Beiträge von Tollar

    Ich habe neulich einen Bericht im Radio darueber gehoert. $1 sind sicher Extrembeispiele aber $2.000 sind durchaus ueblich. Die Haeuser sind total runtergekommen und alles was nicht niet- und nagelfest ist, fehlt bei diesen Haeusern. Elektro- und Sanitaerinstallation einschl. Kabel und Kupferrohre ist meist komplett rasugerissen. Die Gegenden sind gefaehrlich und voller Drogenabhaengiger und -dealer. Aber mit der kritischen Masse kann man einiges bewegen. Kuenstlergruppen kaufen ganze Strassenzuege auf, renovieren die Haeuser, machen die Gegend sicher und vertreiben die Dealer. In 10 Jahren sind das dann die absoluten Hip-Bezirke in Detroit und die Haeuser bestimmt mehr als 100.000 in 2009-Dollars wert.

    Meiner Meinung nach passt dieser Thread in die langsam aufkeimende Hoffnung: Es wird alles nicht so schlimm!


    Dazu passt auch das leichte steigen des Daxes.

    Diese Phasen gabe es auch von 1929-1933 beim Dow.


    Mittelfristige, technische Korrekturen verbunden mit Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung.


    Fundamental hat sich aber kaum etwas geaendert, bis auf die Einsicht, dass einiges anders werden muss.

    Dies sind natürlich die außerhalb jeder Regulierung in den vergangenen Jahren zu Monstern herangewachsenen Kreditausfallderivate, die nun auch AIG in den Abgrund gerissen haben.

    Die Kreditausfallderivate erlaubten Investoren ihre Investments bis in die Stratosphere zu leverage-n, weil sie ein sicheres Investment vorgaukelten, egal ob das oekonomische Fundament stimmte oder nicht. Ueber Jahre hat es auch gut funktioniert, weil man ueber Hedge-Techniken Ausfaelle erfolgreich kompensieren konnte. Aber das funktionierte nur so lange, wie die Modelle, die diesenTechniken zugrunde lagen, auch auf die reale Entwicklung der Asset-Preise zutrafen. Mit dem Verfall fast aller Asset-Klassen gleichzeitig, konnten diese Hedge-Techniken aber nicht mehr funktionieren und setzten kettenreaktionsartig Ausfaelle der Kreditausfallderivate in Gang, welchen nun aus den Taschen der Steuerzahler ersetzt werden muessen, um den totalen Zusammenbruch der Finanzsysteme zu verhindern.


    1. sind die Rohstoffpreise so stark gefallen, dass sie einen neuen zyklischen Aufschwung provozieren könnten. Bei fast allen zeigt sich eine solide Bodenbildung, bei einigen – vom Öl über das Kupfer bis zum Zucker – kann man seit Wochen bereits wieder steigende Notierungen beobachten.


    Sobald die Weltwirtschaft wieder im alten Tempo waechst, steigen die Preise fuer Rohstoffe massiv an. Spekulation auf Rohstoffe setzt ein und treibt sie auf neue Rekordpreise. Wann kapieren diese Experten endlich, dass wir in einer Ressourcen-limitierten Wirtschaft angekommen sind ?


    2. sind die Preise für Kapital auf historische Tiefstände gefallen. Zinsen sind so niedrig, dass Kapital alsbald wieder Realinvestitionen suchen wird. Die Notenbanken der gesamten Welt haben die Märkte derart massiv mit Geld geflutet, dass ein Aufschwung fast unvermeidlich wird.


    Investiert wird nicht automatisch, weil Geld billig ist, sondern wenn es Rendite verspricht. Entscheidend ist auch der Realzins, nicht der Notenbank-Zins. In Japan hat die Nullzinspolitik nicht zum unvermeidlichen Aufschwung gefuehrt, obwohl es seine Ueberproduktion sogar weltweit exportieren konnten. Solange die Preise fuer Ressourcen und Unternehmen fallen, wartet jeder Investor hinter der Seitenlinie ab.



