Der Ordnung halber - mein Depot

  • Hallo valueman


    Ich habe mir am Wochenende nochmal grundlegende Gedanken gemacht und daraus Schlussfolgerungen gezogen. Konkret bedeutet dies, dass ich meine Öl-Engagements nicht weiter ausbauen und vermutlich nie wieder Minenaktien kaufen werde. Stattdessen werde ich meine Cash-Reserven in Technologie-Aktien stecken, so dass dieser Sektor letztlich ähnlich schwer gewichtet sein wird wie die Ölkonzerne und die Edelmetall-Aktien, wobei letztere dann ausschließlich durch die großen Royalties repräsentiert werden.


    Der Hintergrund: Die vergangenen zwei Jahre haben mit den rasant gestiegenen Preisen für Gold und Silber viel Freude bereitet, auch was Minenaktien betrifft. Die vielen Jahre zuvor waren aber bzgl. Minenaktien enorm anstrengend und mit vielen Rücksetzern behaftet. Vor ein paar Jahren schrieb angesichts der sich nur schleppend entwickelnden Kurse der und vielen enttäuschenden fundamentalen Entwicklungen bei Minenaktien hier im Forum mal jemand: "Man hätte von vornherein nur die Royalties kaufen sollen." Ein anderer Nutzer schrieb, auch vor einigen Jahren: "Die Abwendung von Technologie-Aktien hin zu Edelmetall-Aktien war vermutlich der größte Fehler meines Lebens." Beide Aussagen hätten von mir sein können.


    Meine Überlegungen dazu: Die gestiegenen EM-Preise haben ihren Hintergrund vor allem (auch) in der fallenden Kaufkraft der Papierwährungen - d.h. mit anderen Worten, dass die Förderkosten der Minengesellschaften steigen, was entsprechend die Gewinne schmälert. Von daher ist es kein Wunder, dass diese vielen Jahre so frustrierend waren, dass o.g. Aussagen getätigt wurden. Da musste schon eine extreme Rally her, um mit den Minenaktien ordentlich Gewinne zu machen. Tja - die Minengesellschaften haben eben keine Preissetzungsmacht, sondern sind schlicht und ergreifend von den Marktpreisen abhängig. Die Konsequenz für mich: Ich bleibe nur noch beim Physischen und den Royalties, zumal ich ja ohnehin (Ölpreis usw.) von deutlich steigenden Förderkosten ausgehe. (Es wäre klüger und ertragreicher gewesen, wenn ich das von vornherein so gehalten hätte.)


    Zu den Ölaktien: Hier ist es ähnlich: Die Konzerne haben keine Preissetzungsmacht. Was sie jedoch von den Minenaktien unterscheidet, sind der dem Goldpreis (noch?) hinterherhinkende Öl-Preis und die oft hohen Dividendenzahlungen. Auch kann man Öl im Gegensatz zu Edelmetallen kaum bunkern. Daher bleibe ich den Ölaktien vorerst treu, werde den Bereich aber nicht ausbauen, also auch Equinor selbst dann nicht kaufen, falls sie deutlich zurückkommen.


    Meine Überlegungen zu Technologie-Aktien sind diese: Die neuen Allzeithochs sind m.E. ein Weckruf. Das Thema "Künstliche Intelligenz" ist noch eher am Anfang und beginnt nun erst so richtig, im Alltag der Menschen anzukommen. Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung viele Geschäftsmodelle durcheinanderwirbeln wird, und zwar auch die so mancher Software-Konzerne - auch wenn es nicht alle gleichstark erwischen wird. Daher bleibe ich ausschließlich bei Technologie-Konzernen, die entweder direkt mit der Ausrüstung und der Bereitstellung der KI-Infrastruktur zu tun haben oder KI auf eine Weise in ihre Geschäftstätigkeit integrieren, die sie zu Profiteuren der KI macht. (Solche Unternehmen herauszufiltern, ist allerdings nicht unbedingt einfach, aber Wolters Kluwer fällt unter diesen Umständen bei mir sofort durch. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich das Unternehmen für "schlecht" halte, aber ich wüsste jetzt nicht, wie sie von KI profitieren sollten.)


