[zum Thema: statistischer Nachweis für POS- und POG-Manipulation]: Jedenfalls empfehle ich dringend erst Lektüre, dann Kommentar.
=> Andeutung, weil ich den Artikel nunmal nicht online stellen kann (wir arbeiten daran): es handelt sich um zwei zeitlich nacheinander gültige Korrelationsgleichungen (einmal 2001-2008, einmal 2008-2010) mit jeweils nur zwei Variablen (x = Goldpreis; y = Silberpreis). Völlig trivial - ist sogar ohne Mathematikvorlesung verständlich.
Da wir nun zumindest einen Teil des Materials haben (dank Peter Boehringer und Adrian Douglas):
http://www.goldseiten.de/conte…php?storyid=15365&seite=0
läßt sich das interessante Thema weiterspinnen.
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Befund a) Die tagsüber zwischen den Londoner Fixings kumulierte Goldpreisentwicklung 2001-2009 liegt nicht nur unter dem Preisanstieg dieser Periode, sondern ist sogar negativ. Die über die London-Nacht (also während des Asienhandels) kumulierte Goldpreisentwicklung liegt dagegen über dem Preisanstieg.
Schlußfolgerung Boehringer/Douglas: "Es ist damit bewiesen, dass "jemand" seit 2001 konsequent und konsistent und sogar über kurze Zeiträume proportional an fast jedem asiatischen overnight-Gewinntag diesen Gewinn sehr schnell am Folgetag oder kurz danach im europäischen und amerikanischen Handel wieder abverkauft hat!"
Gegenposition: 'Es ist damit bewiesen, dass "jemand" seit 2001 konsequent und konsistent und sogar über kurze Zeiträume proportional nach fast jedem Londoner Verlusttag sehr schnell die Gelegenheit genutzt hat, um zu relativ günstigen Preisen massiv zu kaufen. Die Reaktion erfolgte im Mittel schon innerhalb weniger Stunden und wird dadurch bei einer Kumulierung des Asienhandels als zusätzlicher Preisanstieg sichtbar.'
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Befund b) Es gibt zwei annähernd parallele Ausgleichsgeraden für die Korrelation POS(POG) für die Perioden 2001-Aug2008 und Sept.2008-Sept2010. Beide sind deutlich gegeneinander verschoben, aber fast parallel Anschaulich: das Verhältnis POS/POG machte im Herbst 2008 einen Sprung nach unten, der deutlich größer war als seine Schwankungen innerhalb der zwei Zeiträume.
Beschreibung und Schlußfolgerung BoehringerDouglas: "Der Kollaps war dabei bei Silber stärker als bei Gold. Man kann mit gewissem Recht vermuten, dass speziell der zuvor extrem schnell angestiegene Silberpreis damals für die Preisdrücker ein noch größeres Problem als der Goldpreis dargestellt hatte. Auch in jüngster Zeit seit September 2010 sehen wir wieder eine verstärkte Outperformance von Silber gegenüber Gold. Silber steigt mittlerweile sogar wieder schneller als in der Zeit vor August 2008. Dies könnte (!) darauf hindeuten, dass die Kabale die extrem starke Drückung von Silber seit 2008 nicht mehr länger durchhalten kann."
Gegenposition: 'Der Kollaps war bei Gold schwächer als bei Silber- und den Industriemetallen. Man kann mit gewissem Recht vermuten, dass dabei ein konjunkturbedingter Anteil im Preis von Silber (wie bei Pt- und Industriemetallen) eine Rolle spielte, der ebenso am vorangehenden extrem schnellen Anstieg beteiligt war. Auch in jüngster Zeit seit September 2010 sehen wir wieder eine verstärkte Outperformance von Silber und der Industriemetalle gegenüber Gold. Silber steigt mittlerweile sogar wieder schneller als in der Zeit vor August 2008. Dies könnte (!) darauf hindeuten, dass die Konjunktureffekte sich wieder auf das Vorkrisenniveau einpendeln.' (was hier zur Klärung beitrüge: wie siehts mit den Korrelationen zwischen Au und Ag einerseits und Pt-Metallen sowie Industriemetallen andererseits aus?)