    3. werden die historisch beispiellos großen Konjunkturprogramme alsbald für einen Nachfrageimpuls sorgen. Ab dem zweiten Halbjahr dürfte die bürokratische Anlaufphase dieser Programme beendet worden sein und die realwirtschaftliche Phase kann beginnen.


    Staatsausgaben sind die einzigen Nachfragegeneratoren, jedoch wird kuenstlich Nachfrage erzeugt. Die Produktivitaet steigt dadurch nicht, sie sinkt eher ab, weil ohne oekonomischen Hintergrund und teilweise sinnlos am Bedarf vorbei investiert wird (kein Return of Investment).


    4. zeigt der Frachtratenindex des Welthandels, dass der Absturz beendet ist. Seit einigen Wochen steigen die Notierungen wieder, wenngleich von sehr niedrigem Niveau aus – aber sie steigen. Kaum ein Indikator war in der Vergangenheit sensibler für Konjunkturwenden wie dieser.


    Dies wird vor allem durch die Konjunkturprogramme (z.B. Chinas Infrastrukturmassnahmen, Aufbau von Rohstoffreserven) erzeugt, aber nicht durch eine realwirtschaftliche, nachfragegetriebene Erhohlung.



    5. signalisieren in fast allen westlichen Staaten die Multiplikatoren der Wirtschaft (von Einkaufsmanagern über Unternehmer bis zu Chefvolkswirten), dass sie zwar die aktuelle Lage als sehr negativ betrachten, die Zukunftsperspektiven aber wieder zuversichtlicher einschätzen. Ob ZEW oder Ifo – allenthalben zeigen die Erwartungskurven wieder leicht nach oben.


    Durchaus moeglich, aber ob dieser Erwartungskurven nachhaltig sind, oder nur saisonal beding wird sich zeigen.



    6. haben sich die Banken und der Geldmarkt endlich stabilisiert. Die Geldleihe der Institute untereinander geschieht wieder zu halbwegs normalen Konditionen. Zugleich horten die Banken nicht mehr so viel Geld bei den Notenbanken. Die größten Banken der Welt melden sogar, dass sie seit Jahresbeginn wieder Gewinne machen, ihre Aktienkurse haben sich von ihren historischen Tiefständen spürbar erholt.


    Fakt ist, dass Banken ohne Steuergelder nicht ueberlebt haetten. Weitere Kreditausfaelle sind im Anmarsch (Kreditkarten, Student-Loans, Commercial real Estate). Dass die Zins-Spreads sich auf breiter Front normalisert haben, stimmt nicht mit der Realitaet ueberein. Teilweise explodieren die Spreads in neuen Bereichen regelrecht (z.B. CMBX).



    7. hat gerade die Geschwindigkeit und Schärfe der Korrektur dafür gesorgt, dass es diesmal auch schneller wieder aufwärts gehen könnte („V-Effekt“). Denn viele Unternehmen haben ihre Lagerbestände sehr schnell sehr stark zurückgefahren, so dass bei einer anspringenden Nachfrage sehr schnell auch wieder sehr viel produziert werden muss. Diesen Lagerzykluseffekt sieht man derzeit schon bei den Wirkungen der Abwrackprämie in der Autoindustrie.


    Die Industrie ist heute viel flexibler, das ist richtig. Allerdings sollte man die Folgeeffekte wie Arbeistlosigkeit ebenfalls nicht ausser Acht lassen. Subventionierte Autos gibt es nur in Deutschland, sie reichen bei weitem nicht aus, die Exportausfaelle zu kompensieren.



    8. zeigt die politische Szenerie erstaunliche Stabilität. Es gibt derzeit keinen nennenswerten Krieg oder globalen Konflikt. Dagegen kooperieren die Staaten in nie dagewesener Form bei der Bewältigung der Krise. Der bevorstehende G-20-Gipfel dürfte ein sichtbarer Höhepunkt dieser neuen Kooperationskultur in der Weltwirtschaft werden.