    Und noch ein Gedanke zu Technologie-Aktien: Es gibt enorm viele Tech-bzw. Software-Gesellschaften mit sehr hoher Marktkapitalisierung. Ich nenne - nur als Beispiele - Microsoft (MSFT) und Oracle (ORCL). Hinzu kommen viele "ähnliche" Gesellschaften wie z.B. Alphabet (GOOG), Meta Platforms (META) und Co. Falls sich ein neuer Anlage-Trend weg von solchen Gesellschaften hin zu primären KI-Profiteuren entwickelt (was ich vermute), dann können im Rahmen der entsprechenden Umschichtungen von Anlage-Geldern Kurssteigerungen bei den KI-Profiteuren noch so richtig aufsehenerregend werden.


    Vor allem aber ist auch dieser Gedanke wichtig: Im Gegensatz zu Bergbau- und Öl-Gesellschaften verfügen führende Tech-Gesellschaften über Preissetzungmacht.


    Also: Es war, Im Nachhinein betrachtet, ein echter Fehler, viele Jahre lang schwerpunktmäßig Minenaktien im Depot gehalten zu haben. Damit ist nun endgültig Schluss.


    Grüße

    Flenzburg

  • Nebius ist schon ein bisschen volatil, damit wird man aber leben müssen und stört mich nicht, ich denke bei diesem Wert eher mittel- bis langfristig und blende das Tagesrauschen aus. Stärkere Dips würde ich eher zum Zukaufen nutzen, da ich noch keine volle Position habe.Neb

    Ich verstehe unter "mittel- bis langfristig" mindestens mehrere Jahre, und auch ich werde Nebius nicht so schnell aus der Hand geben. (Sollte es aber kurzfristig mal vollkommen überzogene Kurskapriolen nach oben geben, werde ich evtl. ein paar Stücke aus der Hand geben.)


    Vor einigen Wochen hast Du bzgl. Nebius etwas von "ein bisschen Technologie im Depot" geschrieben. Dazu denke ich: Auch ich möchte zwar nicht unüberschaubar viele Positionen in meinem Depot haben. Wenn ich aber einen Sektor grundsätzlich als interessant erachte, dann positioniere ich mich nicht nur einseitig mit einem einzigen Wert, denn egal wie überzeugt ich von einer Aktie bin - sicher ist nichts. In diesem Sinne habe ich auch die bereits erwähnten AMD (AMD), Micron (MU), Hims&Hers (HIMS) sowie Iren (IREN) und IonQ (IONQ) mit ins Depot genommen, wobei IONQ sicherlich die Aktie mit dem spekulativsten Charakter ist. (IREN ist übrigens mit einem Milliarden-Vertrag mit Microsoft verbandelt.)

  • Hallo Flenzburg,

    Du bist in das Thema KI wesentlich tiefer eingetaucht wie ich. Ich denke wir verfolgen da unterschiedliche Ansätze. Mein Depot hab ich die letzten Jahre auf Cashflow ausgerichtet. Das bedeutet wenig Risiko, verlässlicher (Dividenden-) Zahlungseingang. Physisch Gold und ein bisschen Silber dient mir als Speicher für einen Teil meiner Lebensarbeitsleistung....wenn es steigt gut, wenn nicht kann ich auch damit Leben.....langfristig wird es immer steigen als Gradmesser der Währungsentwertung.

    Der Depotteil Aktien besteht größtenteils aus Dividendenwerten nicht zyklischer Branchen, also Langweiler. Ölaktien habe ich aktuell bis auf eine Anfangsposition Shell keine mehr im Depot.

    WPM, Zijin und einen MinenETF, sind meine Edelmetall Engagements.