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Kommentar BoehringerDouglas:
"Wenn ein solch extrem klares Muster bestehen bleibt, obwohl es allseits erkennbar ist und auch erkannt wurde, dann erlaubt dies zwingend zwei Folgerungen:
1. Es gibt eine Macht zwischen AM- und PM-Fixing, die ihren Willen zur Preisdrückung mit aller Macht und buchstäblich ohne Rücksicht auf die vorherrschende Markttendenz oder auf erforderliche Geldmittel und unter Inkaufnahme hoher Verluste durchsetzt! Konsequent, dauerhaft und ganz klar im Sinne eines "not-for-profit"-Marktteilnehmers, was normalerweise in Regulierungskreisen ganz eindeutig als Manipulationsbeweis gewertet wird. Denn wer macht schon freiwillig dauerhaft Verluste - wenn nicht an anderer Stelle (illegale) Vorteile durch die Manipulation locken würden?"
Gegenposition: Es gibt eine Macht, die massiv kauft,und zwar überproportional zwischen PM-Fixing und AM-Fixing, Diese Macht ist (neben anderen, aber kleineren Langfristinvestoren) die BoC. Diese kauft (diese kaufen) seit 2001 aus langfristig-strategischen Überlegungen und hat (haben) damit einerseits den Gold- und Silberpreis hochgetrieben und andrerseits große Gewinne eingefahren.
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Kommentar Boehringer/Douglas:
"2. Diese Macht schlägt besonders auf Spekulanten und Daytrader ein, die das Muster erkannt haben und die es wagen, sich (long spekulierend) dagegen zu stellen."
Gegenposition: Kurzfristspekulanten und Daytrader haben das Muster erkannt und sich daran angepaßt. Insbes.riskieren sie kurzfristige Shorts zunehmend nur noch, während Asien schläft. Das verzerrt systematisch die tägliche Preiskurve und das wiederum deuten manche als systematische Manipulation im Londoner und New Yorker Handel. (welcher Typ empirischer Daten hier zur Klärung beitrüge, ist offensichtlich)
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Boehringer/Douglas' Beweis für Manipulation:
"Die weltweite Community der Trader würde schon nach wenigen Wochen ein solches wiederkehrendes Muster erkennen und dieses durch antizipierende Gegentrades und Arbitrage-Geschäfte bis zur Unkenntlichkeit auflösen!"
Kommentar: M.E. ein fundamentaler Irrtum. Der POS oder POG steigt gegenüber anderen Investments, wenn netto Geld aus anderen Investments in Au und Ag umgeschichtet wird. Der POG steigt schneller als der POS, wenn (relativ) mehr Geld in Au fließt als in Ag usw.. Dauerhafte Manipulation durch Shorts würde zwar wirken wie Nettoverkäufe, die Shorts müßten sich dann aber in ähnlicher Weise kumulieren wie umgekehrt die Bestände physischer Nettokäufer. Und solches Material fehlt leider! Es gab hier schon mehrmals Debatten zu veröffentlichten COT- und ähnlichen Daten, aber ein klares Bild habe ich mir daraus nicht machen können.
Die rein profitorientierte Spekulation und ganz besonders die kurzfristige ist dagegen im wesentlichen ein Nullsummenspiel, da die Summe ihrer Trades ein Vielfaches ihrer Nettoeffekte (des eingesetzten Kapitals) ist. Damit kann sie eventuell einen Trend glätten, aber nur wenig beeinflussen, wenn es nennenswerte Netto(ver)käufe gibt. Selbst die Glättungshypothese ist fragwürdig, denn sie setzt voraus, daß die Marktpreise (und die Handlungen der Marktteilnehmer) rein zufällige Schwankungen um einen Gleichgewichtswert ausführen. Und das kann man schon seit längerem als empirisch widerlegt ansehen. S. dazu 'fat tails' bei wikipedia oder google (schon über 80000 Einträge). Es ist deswegen keineswegs ausgeschlossen, daß Ausschläge sogar verstärkt werden, An solchen Stellen wird es extrem wichtig zu prüfen, ob lineare Näherungen wirklich gerechtfertigt sind. Diese produzieren nämlich u.U. nicht nur quantitative 'Fehler', sondern ein qualitativ anderes Verhalten als ein vollständigerer Ansatz. Insbes. die Gleichgewichtsvorstellungen der etablierten Ökonomie sind ein auf solche Weise entstandener Humbug.
Gruß
Klaus_H.