    Das stimmt. Gleichzeitig ist aber auch wirtschaftliche Isolation (Protektionismus) zu beobachte. Neue Strafzoelle fuer Importe werden heute bereits verhaengt. das kann zu Handelskriegen oder gar ernsthaften Konflikten fuehren (Kriege sind immer Kriege um Absatzmaerkte).

    9. sorgen die Restrukturierungen in vielen Branchen und Unternehmen für Produktivitätsgewinne. Kosten werden gestrafft, Effizienzreserven mobilisiert, die Wirtschaft macht sich robuster und damit bereit für den nächsten Aufschwung.


    Produktivitaetssetiegrung und drastischer Schuldenabbau, das ist der einzige Ausweg aus der Krise. Notwendig ist auch ein Umdenken und Strukturwandel, der unser Wachstum nicht mehr an begrenzte Ressourcen stossen laesst. Dieser Prozess hat aber gerade erst begonnen und ist nicht in ein paar Monaten abgeschlossen.



    10. geht das Wachstum in vielen Schwellenländern weiter. Von Brasilien über Indien bis China hat sich das Wachstum zwar stark verlangsamt, aber es gibt keinen Stillstand. Inzwischen kommen aus diesen Ländern immer wieder positive Anstoßeffekte für die Weltwirtschaft. Und da die Weltbevölkerung weiter zunimmt und die Bedürfnisse der Menschen noch stärker wachsen als ihre schiere Zahl, bleibt der Grundimpuls für eine neue Phase globalen Wirtschaftswachstums intakt.


    Das stimmt, nur wurde ein grosser Teil des Wachstums ueber Exporte erziehlt. Erst wenn der eigene Konsum das Wachstum dieser Laender steuert, hat es auch globale Effekte. Diese Phase ist nicht in ein paar Jahren erreicht.

    Meiner Meinung nach versuchen zumindest die USA, England und die Schweiz mit aller Macht eine Reflationierung herbeizuführen und wenn Ihnen das gelingt wird das wahrscheinlich zu anderen Problemen führen.

    Reflationierung wird wieder schnell in der Katastrophe enden, weil dabei nichts anderes passiert, als die bereits ueber die wirtschaftliche Kapazitaet hinaus ge-leverage-ten Kreditnehmer weiter zu leverage-n. Wenn der Verbraucher bereits heute seinen Hauskredit nicht oder gerade noch abzahlen kann, weil sein Einkommen ueber die Produktivitaet seiner Arbeit das Limit setzt, was nuetzt da noch mehr Kredit ? Kurzfristig peppt es die Wirtschaft durch die Nachfrage auf aber am Ende stehen wir wieder vor dem gleichen Problem: massive Kreditausfaelle der Banken - nichts anderes als Subprime 2.0.

    11. Saemtliche oekonomischen Fundamentaldaten und oekonomische Gesetze werden verboten. Die Verschuldung von oeffentlichen und privaten Haushalten wird geheim gehalten und die Rede darueber unter Strafe gestellt. Roubini, Faber u.a. werden eingekerkert. Die Schriften von Keynes, Kontratief u.a. werden verbrannt, vernichtet und aus dem Internet geloescht. Alle Buerger nehmen an der woechentlichen Pflicht-Schulung "Der Aufschwung" teil.


    So schaffen wir das :thumbup:


    ich bin Laie und habe mich gefragt, wenn die FED weiteres Papiergeld druckt, sollte ja eigentlich das Geld wertloser werden und das Brot teurer. Aber wie kommt dieser Kreislauf eigentlich zustande?


    Weiß der Bäckermeister, daß jetzt plötzlich mehr Geld im Umlauf ist und erhöht die Preise fürs Brot?


    Weiß der Landwirt, daß mehr Geld im Umlauf ist und erhöht dem Bäcker die Preise fürs Korn?

