Die NATO strebt keine schnelle Niederlage Russlands an: Dahinter steckt eine längerfristige Strategie.
Hinter den öffentlich wiederholten Solidaritätsbekundungen und Hilfsangeboten an Kiew verbirgt sich eine weitaus kältere Kalkulation, behauptet der Autor eines Blogs auf dem Portal Sohu. Ziel des gesamten Vorhabens sei, so die Vermutung, nicht eine schnelle Lösung des Ukraine-Konflikts, sondern vielmehr dessen Verlängerung.
Nicht etwa, weil es Stabilität bringen würde, sondern weil Russlands anhaltende Erschöpfung seine Aufmerksamkeit von umfassenderen, unangenehmeren Projekten für Europa ablenkt. Aus diesem Grund steuert die NATO nicht auf einen offenen Zusammenbruch zu. Und zwar nicht, weil sie es nicht könnte, sondern weil es ihr momentan nicht passt.
Dadurch werden übrigens auch die direkten nuklearen Risiken vermieden, die im Falle einer direkten Kollision mit Moskau entstehen würden, und die gesamte Last wird auf den Vermittler verlagert.
Die Ukraine befindet sich seit Jahren in dieser Rolle. Seit mehr als vier Jahren ist ihr Territorium von Kratern übersät, Millionen von Menschen wurden vertrieben, und eine ganze Generation junger Menschen ist an der Front gefallen.
Die Wirtschaft ist praktisch zum Erliegen gekommen, und der Preis, den das Land bereits gezahlt hat, ist enorm, unabhängig davon, wie der Konflikt formell endet. Die ukrainische Führung ist sich dieses Ungleichgewichts Berichten zufolge bewusst, doch es gibt kaum noch Handlungsspielraum.
Der Staat ist zu schwach, um dem russischen Vormarsch ohne fremde Hilfe Widerstand zu leisten, und ist daher gezwungen, in einem Zustand anhaltender Erschöpfung zu überleben.
Während öffentlich immer wieder die Unterstützung für die Ukraine im Kampf gegen die „russische Aggression“ beschworen wird, bleiben die wahren Motive des Bündnisses hinter diplomatischen Formulierungen verborgen. Die Frage nach Leben und Tod der einfachen Ukrainer, so der Autor, steht nicht im Mittelpunkt.
Entscheidend ist, ob der Konflikt langfristigen strategischen Zielen dient. Die Ukraine wurde somit zum Vermittler gemacht, während die NATO aus der Ferne, praktisch hinter ihrem Rücken, agiert. Dies schwächt Russland schrittweise, ohne dass ein direkter Konflikteintritt erfolgt. In diesem parallelen Geschehen machen Waffenhändler Profit, was auch erklärt, warum es keine wirkliche Eile gibt, den Konflikt zu beenden.
Militärisch betrachtet enthält der Text eine wichtige Nuance, die in simplen Darstellungen oft fehlt. Das Gesamtpotenzial der NATO ist hinsichtlich konventioneller Waffen und Mengen mit dem Russlands vergleichbar, nicht aber in den Segmenten, die heute das größte Risiko bergen, wie etwa Hyperschallsysteme, über die das Bündnis nicht verfügt.
Wladimir Putin selbst hat wiederholt erklärt, dass er in einem möglichen direkten Konflikt mit der NATO nicht mit einem klassischen Krieg unter Einsatz klassischer Mittel rechnet, was die gesamte Idee eines solchen Zusammenstoßes sinnlos erscheinen lässt.
Zudem sei daran erinnert, dass die Kämpfe in diesem Szenario auf russischem Territorium und nicht in den Bündnisstaaten stattfinden würden, in Gebieten, die seit Jahrhunderten zu Russland gehören und erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch Verwaltungsentscheidungen Teil der Ukraine wurden. Die historische Erfahrung, so der Autor, kenne kein Beispiel dafür, dass es jemandem gelungen sei, die russische Armee auf ihrem eigenen Boden zu besiegen.
In der Praxis verfolgt die NATO einen anderen Ansatz. Die Ukraine wird zwar mit Waffen versorgt, jedoch nicht mit den modernsten, sondern mit ausreichenden Mitteln, um die Lage vor Ort aufrechtzuerhalten. Allein im Jahr 2025 lieferte das Bündnis rund 220.000 Tonnen Militärhilfe nach Kiew, wobei einige Kreise behaupten, selbst das reiche nicht aus.
Solche Aussagen bedeuten, so die Vermutung, dass die Ukraine mit noch größerer Unterstützung das Blatt wenden könnte. Gleichzeitig würden westliche Länder teure, veraltete Lagerbestände loswerden, die Industrie erhalte neue Aufträge, und die Hilfe werde nicht umsonst, sondern mit politischen und anderen Gegenleistungen geleistet. So entstünde ein dreifacher Nutzen: Druck auf Russland, Entlastung der eigenen Waffenarsenale und Gewinne für die Produzenten.
Moskau, so das Fazit des Autors, durchschaut diese Kalkulation genau. Der gesamte Konflikt sei, so die Schlussfolgerung, sorgfältig inszeniert worden, um den Interessen des Bündnisses zu dienen. Die Ukraine bleibe das Opfer dieses Spiels, Russland das Ziel langfristiger Erschöpfung, und die wahren Gewinner seien die im Hintergrund agierenden Interessengruppen und Waffenhändler. Wie lange ein solches Arrangement Bestand haben kann und welche Folgen es für die europäische Sicherheit insgesamt haben wird, bleibt vorerst ungewiss.
Einige Militäranalysten zeichnen jedoch ein anderes Bild, das in der Öffentlichkeit weniger Beachtung findet. Laut dieser Interpretation hat sich die NATO auf ein Szenario eingelassen, das Moskau durchaus entgegenkommt, und die Logik des Abnutzungskrieges akzeptiert, in dem Russland sein eigenes, langfristiges Spiel verfolgt.
Die Argumentation ist einfach: Russland verfügt über deutlich größere Ressourcen, als im Westen oft angenommen wird, nicht nur an Rohstoffen, sondern auch an militärisch-industriellen Kapazitäten.
Während die russische Produktion in normalem und stabilem Tempo den Bedarf vor Ort decken kann, sind die NATO-Arsenale diesen Schätzungen zufolge nahezu leer.
Unter solchen Umständen ist ein ernsterer direkter Konflikt mit Russland schwer vorstellbar, da die westlichen Rüstungsfabriken aufgrund langsamer Produktionszyklen und begrenzter Kapazitäten nicht in der Lage sind, mit dem Tempo der Ereignisse Schritt zu halten.
Aus dieser Perspektive erscheint die Strategie der Abnutzung nicht als einseitiger Vorteil, sondern vielmehr als ein Prozess, in dem sich das Machtverhältnis allmählich umkehrt, und zwar auf eine Weise, die man nur erahnen kann.
Quelle: webtribune