Servus Argus,
meine Argumente in Blau:
In einem Extremszenario, bei dem die Stromversorgung dauerhaft unterbrochen ist, magst du Recht haben.
Ja, wobei ich Einigkeit daruerber unterstelle, dass es nicht darum geht, wer Recht oder Unrecht hat, sondern darum, zur Klaerung von Vorsorgestrategien diverse Krisen- und Kollapsszenarien auf den Logik- und Folgerichtigkeits-Pruefstand zu stellen.
Aber es gibt Beispiele in der Geschichte, die zeigen, dass eine politische und/oder eine währungspolitische Krise nicht zwingend mit einem kompletten Zusammenbruch des Systems verbunden ist.
Solche Beispiele gibt es. Insbesondere gibt es aber ausnahmslose Beispiele dafuer, dass noch jedes beherrschende Zivilisationssystem ("Hochkultur") auf diesem Planeten aus unterschiedlichen Gruenden untergegangen ist. Wieso die kapitalistische Industriegesellschaft hiervon als einzige eine Ausnahme bilden sollte und gleichsam ewig fortbestehen kann, ist mir nicht einleuchtend. Einleuchtend ist mir aber der Unterschied, ob man der Nachwelt Pyramiden, Osterinselstatuen, und Aquaedukte hinterlaesst oder aber AKWs und atomare Zwischen- oder angebliche Endlager.
Wer sich zum Thema historische Zivlisationskollapse einlesen moechte, dem sei von Jared Diamond das Buch "Kollaps" empfohlen.
Es kann Versorgungsschwierigkeiten geben, auch Plünderungen und ein Ansteigen der allgemeinen Kriminalität.
Sehr wahrscheinlich. Deshalb ist Vorsorge ja auch sinnvoll, hilft aber nur bei sehr kleinen Krisendimensionen.
Aber es muss deswegen nicht über Nacht zum völligen Zusammenbruch des gesellschaftlichen Systems kommen.
Muss es freilich nicht, aber es kann . . .
Meine Anahmen, an denen ich mein Handeln ausrichte: Das politische System wird weiterhin versuchen, den Euro zu stabilisieren. Weiters soll ein längerer Wirtschaftseinbruch mit allen Mitteln verhindert werden, da das Fiat-Geldsystem am Ende der Schuldentragfähigkeit angekommen ist.
Volle Zustimmung. Die Frage ist nur, kann das endlos funktionieren?
Dieser Weg wird irgendwann in die Inflation führen. Das ist der bequemste Weg, um die Schuldentragfähigkeit wieder herzustellen und das Spiel noch eine Weile weiter zu spielen.
Kann so sein. Es kann aber auch Deflation eintreten (Schuldenschnitt ist z.B. Deflation (=Reduzierung der ungedeckten Geldmenge)).
Jetzt drohen Unwägbarkeiten:
Italien könnte aus dem Euro austreten; eine Zahlungsunfähigkeit wird bei Griechenland oder Portugal festgestellt und die CDS werden fällig; Frankreich verliert sein AAA-Rating und/oder schert aus der Gemeinschaft der "Retter" aus, sodass die restlichen Staaten (voran Deutschland) noch viel größere Lasten tragen müssten; vielleicht am Ende doch eine Hyperinflation in der Eurozone wie in der Weimarer Republik; die Schuldenkrise greift auf die USA über; Krieg im Nahen Osten, um den Dollar zu "retten" etc.
Bitte nicht den alternativen Eintritt einer Deflation ausser Acht lassen. Mein Tipp: 30% Inflawahrscheinlichkeit, 70% Deflawahrscheinlichkeit. Kann man auch umgekehrt sehen. Das Ergebnis ist aber gleich: Waehrungsuntergang/Wirtschaftskollaps/Logistikkollaps mit dem Risiko des Zivilisationskollapses wegen den AKWs.
Was auch immer der Auslöser sein wird, der aus der Inflation (die politisch beherrschbar ist) eine Systemkrise machen wird, nehmen wir an, dass für unser aktuelles Geldsystem wirklich der letzte Tag anbricht. Dadurch hört doch die Infrastruktur nicht auf zu existieren?!
Sie existiert, funktioniert aber wahrscheinlich nicht mehr, wenn nicht sofort ein anderes Geldsystem an die Stelle des alten gesetzt werden kann. Beispiel: Du bist Tankstelleninhaber oder Baeckereibbetriebsinhaber. Gibst Du Ware raus, wenn Du nicht sicher bist, dass Du mit dem, was Dir als Bezahlmittel angeboten wird, Deine Lieferanten wiederum bezahlen und Deine Familie ernaehren kannst?
Es wird weiterhin Kraftwerke, Straßen, Leitungsnetze, Medien und auch eine Regierung geben.