    Die FED kann Geld drucken wie sie will, dadurch entsteht aber keine Inflation. Selbst wenn die Bilanzen der FED um eine weitere Billion Dollar aufgeblaeht werden, bewirkt dieses Geld nichts, solange es nicht in Umlauf kommt. Mehr Geld kommt nur durch Banken in Umlauf, falls sie bereit sind dieses Geld als Kredit auszugeben. Geben die Banken Kredit aus und gibt es genuegend Nachfrage, entsteht keine Inflation. Erst wenn das Angebot die Nachfrage uebersteigt, entsteht Inflation. Das passiert zum Beispiel, wenn Banken zu aeussert guenstigen Konditionen ohne Pruefung der tatsaechlichen wirtschaftlichen Potenz des Schuldners Geld regelrecht hinterherwerfen. Zuletzt war das so bei Subprime-Krediten, was die Hauspreise explodieren liess. Dadurch kommt es zur Preisinflation, weil ein Ueberangebot von Geld entsteht. Haben wir kein Ueberangebot, weil die Banken diese Billionen horten, kann auch keine Preisinflation entstehen.

    Seit wann wird eine gewaltige geplante Inflationierung so brachial medial bekannt gemacht?

    Du hast es erfasst. Psychologie spielt eine wichtigste Rolle in einer deflationaeren Spirale. Das Verbraucherverhalten bestimmt die Nachfrage nach Waren. Inflationsaengste fuehren zu mehr Konsum. Inflationspropaganda ist wirtschafts- und regierungsfreundlich.

    Etwas Bauland oder haus/Hof mit angeschlossenem Ackerland sehe ich als einzig sinnvolles Langfristinvestment. Oder investiere in Bildung und Gesundheit. Bei diesen Investment bist Du alleiniger Teilhaber und siehst jeden Tag die ungeschoenten "Geschaeftszahlen" und "Fundamentaldaten" und kannst mit eigener Arbeit und Kreativitaet den Wert noch erhoehen.


    Die Schlaftablettenstrategie Kostolanys ist die reinste ueber den Tisch-Zieherei. Solche Leute haben es faustdick hinter den Ohren.


    Wenn Du einen Autohaendler fragst, ob seine Autos gut sind und ob Du heute kaufen sollst, kann ich Dir seine Antwort schon vorher sagen.

    Danke ! Endlich mal jemand der das Spiel versteht. Die Amis werden 2009 noch einige "Überaschungen" für den Rest der Welt bereit halten. Todgesagte Leben länger und den größten Fehler den man begehen kann ist die US Finanzindustrie zu unterschätzen. Der Plan geht für die FED im Moment voll auf und die EU wie auch der Rest der Welt steht dem Machtlos gegenüber. Upps ! reingelegt .... ;(

    Scheissspiel ... aber das Kapital riecht es und wechselt dahin, wo es nicht verlieren kann.


    Scheinbar geht es nicht um Renditen, sondern um mehr Sicherheit. Lieber 20% verlieren als alles verlieren.

    Nicht pauschalieren. Das war allenfalls kurze Zeit bei den 3-jährigen so. Ansonsten herrscht weitgehend Käuferstreik, sowohl bei den langlaufenden T-Bills als auch bei Corporate Bonds. Guckst du hier .
    Meinst du, das Budget für den Ankauf wurde nur deshalb massiv ausgeweitet, weil die Dinger so begehrt sind? :hae:

    Der neuerliche Rueckgang ist aber keine Erklaerung fuer das hohe auslaendische Interesse vor kurzem, wo die Inflationszenarien und -massnahmen Bernankes schon laengst durch die Massenmedien gegeistert sind. Die Nachfrage und das Vertauen muss ja vor kurzem noch da gewesen sein, sonst haetten Auslaender nicht so einen hohen Anteil am Kauf von langlaufenden US-Staatsanleihen.