Hi Scheffe
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naja, das hängt auch sehr vom Spezialgebiet ab. Münzen aus natürlichem Elektron sind eher eine Sache der allerfrühesten griechischen (genauer: kleinasiatischen) Numismatik. Und gerade hier gibt's die gefährlichsten "Umpräge"-Fälschungen - und dann nützt auch die hochpräzise Gammaspektrometrie nichts mehr: zweifelsfrei echt antikes Material! (Sogar aus der "richtigen" Mine...) Hier hat mir mal ein Experte erklärt, daß die allerletzte Sicherheit bzgl. des Schrötlings allenfalls noch die C14-Methode bringe, sofern oberflächliche Fundauflagerungen vorhanden sind, die Reste organischen Materials enthalten, was logischerweise fast nie der Fall ist. Und perfekte moderne Überprägungen fallen so auch nicht auf...
"Normale" antike Münzen (Hellenismus bis Spätantike) sind jedoch immer aus kupelliertem (also geläutertem) Gold von selbst für heutige Maßstäbe extrem(!) hoher Reinheit (> 99,5%). Nur die Reste noch edlerer Metalle (Platin, Palladium, Indium, etc.) lassen dann noch Schlüsse auf die Herkunft zu. Deren relative Häufigkeit im "Rest" ist der "Fingerabdruck" der jeweiligen Mine und ändert sich auch beim bloßen Umschmelzen nicht - wohl aber, wenn alles mögliche Gold aus einem großen Posten verschiedenster Herkunft zusammenlegiert wird.
Genau das ist aber bei Kushana/Indien immer(!) der Fall. Denn die benutzten das Gold der Römer, die ihrerseits auch schon alles zusammenlegiert und aufgereinigt haben, was sie nur kriegen (genauer: erobern) konnten. 
Die Legierungszusätze bei den antiken indischen Prägungen sind absichtlich zur Erhöhung der Härte der Münzen zugesetzt worden. Erst unter den Kidariten (5. bis 7. Jh. - guckstu Wiki) gab's ne interessante "Goldmünzeninflation": Das Material wurde gezielt immer mehr mit Ag und Cu gestreckt, bis es zuletzt unter dem lag, was wir heute gern flapsig "Edelmessing" nennen ("333er Gold" - also 8 kt). Über recht lange Zeit haben die eine absolut raffinierte Mischunng benutzt: 3 Teile Gold : 5 Teile Silber : 3 Teile Kupfer. Das sind zwar nur unter 28% Feingehalt, dennoch sieht die Legierung noch herrlich gelbgolden aus, korrodiert aber fix. Und von genau diesen Dingern habe ich noch nie moderne Fälschungen gesehen. Die sind wegen ihrer eigenartigen Patina auch recht schwer zu machen; außerdem gibt's für diese "häßlichen Entlein" unter den antiken Goldmünzen derzeit kaum einen echten Markt - z.T. kann man die in großen Posten sogar unter Schmelzwert kaufen. Erst nach fachmännischer Reinigung erkennt der Experte den unverwechselbaren Goldglanz.
Später verfielen sie dann in Kaschmir erst zu reinen Silber- und dann - ab etwa 8. Jh. - zu bloßen Kupfermünzen.
Merke: (Währungs-)Geschichte neigt zu Wiederholungen... Deshalb befaßt der Goldjunge Mithras sich damit auch so intensiv - Motto: "Aus der Geschichte lernen"... 