Letztere wird nun mit allen Mitteln versuchen, einen völligen rechtsstaatlichen Kollaps zu vermeiden. Notfalls mit Einführung des Militärrechts, Ausgangssperren und drakonischen Zwangsmaßnahmen - auch für Arbeitnehmer in systemrelevanten Anlagen (Trinkwasser, Energie etc.). Vergiss auch nicht die staatliche Energiereserve, die in solchen Zeiten eingesetzt werden könnte, um die Armee zu mobilisieren.
Wenn es so sein sollte, braucht man sich doch keine Gedanken mehr ueber Vorsorge zu machen. Der Staat hat doch dann alles im Griff und wird das so managen, dass keiner verhungert oder erfriert.
P.S.: Welche Armee ist gemeint? Man dividiere einfach mal die Zahl der Tankstellen, Lebensmittelproduktions- und verteileinrichtungen sowie sonstige wichtige Logistikeinrichtungen einschliesslich des Personenschutzes fuer die Politiker durch die Summe der verfuegbaren (nunmehr reduzierten) Soldatenzahl und Polizistenzahl in doppelt besetzten Rund-um-die-Uhr-Schichten samt Hol-und Bringservice und Befehlkettenoverhead und kommt dann zu welchem Ergebnis?
Damit gewinnt man Zeit zur Einführung einer neuen Währung. Etwas, woran die Menschen wieder glauben und das den finalen Schritt ins Chaos verhindern wird. Wir sollten nicht vergessen, dass die Mehrheit der Menschen sich nach geordneten Zuständen sehnt; dass sie sich etwas aufbauen wollen und dass es zumindest ihre Kinder einmal besser als sie selbst haben werden.
Genau das haben wir jetzt. Und genau das wollen die Politiker, so sagen sie es jedenfalls, erhalten und ausbauen. Wer dem vertraut, braucht keinerlei Vorsorge zu machen, weil das die Politiker und die Gesellschaft insgesamt macht.
Das sind Urantriebe des Menschen, die wird auch eine Währungskrise nicht dauerhaft auslöschen. Und: es sind die entscheidenden Stabilitätsfaktoren in einer Systemkrise!
Waehrungskrise und Finanzkrise haben wir doch schon laengst. Das wird allgemein zugegeben (um die gegenwaertigen Rettungsmassnahmen zu rechtfertigen. Ob es sich zu einer Systemkrise (meinst Du damit umfassende Realwirtschaftskrise oder einem Kollaps auswaechst, bleibt abzuwarten.
Ich bin daher davon überzeugt, dass bei den vielen Zukunftszenarien, die uns blühen, der "worst case", wie du ihn mit der flächendeckenden Kernschmelze in allen AKWs in Europa beschreibst, nicht ausgeschlossen ist.
Ja.
Aber er ist neben den vielen, vielen anderen Szenarien nur einer von zahlreichen anderen und aus meiner persönlichen Sicht nicht der Wahrscheinlichste. Die anderen halte ich eben für wahrscheinlicher.
Ja. Das muss und wird jeder selbst einschaetzen. Und je mehr Infos man als Einschaetzungsgrundlage hat, um so realitaetsnaeher kann man das tun.
Deshalb habe ich Lebensmittel und EM eingelagert, Medikamente und Verbandsmaterial bevorratet, für Beleuchtungs- und Heizmöglichkeiten gesorgt, die vom Stromnetz unabhängig betrieben werden können, Wasserfilter und -kanister bereitgestellt, etwas Bargeld zu Hause, mir einen gültigen Reisepass und einen umfassenden Impfschutz besorgt, an Selbstverteidigungsmöglichkeiten und Schutzausrüstung gedacht und mich körperlich fit gehalten. Aktuell bin ich noch auf der Suche nach einem Stück Garten oder am besten einer abgelegenen "Fluchtburg".
So weit so gut. Wenn die AKWs mit ihrem hochgiftigen und instabilem Inventar waehrend ihrer Betriebsdauer und die Zwischenlager fuer die viele 10.000 Jahre saemtliche Finanz- und Systemkrisen unbeschadet ueberstehen, hat man mit dieser Strategie jetzt und kuenftig alles richtig gemacht.
Welches Zukunftszenario auch immer eintreten wird, irgendwas werde ich von dem o.g. hoffentlich gebrauchen können. Und falls ich gar nichts davon brauche, umso besser. Dann mache ich eine Flasche Rotwein auf, den ich zusammen mit den anderen Lebensmittelvorräten eingelagert habe, und setze mich vors Haus, um zu feiern, dass die ganz große Katastrophe ausgeblieben ist. 
So sehe ich das auch. Kein Mensch, der bei Verstand ist, kann sich ein grosse Katastrophe wuenschen. Der Mensch will Sicherheit, wie Du oben selbst sagst. Aber wir sind nun mal nicht in einem Wunschkonzert.