Ich kann vielleicht der Argumentation des Autors nicht wirklich folgen, aber ich frage mich schon ganz extrem was es für einen Unterschied macht ob ein Kontrakt 30 Tage oder 60 Tage in Backwardation ist?
Ich glaube, dass ein Teil der Verwirrung um den Begriff und die aktuelle Bedeutung von „Backwardation“ auch von der Verwendung des Ausdrucks gerade im angelsächsischen Sprachraum herrührt, wo er oft synonym sowohl für die „klassische“ Situation der Futures auf den Terminmärkten als auch für negativ gewordene Lease Rates verwendet wird. In der gegenwärtigen Situation wird eher Letzterem Aufmerksamkeit zuteil, wenn es z.B. mehr kostet, sich Gold für 30 Tage denn für 60 Tage zu leihen.
Das vor allem erregt die Aufmerksamkeit im Camp mancher Goldbeobachter, welche davon ausgehen, dass dies aus ihrer Sicht auf eine grundsätzliche Situation hinweisen kann, die man dann, sofern zutreffend, als zunehmende physische Knappheit beschreiben könnte. Deshalb auch ist es vor allem interessant, nicht so sehr als kurzzeitig aufflackerndes Phänomen. Es ist an sich nichts Ungewöhnliches, dass in einer Phase, in der plötzlich sehr viel Material eines Stoffes die Warenhäuser verlässt – was derzeit beim Gold der Fall ist – Backwardation und negative GOFO-Rates die Folge sind. Die Backwardation hat es bezeichnenderweise ja auch in den letzten Monaten immer wieder mal gegeben bei stark fallenden Goldpreisen. Isoliert betrachtet ist die Aussagekraft durchaus beschränkt.
Und hier jedoch, bei den GOFO-Rates, liegt vielleicht Dein Verständnisproblem, wenn Du sagst, dass das doch alles geldmäßig kaum eine Rolle spielt, denn natürlich gehen steigende Leihgebühren sehr wohl ins Geld, vor allem, wenn man, wie manche Goldoptimisten, davon ausgeht, dass dies nur ein erster Indikator für einen grundlegenderen Trendwechsel sein könnte, mit dem sich dauerhafte Lieferschwierigkeiten ankündigen würden. Demzufolge würden dann die Lease-Rates in einer Backwardation-Situation immer weiter sich verteuern für den Leihnehmer, bis hin zu einer Situation, wo ihn die Leihgebühren für das physische Gold und dessen Beschaffungskosten überfordern und er die Segel streichen müsste. Darum geht es jenen Goldbugs, die mitunter etwas voreilig sind, wenn sie wieder einmal ein Backwardationchen entdeckt haben und dann gleich schon wieder einmal den Zusammenbruch der Comex an die Wand malen, aber auch hier gilt eben, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht.
Grüße
auratico