Alles anzeigenDas nenn ich jetzt mal langfristig:
Zinsentwicklung 1311-2018 (PDF, en, 110 p.)
von Paul Schmelzing, Bank of England
Offenbar ist das tendenzielle Sinken der Zinsen nicht nur ein kurzfristiges, sondern durchaus auch ein langfristiges Phänomen.
[...]
Oder mit anderen Worten: Begrabt eure Hoffnungen auf wieder langfristig steigende Zinsen.
Der Bericht enthält eine Fülle weiterer eindrucksvoller Grafiken und Tabellen, auch zum anteiligen GDP. Eindrücklich die Medici-Anleihen und die französischen Darlehen zur Finanzierung der amerikanischen Revolution.
Sehr interessante Informationen, vielen Dank.
Nach neoklassischer könnte man annehmen, dass eine Investition von Geld "in Geld" gegenüber realwirtschaftlichen Erwägungen schlicht und ergreifend nicht mehr ertragreich genug ist - was an sich grundsätzlich auch keine allzu abwegige sinnbefreite Überlegung ist.
Wird der Zins schlicht als Quantifizierung des Risikos des Geldverleihs angenommen, könnte man andererseits aber auch annehmen, dass der Zins über die Jahrhunderte sinkt, weil das Risiko des "Verleihenden" auf Grund gesellschaftlicher Veränderungen kontinuierlich gesunken ist. Im 14. Jahrhundert war es mutmaßlich deutlich schwieriger, einen säumigen, untergetauchten Gläubiger aufzutreiben als im 21. Jahrhundert...
Die Grundproblematik ist meines Erachtens nach, dass das Risiko des Verleihers zunehmend auch durch die auf dem Markt auftretenden Lenders of Last Ressort peu a peu reduziert wird. Wenn aus strukturellen Gründen (Subprime-Krise etc.) eine hohe Anzahl an Gläubigern ausfällt, wobei deren Risiko durch den angewandten Zins nicht adäquat quantifiziert war, werde ich als "Verleiher" - als Großbank des 21. Jahrhunderts - gerettet. Auf Grund der gesellschaftlichen Stabilität und implementierten Mechanismen, die meine Risiken auf Teufel komm raus absichern, sind derart hohe Zinssätze schlicht und ergreifend nicht mehr erforderlich, um das dahinterstehende Risiko abzusichern.
Dass das Risiko jedoch nicht vom Erdboden verschwunden ist, sondern in der Kette nur verschoben wurde und sich bei einem Zins von 0 % mittlerweile nahezu ausschließlich auf Seiten der Zentralbanken befindet, ist nur konsequent.