Es ist sehr ruhig geworden um das Desaster in Fukushima. Nein, das Problem ist längst noch nicht "erledigt" - und das Reaktorunglück ist auch keineswegs vergessen, wird es nie sein.
Die Atomruinen strahlen und suppen weiterhin so vor sich hin. Bis Ende September soll Reaktor 1 mit einer wasserdichten Plane verhüllt sein. Wenn sich das bewährt, sollen auch die anderen Reaktoren auf diese Art "eingetütet" werden. Der Betonsarkophag ist immer noch im Gespräch, kann aber erst eine Option sein, wenn die Kontrolle über die Schutthaufen vollends wieder hergestellt ist - was allerdings noch einige Jahre dauern kann.
Ein Fukushima-Arbeiter ist an akuter Leukämie verstorben. Das hatte nach Tepco-Angaben natürlich nicht das Geringste mit seiner Tätigkeit zu tun. Das Pflegepersonal aus diversen Kliniken sagt, dass dies wahrlich kein Einzelfall wäre. Die japanischen Medien legen über diese Vorfälle scheinbar "den Mantel des Schweigens".
Zögerlich wurde den 100.000 Evakuierten mitgeteilt, dass sie wohl in diesem Leben nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können.
Die verseuchte Brühe in den Kellern ist weniger geworden, wenn auch längst nicht in dem erhofften Umfang. Das kritische, einsturzgefährdete Abklingbecken wurde provisorisch mit einigen Balken gestützt. Viele Japaner sind aktiv geworden. Sie nehmen selbst Messungen vor, da sie den Verantwortlichen schlicht nicht mehr trauen. Desweiteren wurden in Privat-Initiativen einige Schul-Gelände dekontaminiert. Das größte Problem sind derzeit die Unmengen von radioaktivem Abfall, denn auch Japan hat kein geeignetes Endlager.
Naoto Kan ist zurückgetreten, worüber ja auch in allen Medien berichtet wurde. Hierzu ein guter Artikel von Georg Blume in der "Zeit":
Kans Rücktritt läutet das Fukushima-Vergessen ein, Zeit-Online
Blume hat wohl recht. Wir werden über den weiteren Verlauf des nuklearen Desasters wohl nicht mehr sehr viel hören. Der neue Regierungschef betont zwar immer wieder, dass der Anteil der AKW's auf Null zurückgefahren werden soll, das dürfte aber eine Art Beruhigungspille für das aufgeschreckte Volk sein.
Das wahre Ausmaß der Katastrophe kommt nur häppchenweise ans Licht:
Zitat
Die japanische Nuclear and Industrial Safety Agency hat neue Zahlen und Karten vorgelegt, die das Ausmaß des radioaktiven Fallouts nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März zeigen und einen Vergleich mit Tschernobyl erlauben. Die Behörde meldete bereits im Juni, dass das havarierte Kernkraftwerk als Folge der Zerstörungen durch Erdbeben und Tsunami 770 Petabecquerel (770 Billiarden Becquerel) freisetzte – darunter 15 000 Terabecquerel Cäsium-137, das mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren eines problematischstes Radionuklide ist, die in die Umwelt gelangten.
Fukushimas Fallout quantifiziert und kartiert, wissenschaft-online.de
Und wenn wir schon bei Vergleichen sind - wie sich die Bilder aus den betroffenen Katastrophengebieten doch ähneln:
Das Ticken der Geigerzähler in den Geisterstädten, Welt-Online
Sonntägliche Grüße
Mariana