die Entwicklungen der letzten 4 Wochen ändern übrigens eine Spielkarte gewaltig:
die internationale Zusammenarbeit.
Bei allen Vergleichen der Krise 2007-2012 zur großen Depression 1929-36 wurde immer wieder hervorgehoben,
dass es damals keine Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Mächten gab:
us-Notenbank gegen Reichsbank, reichsbank gegen französische Notenbank, Franzosen gegen BoE.
Der Riß im deutsch-französischen Verhältniss, nochmals unterstrichen durch den Putsch in der EZB und der Sanierung französischer Banken durch Zentralbank-Geld-druckens: das ist eine qualitative Änderung.
Ich muss mich jetzt mal als Frankophilen outen: ich habe in Frankreich studiert, für einen französischen Konzern gearbeitet,
ich spreche die Sprache und kenne das Land.
die deutsch französosche Achse war lange etwas, was gut funktionierte.
etwa so wie die Gesellschaftssalons der Lady xxx (name vergessen ) in den 1920er Jahren in New York.
Dort trafen sich die neureichen irischen Millionäre mit den adligen, aber verarmten britischen Lords und ihren Töchtern.
Die neureichen Iren wurden von dem traditionellen amerikanischen Establishment, dass seine Ahnenlinien bis zur Mayflower zurückverfolgen konnte abgelehnt.
aber die Anwesenheit der ganzen steifen Earl und Lords wertete die Neureichen Iren auf.
Die verarmten Adligen konnten ihre Söhne mit reichen Irisch-Amerikanern verheirateten: klangvolle Namen und viel Geld kamen zusammen,
und es entstanden neue angesehene und wohlhabene Familien.
Die deutsch-französische Achse beruhte bisher - meine ich - darauf, dass Deutschland in der Nachkriegszeit keinerlei
ernsthafte Interessendivergenzen mit Frankreich hatte:
deutschland hatte keine Kolonialen Interessen in Afrika, wollte nicht Atommacht sein, hatte keinerlei weltpolitische Ambitionen.
Deutsche Interessen wie die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes etc ließen sich problemlos im Windschatten der
proeuropäischen französisch-deutschen Achse lösen. Auch die Emanzipation gegenüber den Besatzungsmächten GB, USA, Sowjetunion gelang unter
dem Schutzschild eines französisch-deutschen europäischen Blocks viel einfacher.
Frankreich konnte, mit dem wirtschaftlich potenten und bervökerungsmässig größeren Deutschland an der Seite, seinen europa und weltpolitischen Ambitionen viel besser frönen.
jeder spielte mit seiner klaviatur: frankreich nutzte außenpolitische Macht, um Aufträge für Alcatel an Land zu ziehen, Siemens musste auf großzüge Protektion a la francaise verzichten, hat aber einfach Leute geschmiert und auch bessere Produkte als alcatel geliefert.
Frankreichs politische und kulturelle Strahlkraft ist auch heute noch groß genug, um einen Teil der deutschen politischen Eliten an sich zu binden.
Tom Buhrow, Anchor man bei ARD Tagesthemen schrieb letztens im Kommentar in der "Welt", dass nicht die Deutschen sich auf Europa nicht einlassen,
sondern dass die anderen Nationen sich nicht auf Europa einlassen.
Sie verfolgen nationale Ziele, wollen aber gerne von Deutschland eine EC-Partnerkarte und den PIN haben.
Wenn Frankreich via EU geflissentlich in deutsche Taschen gegriffen hat, dann wurde das bisher mit Nonchalance übersehen:
als hätte die gute Ehefrau in den Papieren ihre Mannes entdeckt, dass er auf der Dienstreise mit Damenbegleitung diniert und übernachtet hat.
Ganz ehrlich: wer würde denn wegen sowas die Familie zerreissen: das Haus, die Hypothek und erst die Kinder....
aber wenn der Ehemann die Liebhaberin ganz ungeniert in der Mansardenwohung einziehen lässt, dann geht es zu weit.
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Dass die französischen Banken und die EZB eine clevere Möglichkeit gefunden haben, die französischen Banken blitzartig zu sanieren,
ist ein Schachzug, von dem Sarkozy im internen Kreis wohl gerne erzählen wird.
Tja, der Mann ist halb Ungar, halb Grieche(???)...
Was er da macht, ist eigentlich sehr unfranzösisch.
Divide et impera: teile und herrsche, wäre viel französischer.
Und einen besiegten Gegner zu düpieren; sowas ist in der Politik sowieso unfein.
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Die Franzosen haben überzogen. Oder vielleicht muss man auch sagen: Sarkozy hat überzogen.
Auch wir haben ja mit Ausländern in höchsten Führungspositionen des Staates negative Erfahrungen gemacht.
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Vor ein paar Wochen fiel Trichet während einer Pressekonferenz vom englischen ins Deutsch und sagte,
den euro und die eurozonen-Mitglieder betreffend:
"wir teilen ein gemeinsames Schicksal".
Ich weis, was er damit sagen wollte: aber für deutsche Ohren hat das einen äußerst bedrohlichen Unterton.
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Mitte März gab es in der führenden konservativen Zeitung "Le Figaro" einen Leitartikel zum Euro.
Trichet wurde gebasht, weil er versucht hatte, den Euro stabil zu machen.
Meinung des Artikels: statt eine Währung zu schaffen, die den Menschen "dient" (servir), war es der Ehrgeiz der Notenbanker der EZB,
eine zweite Weltreservewährung neben dem Dollar zu schaffen.
Statt eine Währung zu schaffen, die der Industrie nützt, wurde eine geschaffen, die Pensionäre favorisiert.
----soweit im "Figaro"
Die Industrie - die hat Fabriken, Technologien, Marken - und Schulden.
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aber ich glaube, die Franzosen haben vergessen, wo sie in den 80er Jahren standen: Devisenkontrollen: niemand durfte Franc einfach so in Dollar tauschen.
und Preiskontrollen:
die Teuerung war so stark, dass die Regierung immer mal wieder 6monatige totale Preisstops per Gesetzt verordnen musste.
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dass das alles nichts ist, was zu den sparwütigen Deutschen und der alternden Bevölkerung passt, ist klar.
Die Schnelligkeit und Unverfrorenheit, mit der die Franzosen ihre durch den EZB-Putsch gewonnene Macht nutzen,
um ihr Bankensystem zu sanieren macht einen schon sprachlos.
Man weis nicht, wie das weitergehen wird.
Falls es irgendwann dazu kommt, dass ausgehend von französischen Entscheidungen der EZB auf nachvollziehbare Weise deutsches Sparvermögen massiv vernichtet wird, dann dürften Mitterand und Kohl auf ihre späten Tage
wohl doch noch recht bekommen, dass der Euro eine Frage von Krieg und Frieden ist.
Im Sinne des Friedens in Europa wäre es deutlich vorteilhafter, wenn die deutschen Sparer glauben, Angela Merkel und Josef Ackermann hätten ihr Sparguthaben vernichtet - die haben keine Atomwaffen.