    Ca. 15% habe ich für Wachstumsaktien vorgesehen.

    Nebius gehört dazu, besagte Wolters Kluwer und letzte Woche habe ich bei Zscaler einen Fuss in die Tür gestellt. Gerade im Depotteil Wachstumsaktien sichere ich meine Gewinne konsequent ab. D.h. ist ein Wert ,mehr als 30% im Plus kann er nie mehr ins Minus gehen, da er sich vorher automatisch verkauft. Das alles aus der Erfahrung heraus, dass ich auch in einem Bärenmarkt ruhig schlafen .

    möchte. Das Thema KI wird die Welt verändern, da gebe ich Dir recht. Das sieht man im Kleinen und im Großen. Wenn ich mit nur selber anschaue, was ich mit ChatGpt oder Gemini alles machen kann ist das schon beachtlich.


    VG

  • Ich denke wir verfolgen da unterschiedliche Ansätze. Mein Depot hab ich die letzten Jahre auf Cashflow ausgerichtet

    So unterschiedlich sind unsere Ansätze nicht, denn auch ich habe mich seit geraumer Zeit deutlich defensiver aufgestellt und lege auf regelmäßige nennenswerte Dividenden wert. Was uns unterscheidet, ist anscheinend mein größerer Anteil an Technologie-Aktien, die von Natur aus etwas spekulativer sind und keine hohen oder gar keine Dividenden bringen. Allerdings sind diese Tech-Aktien ja auch Wachstumswerte, womit wir uns wieder annähern, und selbst wenn Tech-Aktien demnächst vielleicht an die 30% meines WP-Depots ausmachen, so ist ihr Anteil gemessen an den Gesamtersparnissen - vor allem unter Berücksichtigung des Physischen - geringer.


    Ich brauche einfach ein wenig diesen "Kick" und das etwas höhere Risiko, was aber auch wieder mit größeren Chancen verbunden ist. Allerdings denke ich auch, dass ich mir das leisten kann, und - keine Sorge ;) - ich werde mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.


    Übrigens bin ich wieder bei Reconnaissance Energy Africa dabei. Das ist praktisch die einzige Position im Depot, die rein auf Zockerei basiert. Sie sind aktuell mit ihren FlowTests zugange und möchten feststellen, ob das gefundene Öl in ausreichendem Maße - also wirtschaftlich - förderbar ist. Das ist für mich ein reines Pokerspiel: In den kommenden Wochen ist mit entsprechend guten oder schlechten Nachrichten zu rechnen, und ich setze darauf, dass der Kurs in der Zwischenzeit steigt, weil manch einer Sorgen hat, etwas zu verpassen - denn das Potential ist riesig. Falls gute Nachrichten kommen, möchte ich bereits ausgestiegen und nicht mehr dabei sein, denn dann werden anschließend wohl einige Jahre ins Land gehen, in denen hohe Investitionen und Kapitalerhöhungen/Verwässerungen ins Haus stehen. (Für mich wird der Verkauf der Aktien der wohl endgültige Abschied aus Explorations-Unternehmen werden, und ich werde mich wieder ausschließlich der defensiven und dividenden-orientierten Ausrichtung meines Depots einschl. eines großen Schluckes Wachstum/Technologie widmen.)


    Noch zu Zscaler: Das ist ein interessanter Hinweis. Danke dafür! (Auf den ersten Blick: Die Aktie ist deutlich zurückgekommen, die Zahlen sind nicht schlecht, und die Bewertung scheint nicht überzogen zu sein. Auch ist Wachstum erkennbar, und das Thema KI wird anscheinend nicht verschlafen. Die Aktie scheint ein seriöses und nachvollziehbares Investment zu sein - ich werde mich gelegentlich damit beschäftigen (auch mit der Schulden-/Liquiditätssituation u.a.), obwohl IT-Sicherheit eigentlich nicht "mein" Gebiet ist.)


    Grüße

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