1000 Dank für deinen Beitrag @Silberlilly – Ehrlich, ich würde gerne 1000 Reaktionspunkte vergeben, auch wenn ich gleich einiges zerpfücken werde. Risiko, unbeliebt zu sein, nehme ich gern in Kauf, denn genau solche offenen Debatten treiben Wohlstand und Wachstum voran – solange der Staat es nicht vorher verschlingt.
Beginnen wir mit der Modern Monetary Theory. Ich bin klarer Gegner der MMT. Sie ist ein akademisches Konstrukt, das in der Realität kaum Bestand hat. Die Theorie suggeriert, ein Staat mit souveräner Währung könne unbegrenzt Geld drucken, solange die Ressourcen nicht voll ausgelastet sind. Realität: Geld wird überwiegend in konsumtive Staatsausgaben, Militär, Bürokratieausbau, neue Reglementierungen, Erhöhung der Besoldung der Versorgungsinstitutionen und ineffiziente Programme von NGO's gesteckt, während Infrastrukturausbau, Bildungsqualität, Wettbewerbssteigerung, technologische Produktivität, Robotik und Innovationen unberücksichtigt bleiben. Ergebnis: Asset-Inflation. Aktien, Immobilien, Rohstoffe – das Vermögen einer kleinen Elite steigt massiv, während die breite Bevölkerung in realer Kaufkraft stagniert.
| Land | Geldmenge M2 2000–2023 | CPI Inflation | Assetpreisentwicklung |
|---|
| USA | 4,3 → 21,2 B$ | 3,4 % → 3,2 % | S&P500 +400 %, Gold +650 %, Immobilien +200 % |
| DE | 1,6 → 3,6 B€ | 2,0 % → 3,1 % | Immobilien +150 % |
MMT ignoriert zudem den technologischen Fortschritt und Robotik. Produktivität steigt exponentiell, Kosten sinken, Output steigt – aber in MMT‑Modellen wird Geldschöpfung als Haupttreiber von Wohlstand betrachtet, nicht reale Produktion. In Wahrheit wäre jede rationale Wirtschaftspolitik darauf angewiesen, Produktivitätsgewinne den Bürgern zugutekommen zu lassen, nicht sie im Staatsapparat zu versenken. Betrachtet man das Verhältnis von Wirtschaftswachstum, Nettolöhnen und Staatsquote, zeigt sich die Realität brutal:
| Land | BIP-Wachstum p.a. | Staatsquote | Nettolohnsteigerung p.a. |
|---|
| USA (2000–2020) | ~2 % | 35 → 42 % | ~0,5–1 % |
| DE (2000–2020) | ~1,5 % | 44 → 50 % | ~0,8 % |
Die enormen Ressourcen, die durch Geldschöpfung gewonnen werden, landen nicht beim Bürger, sondern fließen in Staatsapparat, Transferprogramme und ineffiziente Projekte – was MMT als theoretische Wohlfahrtslogik suggeriert, verkehrt sich in der Praxis ins Gegenteil.
Die Realität der Geldschöpfung lässt sich mit einem Sandhaufen vergleichen: Jeder neue Kredit, jede weitere Staatsausgabe ist ein Sandkorn, das den Haufen steiler macht. Niemand kann vorhersehen, wann das nächste kleine Sandkorn – sei es ein Finanzschock, eine geopolitische Krise oder ein unerwartetes Defizit – den gesamten Haufen ins Rutschen bringt oder einfach einen kleinen instabilen Finger in den Abgrund reißt, ohne den ganzen Haufen zu zerstören. Aber ein winziges Sandkorn, das den ganzen Haufen einstürzen lässt, ist genau dieses Risiko, das das System trägt. Das ist der Minsky-Moment: zu viel finanzielle Belastung ohne reale Wertschöpfung, ein fragiles Gleichgewicht, das jederzeit zusammenbrechen kann.
Zur Absurdität der Modern Monetary Theory fällt mir als konsequente Steigerung eigentlich nur noch die Efficient-Market-Theorie ein, die in den USA unter dem wohlklingenden Namen Efficient Market Hypothesis (EMH) firmiert. Ihr zentrales Dogma lautet, dass sämtliche verfügbaren Informationen jederzeit vollständig und unverzüglich in den Marktpreisen enthalten seien und es daher prinzipiell unmöglich sei, über längere Zeiträume eine Überrendite zu erzielen.
Der Markt wird damit zur neuen Religion erhoben: allwissend, allgegenwärtig, unfehlbar – und vor allem unangreifbar. Kritik gilt nicht als Analyse, sondern als Ketzerei.
Theoretisch klingt das elegant, fast beruhigend. In der realen Welt jedoch versagt dieses Modell regelmäßig und spektakulär. Die EMH beruht auf einer Reihe von Fehlannahmen, die weder historisch noch empirisch haltbar sind:
-
Alle Marktteilnehmer sind rational. Psychologische Verzerrungen, Panikverkäufe oder Übertreibungen ignoriert.
-
Alle Informationen sind perfekt verfügbar. Insiderwissen, politische Machtspiele oder manipulative Finanzpraktiken werden ausgeblendet.
-
Preise spiegeln immer den fairen Wert wider. Historische Blasen – Dotcom, Immobilienkrise 2008 – zeigen, dass Märkte oft völlig irrational reagieren.
EMH und MMT haben gemeinsam: Sie sind akademische Konstrukte, elegant auf dem Papier, realitätsblind, blind für Ungleichverteilung, Produktivitätsfortschritt oder die Gefahr eines Minsky-Moments. Die Asset-Inflation, die heute zu beobachten ist, zeigt, dass reale Vermögensverteilung und Finanzsystemrisiken völlig außer Acht gelassen werden. Gold, Rohstoffe oder liquide Assets sind daher nicht nur Versicherung, sondern Frühwarnsysteme für den nächsten Abrutsch. Deshalb ja mein erster Beitrag zu den Vigilanten und ob das wirklich so funktioniert, das hätte mich mal interessiert hier unter den Experten der Runde.
Kurz gesagt: Hyperinflation mag theoretisch möglich sein, doch die wahre Gefahr liegt im stillen Aufbau von Spannungen im System, die niemand genau quantifizieren kann – ein kleines Sandkorn kann den ganzen Haufen zum Einsturz bringen oder eben gar nichts machen. Wer sich ernsthaft auf MMT oder die Efficient-Market-Theorie verlässt, ignoriert die Realität, in der produktive Wertschöpfung, technologische Innovation und Ungleichverteilung die wahren Triebkräfte sind.
Es sind jene komplexen Systeme, deren unsichtbare Regeln unser Leben weben, während wir ohne jeden Blick in ihr Innerstes umhertappen, unfähig, sie zu verstehen oder vorherzusehen.