Im Gegenzug fordert er eine tiefgreifende Reform der Europäischen Union. "Wer mehr in den Topf einzahlt als er herausnimmt, muss auch mehr Mitsprache haben", sagte Bosomworth. Es könne nicht sein, dass Deutschland im Europarat 29 Stimmen habe und Spanien immer noch 27."
vgl.: http://www.spiegel.de/wirtscha…les/0,1518,735566,00.html
Na ja, das hört sich toll an, wird aber politisch genauso wenig durchzusetzen sein, wie eine Aufspaltung in zwei Eurozonen. Ein Wahlrecht nach Steueraufkommen hat man vor 100 Jahren abgeschafft. Seitdem sind die Wahlen "gleich". Diesen Gleichheitsgrundsatz wird man auf europäischer Ebene nicht aufgeben wollen.
Hinzu kommt die Frage der staatlichen Souveränität. Wenn Deutschland aufgrund seiner Wirtschaftsleistung über andere europäische Staaten bestimmen könnte (und sei es auch "nur" in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen), dann wäre das Gegenteil von dem erreicht, was sich viele Regierende außerhalb Deutschlands von der EU versprechen: eine dauerhafte und kooperative (= ich als wirtschaftlich schwächerer Staat habe Einfluss auf D) Einbindung der Bundesrepublik in der Mitte Europas!
Historisch gesehen ist die späte Einigung der Bundesstaaten zu einem deutschen Nationalstaat 1871 (und dann noch als Folge eines Krieges und nicht von "unten" durch die Bürger) eine schwere Hypothek, die auf Deutschland lastet. Niemand von den anderen Staatslenkern weiß, wie man mit einem so starken Land in der Mitte umgehen soll und kann. Das wissen die Deutschen ja selbst nicht, hab ich manchmal den Eindruck.
Die Teilung nach dem WK II hat dieses Problem vorübergehend entschärft - im Kalten Krieg buchstäblich auf Eis gelegt. Mit der Wiedervereinigung ist es nun wieder aufgetaut. Die Idee der Vereinigten Staaten von Europa, die politische Union, zu der nun mal zwingend die Wirtschafts- und Währungsunion als Fundament gehört, will man da nicht aufgeben. Deshalb wird der Euro mit Zähnen und Klauen "verteidigt".
Was man nicht sehen will (insbesondere in Deutschland nicht!): diese Vereinigten Staaten von Europa werden von den anderen - insbesondere Großbritannien - gar nicht angestrebt! Von Frankreich auch nur, wenn es Meinungsführer in diesem Konstrukt bliebe. Eine oben vorgeschlagene Stimmrechtsreform ist vor diesem Hintergrund eine nette Fabel, aber Lichtjahre weit weg von den politischen Realitäten.
Wer den Gedanken vertiefen will, findet bei der NYT einen beißenden Kommentar von Tom Buhrow:
http://www.nytimes.com/2010/04…inion/28iht-edbuhrow.html
Das Bedrückende dabei: ein Rückfall in alte Nationalstaatlichkeit verspricht keinesfalls eine bessere Zukunft. Was wir in Europa bräuchten, sind andere, vorwärts gerichtete Lösungsansätze - nicht der ständige angsterfüllte Blick unserer europäischen Nachbarn auf die deutsche Schlange, die vielleicht eines Tages wieder ihr braunes Gesicht heben könnte. Aber eine Abkehr von diesem zwanghaften Einbindungsgedanken der anderen in Bezug auf Deutschland ist vermutlich genauso realistisch wie die dauerhafte Erhaltung des Euro in seiner jetzigen Form. 
Wenn man wenigstens wüsste, wie sich die deutsche Regierung bei einer Zuspitzung der Lage entscheidet: Austritt aus der Währungsunion oder Nibelungentreue zum Schuldenpakt? Bei Letzterem sollte man weiter Gold kaufen, bei ersterem nicht unbedingt.