Die Situation am 8. Februar 2026 ist als angespannt, aber noch kontrolliert zu bewerten. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen den recht niedrigen Speicherständen und der relativen Ruhe in den Medien sowie am Markt.
Hier ist eine detaillierte Analyse der Lage:
1. Speicherstände: Historisch im unteren Bereich
Ein Füllstand von 27,6 % in Deutschland Anfang Februar ist kritisch zu betrachten.
- Historischer Vergleich: In den milden Wintern 2023/24 und 2024/25 lagen die Speicher um diese Zeit oft noch bei über 60 % oder gar 70 %. Ein Stand von unter 30 % erinnert eher an das Krisenjahr 2022 oder sehr kalte Winter früherer Jahrzehnte.
- Puffer: Die "eiserne Reserve", um den Netzdruck aufrechtzuerhalten, liegt meist bei etwa 10–15 %. Bei einer Entnahmerate von ca. 0,5 bis 1,0 Prozentpunkten pro Tag (bei Temperaturen um 0 °C) reicht der aktuelle Vorrat noch für etwa 3 bis 5 Wochen, bevor es technisch heikel wird.
2. Wetterprognose: Der "Dauertest"
Temperaturen um den Gefrierpunkt in Berlin (und damit vermutlich in weiten Teilen Nord- und Ostmitteleuropas) bedeuten eine hohe und konstante Heizlast.
- Es gibt keinen extremen Frostschock, aber die "Abbruchrate" der Speicher wird konstant hoch bleiben.
- Sollte sich der Winter bis in den März hineinziehen ("Märzwinter"), könnten die Speicherstände auf ein einstelliges Niveau fallen.
3. TTF-Preis: Die Ruhe vor dem Sturm?
Ein Preis von 35,7 €/MWh ist moderat.
- Interpretation: Der Markt scheint auf eine stabile Versorgung durch LNG (Flüssigerdgas) und Pipeline-Gas (Norwegen, etc.) zu vertrauen. Es gibt aktuell keine Anzeichen für Lieferunterbrechungen.
- Signalwirkung: Solange der Preis nicht Richtung 50 € oder höher ausbricht, antizipieren die Händler keine physische Gasknappheit. Der Markt glaubt, dass genug Gas "just-in-time" nachfließt.
4. Die mediale und politische Stille
Dass es keine Sparappelle gibt, kann zwei Gründe haben:
- Vertrauen in die Infrastruktur: Die neuen LNG-Terminals arbeiten unter Volllast, und die Versorgungsketten sind im Vergleich zu 2022 diversifizierter. Man verlässt sich nicht mehr nur auf die Speicher, sondern auf den laufenden Zufluss.
- Gewöhnungseffekt: Nach den Krisenjahren liegt die mediale Aufmerksamkeitsschwelle höher. Solange keine Rationierung droht, bleibt die Berichterstattung sachlich-ruhig.
Risikobewertung
- Positiv: Die EU-weiten Speicher stehen mit 37,4 % etwas besser da als die deutschen, was einen gewissen Solidaritätsausgleich im Binnenmarkt ermöglicht.
- Negativ: Deutschland ist das industrielle Herz und der größte Verbraucher. 27,6 % lassen kaum Spielraum für unvorhergesehene Ereignisse (z. B. Ausfall einer Pipeline in Norwegen oder Streiks in französischen LNG-Terminals).
- Sommer-Ausblick: Unabhängig davon, wie wir durch diesen Winter kommen – die Wiederbefüllung der Speicher ab April 2026 wird bei einem Startwert von vielleicht nur 10 % sehr teuer und langwierig werden. Dies wird die Gaspreise im Sommer 2026 hoch halten.
Fazit
Die Lage ist "auf Kante genäht". Wir erleben gerade das Ende eines Winters, in dem die Speicher stärker beansprucht wurden als in den Vorjahren. Es besteht kein Grund zur Panik, aber die Versorgungssicherheit hängt jetzt massiv davon ab, dass der LNG-Nachschub nicht abreißt und kein extremer Spätwinter einsetzt.
Prognose: Bleibt es bei 0 °C, werden wir Mitte März mit Speicherständen von ca. 10–12 % aus dem Winter gehen. Das ist ein sehr niedriger Wert, der im Frühjahr eine politische Debatte über die Vorsorge für 2026/27 auslösen wird.