*ring* *ring* *ring* *ring* *ring* *ring* So, jetzt ist der Faden wieder wach.
Also ich hab mir ein paar Faelschungserkennungsmethoden angeschaut.
1) Magnetwaage
Fang ich mal mit der Magnetwaage an, weil das mein neuestes Spielzeug ist. Ich habe mir eine Kern PFB 200-3 Waage (200g/0.001g), ein Ipalat-Halspastillendoeschen und einen 15x3mm Neodym-Magneten gekauft. (Naja, das Ipalat-Doesen habe ich nicht gekauft. Es lag hier nur herum und hatte genau die richtige Hoehe.) Kostenpunkt: knapp 255 Euro. Absolut ohne Basteln, weil die Waage einen Deckel mit Loch hat. Man kann damit auch 20mm-Magneten verwenden, aber die sind dicker und man braucht ein anderes Doeschen. Es gibt auch chinesische Fitzelwaagen fuer unter 20 Euro (20g/0.001g), aber bei denen muss man einen Aufsatz basteln.
Mit dem 15x3mm-Magneten und dem Aufbau bekomme ich bei einem 20g-Goldbarren im Blister ein "Gewicht" (Ist eigentlich eine Kraft und kein Gewicht, das eine Masse erfordert.) von ca. +20mg. Ein positives Gewicht bekomme ich, weil Gold diamagnetisch ist und das Magnetfeld und damit den Magneten abstoesst und auf die Waage drueckt. Passt also. Ebenso wird bei Silber-Philharmoniker, Kruegerrand und Dachrinnenkupfer ein positives Gewicht angezeigt. Silber und Kupfer ist diamagnetisch. Passt also auch. Wenn ich aber etwas in die Vergangenheit gehe, dann wird es schwierig. 20 USD Libertykopf und Gaudens haben ein negatives Gewicht, 20 Mark Wilhelm I. auch, ebenso ein Sovereign von Victoria. 20 Mark Wilhelm II. liegt um die 0. Der Grund dafuer kann nur in den Verunreinigungen liegen, die durch die andere Raffinationsmethode frueher einen groesseren Anteil ausmachten. In Frage kommt hierfuer vor allem das zulegierte Kupfer. So richtig zuverlaessig funktionieren tut die Methode also erst ab 1950er? Es gibt aber auch aelteres Geld, das korrekterweise diamagnetisch ist, wie die franz. Silbermuenzen der 1930er. Da gibt es also eine Phase wo es solche und solche Muenzen gibt. Eine franz. Aluminiumbronze-Muenze zeigt auf der Waage -3800mg an und ja, man kann sie mit einem Magneten hochheben. Interessant waere, wie sich aeltere Goldbarren auf der Magnetwaage verhalten. Um eine Frage in diesem Faden aufzugreifen: Kann man mit einer Magnetwaage Hausmann-Faelschungen erkennen? Vermutlich schon, wenn der Hausmann modernes Feingold und Feinkupfer genommen hat. Da ich aber (vermutlich) keine habe, kann ich das nicht pruefen.
2) Ultraschall
In der chinesischen Bucht, die schrecklich zu bedienen ist, habe ich mir ein Ultraschalldickenmessgeraet zugelegt, das in etwa so aussah wie das was man hier in Deutschland als Goldpruefgeraet erwerben kann. Es hat inkl. Importsteuern unter 300 Euro gekostet. Man muss sich etwas informieren und einarbeiten, aber dann tut es vermutlich genauso gut wie das deutsche Goldpruefgeraet. (Mangels Verfuegbarkeit kann ich das aber nicht sicher sagen.) Man stellt die erwartete Schallgeschwindigkeit ein und bekommt dann eine Dicke angezeigt, die der Objektdicke entsprechen sollte. Um bei Abweichung die tatsaechliche Schallgeschwindigkeit zu ermitteln, muss man nach einer Messung die Geschwindigkeit so lange anpassen, bis die angezeigte Dicke korrekt ist. Die dann eingestellt Geschwindigkeit ist die gesuchte Schallgeschwindigkeit des Objektmaterials. Wenn jemand sich ein China-Teil zulegen moechte kann ich gerne eine Bedienungsanweisung zur Verfuegung stellen.
