Ist der Euro gerettet?
Es gab gerade im Handelsblatt einen Bericht, der den Eindruck erweckte, dass mit den Euro alles gut sei.
Handelsblatt “Der Euro hat den seit Monaten schwelenden Kampf gegen Spekulanten eindeutig gewonnen. Zu diesem Schluss kommt das deutsche „Handelsblatt“. Viele internationale Anleger hätten sich bei ihren Wetten gegen den Euro „verzockt“.“
Ich weis nicht, wer diesen Artikel geschrieben hat, aber ein alt-börsianer kaum.
Beim Euro hat sich das allgemeine Market Sentiment gedreht. Mehr nicht.
Jeder kann mal an sich selbst ausprobieren, wie wir Menschen ticken. Man nehme ein schreckliches Ereignis, das plötzlich eintritt:
Heute noch ist man am Boden zerstört, morgen sieht man alles schon etwas tröstlicher, zwei Tage später hat man sich mit der Lage abgefunden.
Ähnlich ist es an der Börse, dass auch bei den schlimmsten (oder den besten) Stimmungen ein Gewöhnungseffekt eintritt.
Um also ein Ereignis so schlimm zu halten, dass es nachhaltig für steigende oder sinkende Kurse sorgt, muß sich das Ausmaß stets vergrößern.
Bei positivem Sentiment heißt das: yahoo wird die Nr. 1 im Internet sein,
zwei Monate später heißt es yahoo wird für die nächsten 10 Jahre die Nr.1 bleiben,
vier Monate später heißt es Yahoo wird eine Stellung im Internet einnehmen, die ihm niemals wieder jemand streitig macht,
12 Monate später muss es heißen, dass das Geschäft von TV und Print zerrieben wird und nur Yahoo die globalen Werbeeinnahmen der nächsten 200 Jahre auf sich ziehen kann.
Der Rest ist Geschichte: Yahoo crashte, das Internet entwickelte sich weiter und eine unbekannte Firma namens Google begann 80% der globalen Werbeeinnahmen im Internet auf sich zu ziehen.
Auf die Euro Krise bezogen heißt das: um ein gleich hohes negatives Market sentiment aufrecht zu erhalten, hätten sich die euro-gefahren ständig erhöhen müssen.
Beim Kurs von 1,19 zum Dollar war der Markt schon dabei, einen Staatsbankrott Spaniens einzupreisen.
Aber dann kamen die Staatsanleihekäufe der EZB mehr und mehr zum tragen und jeder der wollte konnte auf EZB-Kosten aus griechischen und spanischen Anleihen aussteigen.
Und da man mit den druckfrischen Euros, die die EZB auslieferte, noch prima BMW-aktien, Gold, Nestle-Anleihen und diversen anderen halbwegs wertbeständigen Schnickschnack bekam, legte sich die „nach mir die Sindflut“ Panik etwas.
Das Handelsblatt schreibt, die Spekulanten hätten sich blutige Köpfe geholt, weil ja 75% der euro shorts zurückgefahren wurden.
Ich weis nicht, wo da die Logik bleibt: hätten Spekulanten TROTZ des Rückschlags von 1,18 auf 1,32 ihre euro shorts behalten, dann hätten sie viel Geld verloren.
Der größte Teil des anglo-amerikanischen Gesindels, dass am Befeuern des Euro Crashs mitgemacht hat, dürfte trefflich verdient haben.
(ich habe nichts gegen eine gute Spekulation, aber wenn Spekulanten die Nachrichten bestimmen, wie es bei der Allianz von Bloomberg und den Spekulanten war, dann ist dass keine ehrliche Spekulation mehr)
Nun gut: bei der anti euro spekulation fehlte der finale Blast: irgendeine Anleihe, die geblatzt ist, Devisenverkehrskontrollen o.ä.
Kostolany schrieb mal: niemand kann bei einer Devisenspekulation gewinnen, wenn die eigene Bevölkerung an ihrer Währung festhält.
Wie war das Anfang mai, als Gold ausverkauft war und mal schnell an einem Vormittag 9 Mrd euro aus der eurozone Richtung Schweiz verschwunden sind?
Ich war Mitte Mai bei einem Grillfest in der Verwandtschaft.
Ein Bruder meiner Schwiegermutter begann über den Euro zu reden.
Er ist Vorarbeiter in einer Baufirma, Mitte fünfzig, mit kleinem Wohlstandsbauch und Alkoholproblem, ein tyischer Vertreter des unteren Randes der Mittelschicht.
Er ist niemand, der irgendwelche Berührungspunkte zu Forex-accounts hat, niemand der schon einmal im Leben eine FAZ oder e
in Handelsblatt gelesen hat.
Er schimpfte auf den Euro und drohte seine Ersparnisse in Schweizer Franken umzutauschen, wenn das so weitergehe.
Man erinnere sich, wie die Stimmung Anfang Mai war. Der euro schutzschirm von 750 mrd euro, der zum Drittel gefaked war, weil der IWF gar nicht mitmachen wollte, hat den Absturz des Euro nicht aufgehalten.
Irgendwann bei 1,18 kam er erstaunlicherweise zum Stehen.