Langes Interview mit Markus Reisner bei NTV - Gekürzt!
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Aber die Ukraine kann jetzt allein mit diesen weitreichenden Drohnen schon viel bewirken, auch ohne den Taurus.
Genau. Mitte des Sommers wurde bekannt, dass Deutschland unterstützend in den Bau ukrainischer Drohnen investiert. Berichtet wurde über den Bau der Drohnen vom Typ An-196 Luty. Das sind oft jene Drohnen, die jetzt auf Videos von den russischen Angehörigen der Zivilbevölkerung zu sehen sind, kurz vor dem Einschlag bei einem Angriff. Diese Drohnen werden verwendet, um russische Ölraffinerien, militärische Einrichtungen und Ähnliches zu treffen. Die Berichterstattung über die deutsche Beteiligung am Drohnenbau war aber zurückhaltend. Ich nehme an, dass man versucht hat, das unter der Decke zu halten. Aber es ist ziemlich eindeutig: Deutschland hilft beim Bau von Drohnen, die tief in Russland einschlagen.
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Müsste Russland jedem Mandat internationaler Truppen in der Ukraine zustimmen?
Ja. Und Russland sagt nach wie vor: Wir akzeptieren internationalen Soldaten auf ukrainischem Territorium nicht, egal, ob die an der Front stehen oder in Lemberg. Sobald die Soldaten einen Fuß auf ukrainischen Boden setzen, werden sie für uns legitime Kriegsziele. Das lässt allen politisch und militärisch Verantwortlichen in den europäischen Hauptstädten die Haare zu Berge stehen. Keiner möchte das Risiko eingehen, Soldaten in die Ukraine zu schicken, die von den Russen angegriffen werden. Ohne die massive militärische Rückendeckung der USA gäbe es wenige, eingeschränkte oder keine Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren.
Trump sprach von US-Sicherheitsgarantien ähnlich dem Artikel 5 der Nato-Beistandspflicht, von Unterstützung in der Satellitenaufklärung, dem Nachrichtenwesen und der Luftverteidigung. Ist das alles nur heiße Luft?
Zumindest gibt es Berichte, wonach Trump frustriert ist über die Europäer, weil man seinem Friedensplan nicht zustimmen möchte. Trump sagt demnach: wenn die Europäer den Krieg verlängern wollen, sollen sie das selber machen. Trump soll auch überlegen, private Sicherheitsunternehmen zur Friedenssicherung in der Ukraine einzusetzen statt US-Soldaten. Zugleich überlegt er trotzdem doch potente militärische Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, wenn die Konditionen so passen, wie er das möchte. Der Punkt ist: Alle Beteiligungen der Europäer an Friedenstruppen stehen unter dem Vorbehalt, dass die USA militärisch Rückendeckung geben, weil Russland sonst nichts entgegengesetzt werden kann. Das geht in letzter Konsequenz bis zur Nuklearbewaffnung der Russen als solche. Sicherheitsgarantien oder Friedenstruppen ohne ein - sagen wir - gezogenes scharfes amerikanisches Schwert im Hintergrund sind das Papier nicht wert.
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Wenn wir nun den Blick auf die Front werfen: Wo toben momentan die heftigsten Kämpfe?
Die Russen erhalten den Druck entlang der gesamten Frontlinie unverändert stark aufrecht. Wir sehen ein Nachlassen der Kämpfe im Nordabschnitt zwischen Sumy und Charkiw. Russische Truppen, vor allem Dohnenteams, werden aus dem Nordabschnitt in den Mittelabschnitt zwischen Kupjansk und Pokrowsk verlegt. Bei Pokrowsk tobt vor allem der Kampf um das Narrativ: Wer hat den größeren Erfolg? Die Russen sind vor einigen Wochen überraschend mit kleinen Trupps relativ weit vorgestoßen. Die Ukraine hat dann operative Reserven eingesetzt. Kiew sagt, die Russen konnten zurückgedrängt und eingekesselt werden. Die Russen behaupten das Gegenteil.
Was stimmt?
Mit Blick auf die Videos beider Kriegsparteien in sozialen Netzwerken erkennt man: Die Ukrainer greifen mit Drohnen russische Truppen nördlich von Pokrowsk erfolgreich an. Das bedeutet aber auch, dass die Russen dort eben noch nicht zurückgedrängt wurden. Im Südabschnitt bei Saporischschja führen die Russen Offensivanstrengungen durch, entlang des Dnepr und südlich von Pokrowsk in Richtung Westen. Die Russen sind davon überzeugt, dass sie am Ende der Sommeroffensive die Voraussetzungen geschaffen haben, um weiter Druck zu machen.
Zurecht?
Ja, die Russen lernen militärtechnisch dazu. Ein Video zeigt, wie die Russen einen ukrainischen Werfer von Anti-Schiffs-Raketen vom Typ Neptun zerstören. Um das Ziel zu treffen, muss zuvor durch weitreichende Drohnen aufgeklärt werden, wo es sich befindet. Den Russen gelang Aufklärung und Wirkung innerhalb von Minuten, obwohl sich das Neptun-System tief in der Ukraine befindet. Eine schnelle Aufklärung auf diesem technischen Niveau konnten bislang nur die USA leisten. Jetzt ist klar: Auch die Russen sind mittlerweile in der Lage, bis zu 160 Kilometer hinter der Front ein Lagebild zu generieren und sofort anzugreifen. Das hat Aufregung in den militärischen Kreisen in Europa verursacht.
Warum?
Man darf mit Blick auf die mögliche Entsendung von Friedenstruppen nicht vergessen: Wenn die Russen in der Lage sind, Iskander-Raketen oder Marschflugkörper punktgenau in der Tiefe der Ukraine einzusetzen, muss das den Europäern Sorge bereiten. Das ist der Knackpunkt, noch vor dem unmittelbaren Kampf europäischer Soldaten mit den russischen an der Front: Die technische Fähigkeit der Russen, durch Drohnen oder Satelliten aufzuklären und in der Tiefe des Landes anzugreifen. Die Europäer können das kaum oder nur sehr eingeschränkt leisten. Die umfängliche Satellitenaufklärung durch die USA macht den Unterschied. Darum ist es so wichtig, das Europa sicherheitspolitisch endlich Fahrt aufnimmt.
Mit Markus Reisner sprach Lea Verstl
Mein Kommentar: Die Europäer haben die Hosen voll. Ohne die USA wird das nichts. Das größte Problem für Russland sind aktuell die deutschen Drohnen, die tief in Russland die Energie-Infrastruktur zerstören.
LG Vatapitta