PS: Das Messgeraet arbeitet nur ab einer Materialdicke von 0.7 (oder 1.0? ) mm aufwaerts. Sowas wie oesterreichische Dukaten scheiden also aus. Ausserdem sind die Oberflaechen idealerweise voellig eben. Mit Praegebildern schwankt die angezeigte Dicke. Einerseits hat man ein Kontaktmittel (irgendein Gel oder auch nur Wasser), das durch seine langsamere Schallgeschwindigkeit eine dickere Muenze vorgauckelt, andererseits hat man auf der Rueckseite Echos von hohen und tiefen Partien, die, weil man mit einem Messchieber nur die hohen Stellen messen kann, eine duennere Muenze vorgauckelt.
3) Leitfaehigkeit
Waere super spannend, auch fuer viele anderen Legierungen, aber ich habe auch in der chineischen Bucht nichts im dreistelligen Preisbereich gefunden, eher so ab 2000 Euro; deswegen habe ich mir noch keines gekauft. Falls jemand eine gut und guenstige Quelle kennt ...
4) Klang
Es gibt eine Android App namens Bullion Test. Das nimmt ein Ping mit dem Handy-Mikro auf, macht darauf eine FFT (also zerlegt den Klang in die einzelnen Frequenzen) und bestimmt die Klangspitzen. In der App sind Vergleichswerte fuer moderne Unzenmuenzen hinterlegt. In der Free-Version sind es drei Referenzmuenzen (Kruegerrand ist dabei), in der Loehnversion ca. 30.. Die Einschraenkung auf moderne Unzenmuenzen ist doof. Alleine schon deshalb waere eine Alternative sinnvoll. Audio-FFT-Software fuer's Handy gibt es viele, aber ich habe bisher noch keine gefunden, die mehrere Spitzen ausmisst. Die SpectrumAnalyser-App (von http://www.keuwl.com) bestimmt zumindest eine Spitze und kann ganz gut zum Vergleich verwendet werden. Die Unzenmuenzen lassen sich gut auf dem Finger ballancierend anschlagen. Bei Sovereigns &Co. klappt das nicht gut. Waere interessant "The Ringer" von thefisch.com damit auszuprobieren, aber 89 USD fuer ein Plastikteil ... die haben doch nicht mehr alle ...
5) Muenzwaagen
Muenzwaagen von so 1900 und auch die modernen Plastikwaagen, die hier schon erwaehnt wurden, messen Durchmesser, Dicke und Gewicht. Das kann man auch mit Messschieber und einfacher Waage bestimmen, wenn man die Daten kennt. Das waere etwas, das man mal sammeln koennte, da Dicken eher nicht publiziert werden.
PS: 6) Wirbelstrom
Wenn man einen starken Magneten einen Silberbarren herunterrutschen laesst, dann wird der Magnet abgebremst und rutscht "widernatuerlich" langsam. Um das hier gleich mal klarzustellen: Das hat nichts mit Dia- und Paramagnetismus zu tun, wie man es hin und wieder in dem Zusammenhang hoert. Der Grund ist die gute Leitfaehigkeit des Silbers. (Ein sich veraenderndes Magetfeld erzeug in einem Leiter einen Strom und ein Strom Magnetfeld, das dem ersten entgegenwirkt. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Wirbelstrom ) Der Magnettest beruht darauf, dass Feinsilber ein deutlich besserer Leiter ist als z.B. Messing in versilberten Messingfaelschungen. Man kann den Magneten das Testobjekt herunterrutschen lassen oder das Testobjekt eine Magnetrutsche herunterrutschen lassen, so wie man das in youtube-Filmchen sieht. Am besten funktioniert dieser Test im direkten Vergleich, z.B. grosse Medaille unbekannter Zusammensetzung und eine etwa gleich grosse Silberunze. Feinkupfer leitet den Strom natuerlich auch sehr gut, wenn auch nur fast so gut wie Silber. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrische_Leitf%C3%A4higkeit http://www.audiophil-online.de…issen/leitfaehigkeit.html )
Im Blister und ohne Antatschen geht uebrigens Methode 1, 3 und bedingt 5 und vermutlich auch 6.
Gruesse
Cepasaccus