoff + Wasserstoff hergestellt wird. Der Wasserstoff kommt fast überall aus Erdgas (Methan).
- Globale Produktion (2025–26):
- >190 Mio. Tonnen Ammoniak/Jahr
- 204 Mio. Tonnen Urea/Jahr (Rekord)
- Wichtigste Produzentenregionen:
- Algerien, Ägypten, Russland, Trinidad & Tobago → große Gasvorkommen, niedrige Kosten
- China → produziert Ammoniak aus Kohle statt Gas
- Indien → stark abhängig von importiertem LNG
- Iran, Katar, Saudi-Arabien → große Gasbasen, wichtige Exportregionen
- Warum Stickstoff global verwundbar ist:
- Gaspreise bestimmen 60–80 % der Produktionskosten
- Konflikte in Westasien führten 2025 zu 1,5 Mio. Tonnen Produktionsrückgang
- Europa ist am teuersten und schaltet bei hohen Gaspreisen Anlagen ab
- Transportströme:
- Ammoniak und Urea werden global verschifft.
- Besonders wichtig: Strait of Hormuz (Urea, Ammoniak, LNG) – ein echter Engpasspunkt
Fazit Stickstoff: Global verteilt, aber stark abhängig von Gas und damit geopolitisch sensibel.
2. Phosphatdünger (P) – MAP, DAP, TSP, Superphosphate
-Globale Produktion (2025):
- 68 Mio. Tonnen MAP/DAP
-Wichtigste Rohstoffquellen:
Phosphatgestein kommt aus wenigen Ländern:
- Marokko + Westsahara → kontrolliert über 70 % der globalen Reserven
- China
- USA
- Russland
- Phosphat ist weniger verwundbar als Stickstoff:
- Bergbau, nicht energieintensiv wie Stickstoff
- Lagerstätten sind stabil
- Transport ist einfacher (Feststoff, kein Gas)
Fazit Phosphat: Sehr konzentriert, aber politisch stabiler als Stickstoff. Marokko ist hier ein globaler Schlüsselspieler.
3. Kaliumdünger (Kaliumcarbonat/Pottasche)
- Globale Produktion (2025):
- 77 Mio. Tonnen Kaliumcarbonat (Rekord)
- Wichtigste Produzenten:
- Kanada → größter Exporteur
- Russland
- Belarus → zusammen > ⅔ der globalen Exporte
- Besonderheiten:
- Chile reduziert Produktion zugunsten von Lithium (gleiche Salzlake-Ressourcen)
- Transport ist einfach (Feststoff)
Fazit Kalium: Extrem konzentriert, aber weniger abhängig von Energiepreisen.
4. Zusammenfassung
- Risiken differieren nach der Art des Düngers
- Stickstoff → abhängig von Gas, verteilt über viele Länder
- Phosphat → abhängig von wenigen Minen, v.a. Marokko
- Kalium → abhängig von Kanada/Russland/Belarus
- Geopolitische Risiken wirken unterschiedlich:
- Gas → sofortige Preisexplosion → Stickstoff wird teuer
- Phosphat → relativ stabil
- Potash → abhängig von Sanktionen (Belarus/Russland)
Also sind die Sanktionen gegen RU ebenso riskant für die "Welternährungslage" wie die Attacken von IS/USA - nur eben auf einem anderen Sektor der Düngerproduktion.
Und übrigens noch was:
Die Schlüsselposition Marokkos für die Phosphatversogung ist wohl auch der Grund, warum die Welt seit 1975 der "Annektion" der Westsahara durch Marokko tatenlos zuschaut. Niemand will wirklich, dass die paar hergelaufenen Wüstennomaden der Saharaoui hier den Finger an den Abzug bringen...
Schöne Zusammenfassung. Danke dafür.
Allerdings beißt sie sich etwas mit der Feststellung einer ,,völlig übertriebenen Schwarzmalerei".
Wenn 2 von 3 Düngerarten signifikant im Feuer stehen, was sie gemäß der Analyse tun, sind solche Bedenken gar nicht mal so weit hergeholt.
Ob "man" durchzieht ist allerdings die Frage.