Zitat
Original von weissgarnix
Gemacht wurde schon was, nur wurde das "richtige" gemacht ? Langer Artikel dazu vor ein paar Wochen in der Financial Times, über die geänderten "Einstellungen" der US amerikanischen Hypothekenschuldner heute gegenüber dem historischen Trend. Soll heissen, es fällt ihnen deutlich leichter "to walk away", weil nicht mehr sozial stigmatisiert, Auto- und Car-Loans zu bedienen persönlich wichtiger, etc. Dummerweise beruhen aber die Bewertungsmodelle noch auf den historischen Trenddaten ... .
Hatten wir hier, obwohl wir nicht das turboinformierte Gelbe Forum sind, alles schon zeitnah verlinkt und diskutiert: To Walk Away - einmalig. Man wirft, noch bevor man eine einzige wirkliche Rate (bestenfalls ein wenig Kreditzinsen) bezahlt hat, den Schlüssel der überteuerten Immobilie ohne Anzahlungsleistung in den Briefkasten und krallt sich mit einer nun etwas schwächeren credit history die nächstkleinere, nun im Preis gefallene Bude auf der anderen Strassenseite. Man hat einfach nur günstig gewohnt in der letzten Zeit. Vollstreckt wird nicht ins Privatvermögen, sondern ausschliesslich im Rahmen des Immobilienkredits.
Haben sich denn die internationalen Investoren, die teutonischen allen zuvor, überhaupt je mit US-Insolvenzrecht beschäftigt, bevor sie mit ihren gierigen Aufsteigerfingern diese Verträge unterzeichnet haben?
Wie nun deutlich wird, steigen die Ausfallraten auch bei den near prime und prime loans dramatisch an. Auch dies hätte den Banken eigentlich klar sein müssen: wenn jemand, der einigermassen gut verdient, im Jahre 1994 ein Haus für $ 270.000 kauft (Beispiel stammt aus einem Pressebericht, glaube FAZ), dieses dann aber durch multiple Refinanzierungen, mit denen vom Auto bis zum Collegebesuch der Kinder alle Ausgaben finanziert wurden, Anfang 2008 mit $ 745.000 in der Kreide steht, dann ist das schon seit langem kein "prime-Verhalten"mehr.
Die gesamte US-Mittelschicht hat nicht eine Minute damit gerechnet, dass sie auch nur einen Cent der längst vereinbarten Zinssteigerungen wirklich über das Gehaltskonto würde zahlen müssen. Alles sollte sich auf wundersame Weise durch ewige Wertsteigerungen der einmal angeschafften Bude von selbst erledigen. Von der Zahnspange der Tochter bis zur Schönheits-OP der Gattin, von der Hypothek gar nicht erst zu reden.
Nun, da sie eigentlich zu nicht mehr gehalten sind als einfach ihre Zinsen und Raten zu bezahlen, gehen die ganzen Vororthelden mit dem, was sie fälschlicherweise für den American Dream gehalten haben, unter Wehgeschrei unter.
Das gesamte abenteuerliche Refinanzierungsgehabe der vormaligen prime-Schuldner, die "prime" nur ganz am Anfang waren, hätte kontinuierlich in die Bewertungen der Kredite eingehen müssen. Die "B-Tranche" aus dem Beispiel von weissgarnix weiter oben, die durch Zinszahlungen gedeckt sein sollte - sie erodiert inzwischen genau so wie fast alle US-Schuldinstrumente. Kein kurzfristiger fiskalischer oder monetärer Eingriff wird hier Abhilfe schaffen können.
Also: Die US-Hausbesitzer müssen also vor allem einmal umziehen, die bleiben nicht auf Schuldenbergen sitzen, denn die sind ja anderswo:
"Copy on that. It all gets funnier by the minute. There is no need to bail out sub prime (poor) borrowers.
They lost nothing, no down payment. Nothing lost, nothing gained. The media twists everything around. It's the millions of lenders investors, big and small that are screwed. Whoever they may be."
grüsse
auratico