Auch der gemeinsame Gaseinkauf der EU würde bei einem Startstand von 0 % (DE) bzw. 22 % (EU) eine Preisexplosion nicht verhindern können.
Das Instrument, das Sie meinen (AggregateEU), ist sinnvoll, um Marktpanik innerhalb Europas zu dämpfen, aber es setzt die Gesetze von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt nicht außer Kraft.
Hier sind die 4 Gründe, warum der Preis in Ihrem Szenario trotz gebündeltem Einkauf massiv steigen würde:
1. Die EU ist nicht allein auf der Welt (Der Asien-Faktor)
Der gemeinsame Einkauf verhindert zwar, dass Deutschland gegen Frankreich bietet (was gut ist). Aber die EU als "Einkaufsgemeinschaft" bietet immer noch gegen China, Japan und Südkorea.
- Gas (LNG) wird auf dem Weltmarkt gehandelt.
- Wenn die EU ihre Speicher von 22 % auf 90 % füllen muss, braucht sie gigantische Mengen LNG.
- Wenn die EU sagt: "Wir kaufen gemeinsam und zahlen maximal 40 €", dann sagen die Verkäufer (USA, Katar): "Okay, dann verkaufen wir eben nach Asien für 45 €".
- Konsequenz: Um die Tanker nach Europa umzuleiten, muss die EU den Weltmarktpreis überbieten. Bei einer so extremen Mangellage (0 % Speicher) haben wir keine Verhandlungsmacht, wir sind Bittsteller.
2. Die schiere Menge (Physik lässt sich nicht wegverhandeln)
Das Problem in Ihrer Rechnung ist das Volumen.
Ein Speicherstand von 0 % in Deutschland und 22 % in der EU bedeutet, dass Europa in nur 6 Monaten (Sommer) so viel Gas kaufen müsste wie normalerweise in zwei Jahren.
- Selbst wenn wir als "ein großer Kunde" auftreten: Wenn das Angebot an Gas (Produktion in Norwegen, USA etc.) begrenzt ist, steigt der Preis, wenn die Nachfrage sich verdoppelt.
- Ein gebündelter Einkauf kann Rabatte aushandeln, wenn der Markt entspannt ist. Aber in einer Mangellage diktiert der Verkäufer den Preis. Die Verkäufer wissen ja: "Wenn ihr nicht kauft, friert ihr im Winter." Das nennt man einen Verkäufermarkt.
3. AggregateEU deckt nicht alles ab
Der gemeinsame Gaseinkauf der EU ist ein Instrument, aber er deckt nicht 100 % des Bedarfs ab.
- Ein großer Teil des Gases wird immer noch über langfristige Verträge oder von privaten Energieversorgern (Uniper, RWE, Engie etc.) am Spotmarkt beschafft.
- Sobald die Nachricht "Deutschland ist leer" die Runde macht, werden die Händler an den Börsen (TTF) nervös. Der Börsenpreis reagiert auf Psychologie und Angst. Der gemeinsame Einkauf der EU ist zu langsam und bürokratisch, um Panikreaktionen an der Börse in Echtzeit zu stoppen.
4. Das "0 %"-Szenario ist ein Notfall
Ein Speicherstand von 0 % ist technisch fast unmöglich im normalen Betrieb (man braucht Kissengas für den Druck). Wenn wir wirklich bei 0 % wären, hieße das, dass wir in einer absoluten Notlage sind (z.B. Pipeline-Sabotage oder Lieferstopps).
In einer Notlage greifen normale Marktmechanismen nicht mehr. Der Preis würde nicht linear steigen, sondern vertikal.
Fazit: Was würde wirklich passieren?
Der gemeinsame Einkauf würde verhindern, dass der Preis auf 350 € steigt (wie 2022, als sich EU-Staaten gegenseitig überboten haben). Das ist der Vorteil.
Aber er würde nicht verhindern, dass der Preis von 32,3 € auf 80 € bis 150 € steigt.
Denn um die leeren Speicher von 0 auf 90 % zu prügeln, muss Europa dem Rest der Welt das Gas wegkaufen. Und das geht nur über den Preis.
Kurz gesagt: Gebündelter Einkauf hilft gegen Chaos, aber er zaubert kein fehlendes Gas herbei. Bei 0 % Startstand wären wir erpressbar, und das wissen die Verkäufer.