Bumerang, dein Punkt „am Ende wollen doch alle in Immobilien" und das die Immo-Leute weiter der Sonne entgegen reiten dürfen, setzt voraus, dass Inflation die Schulden neutralisiert und die Eigentümer durchtragen. Genau dort liegt der Denkfehler.
Inflation wirkt sehr asymmetrisch: Kosten steigen sofort (Energie, Handwerk, Versicherungen, Grundsteuer, ESG-CapEx), Mieten bleiben politisch gebremst, und die Refinanzierung kommt nominal zu 5–6 % – nicht „real bereinigt“.
Entscheidend ist nicht, wie viele „nicht verkaufen wollen“, sondern wie viele verkaufen müssen. Der Marktpreis wird am Rand gemacht – von Zwangs- und Liquiditätsverkäufen, nicht von Absichtserklärungen.
Ein richtiges Stadthaus in Berlin/München (Neubau, gute Lage, 4–6 Einheiten) kostet heute 3–5 Mio €. Bei ~4 k/oz sind das ~750–1 200 Unzen Gold. Historisch lag dieselbe Qualität bei ~300–400 Unzen (in Stressphasen tiefer) – damals mit 6–8 % realer Netto-Rendite. Heute ist die reale Rendite nahe null. Wenn Gold auf 10–12 k läuft und Immo-Preise nur seitwärts gehen, fällt die Ratio rechnerisch auf ~250–350 Unzen – genau der historische Korridor. Realistisch ist zusätzlich ein nominaler Rücklauf um 20–40 % bei auslaufender Niedrigzinsbindung; dann siehst du temporär ~150–250 Unzen. Dort kauft der Investor, nicht vorher.
Dass „viele Gold besitzen“ heißt nicht, dass sie zu jedem Preis in Beton wechseln. Goldhalter sollten das Speichenrad erst drehen, wenn zwei Bedingungen stimmen: Ratio zurück im Korridor und wieder echter Cashflow. Übersetzt: ≤ 0,4 oz/m² in Prime-Lage und 7–9 % Netto bei konservativer Finanzierung. Vorher tauscht du Stabilität gegen Zinsrisiko.
Die Anschlussfinanzierung ist kein Randthema. In den nächsten Jahren rollen massenhaft 1–2 %-Kredite auf 5–6 % – da kippt der Zinsdeckungsgrad unter 1,0, lange bevor „alle in Immobilien wollen“. Dann kommen die stillen Verkäufe: erst Projektentwickler und später überhebelte Bestandshalter. Es braucht nicht „alle“ – ein paar Prozent forced sellers setzen dann den neuen Preis.
In den Großstädten gibt es auch oft diese „Perlenkäufer“ Family Offices/Fonds oder was auch immer, die sich mit ihrem Namen schmücken wie mit einem Adelstitel. Für mich sind das keine Investoren mehr, sondern Narrativ-Manager. Ich kenne die Denkweise: da geht es nicht um Rendite, sondern um Bewertungsfortschreibung. Die Deals müssen laufen, weil die Gutachter sonst die Bewertungen nicht mehr plausibilisieren können.
Stillstand wäre ein Eingeständnis, dass der Bewertungslevel tot ist.
Viele dieser Vehikel dürfen auch gar nicht untätig sein, sonst trocknen die Gebührenflüsse aus. Deshalb kauft man lieber ein Haus, das man nicht braucht, zu einem Preis, den man nicht glaubt, mit Geld, das man nicht hat.