Beiträge von Klaus_H.


    läuft das in etwa so ab:?


    - die bank gibt ihre wertlosen anleihen an die fed ab zum vollen nennwert und diese einlagen werden verzinst?
    - weiter leihen die banken sich geld bei der fed gegen hinterlegung von treasuries zu unglaublich niedrigen Zinsen und verleihen das neue Geld an den US-Staat für 2%punkte mehr?


    insgesamt bekommen die banken also geld geschenkt


    Exakt. Und zwar in Höhe der Zinsdifferenz.


    In einer idealen Wirtschaft nach Wirtschaftslehrbuch


    a) würde jedes Jahr mehr produziert und in entsprechendem Umfang neues Kapital gebildet, und zwar in realen physischen Gütern (lassen wir mal dahingestellt, ob es sich nur um eine rein quantitative Zunahme wie in den meisten Modellen handelt oder ob auch schwer quantifizierbare qualitative Verbesserungen mitspielen)


    b) würde das Wachstum der Geldmenge incl. aller Sorten von 'Wert'papieren etwa im Gleichtakt mit einem Wachstum der Privat-Vermögenswerte, der Löhne und aller anderen Einkommensformen verlaufen und damit das Wachsen der realen Vermögensmasse nach a) einigermaßen gleichmäßig ('sozialverträglich') über alle Teile der Gesellschaft verteilt.


    Real aber
    a) wird die Existenz von realem Wachstum immer zweifelhafter
    b) steht das Bankeinkommen(swachstum) in keiner Relation mehr zum realen (Nicht)Wachstum und zur Einkommensentwicklung anderswo


    Unter dem Strich steigt der Anteil der Finanzbranche am realen Gesamtvermögen und weil dieses reale Gesamtvermögen nicht (kaum noch) mitsteigt, werden andere ärmer. Und weil diese Umverteilung dadurch geschieht, daß insgesamt mehr Geld in Umlauf kommt, steigen tendenziell die Preise, aber nicht gleichmäßig. Weil nämlich (ganz wesentlich für den Effekt der Umverteilung) das Geld vorwiegend an einer bestimmten Stelle zugeteilt wird, steigen zuerst und insbes. die Preise derjenigen Güter, welche diese Stelle (die Finanzbranche) bevorzugt kauft: Firmen und Vermögensanlagen aller Art (die Phase der Firmenkäufe alias Übernahmeschlachten scheint inzwischen vorbei zu sein).


    Ein bißchen wollen auch wir uns davon abschneiden. Ich sehe meine Goldbestände aber trotzdem eher als Versuch persönlicher Schadensbegrenzung im Fall eines größeren Knalls und weniger als Chance, nachher groß rauszukommen. Eine auf Deflation setzende (d.h. auf Papiergeld beruhende) Strategie halte ich für unsinnig, weil das Geldwesen nichts 'objektives' ist, sondern im wesentlichen ein Machtmechanismus, den diejenigen an den Schalthebeln nicht freiwillig aus der Hand geben werden. Lieber werden sie es auf den totalen Kollaps ankommen lassen, und in diesem Fall sind alle Rettungsbootstrategien so obsolet wie ein Badebötchen in der 10m-Tsunami.


    Gruß
    Klaus_H.


    Dat schöne an diesem Faden ist hingegen: "Jeder hat Recht"!
    Muss ja auch, Ifla/Defla ist ein Kreislauf, in dem ein jeder früher oder später sagen kann: "Ich habs ja immer schon gesagt"!
    Die Kür Kunst ist es allerdings festzustellen, an welcher Position man sich in diesem Kreislauf befindet. [smilie_denk]
    Nachtrag: Wird das Geld mehr wert...oder weniger?


    Ehrlich gesagt: mir ist das völlig egal. Ich frage mich stattdessen: wird mein Einkommen (mein Besitz) mehr wert...oder weniger. Gemessen in Dingen, die man real braucht (brauchen kann).


    Wenn nämlich alle Preise und damit alle Kosten, Erlöse und Einkommen (einschließlich Löhne) um einen Faktor 100 raufgehen, dann ist das dasselbe, als wenn man einen Wechsel vom Meter zum Zentimeter vornähme: realer Effekt null. Interessant wird es, wenn bestimmte Preise stärker (schwächer) rauf (oder runter) gehen als andere. Dann gibt es real Profitierer und Profitierte dieses Wechsels. Und derselbe Effekt läßt sich sowohl innerhalb einer Inflation wie einer Deflation hinkriegen. In der Meter/Zentimeter-Analogie: manche Gebäude wachsen (schrumpfen) im Vergleich zu anderen, während die Bewohner eine Größenveränderung durchlaufen, die irgendwo in der Mitte liegt. Ob dieser Mitteleffekt positiv oder negativ ist, spielt keine Rolle.


    Gruß
    Klaus_H..

    Die Hunt-Beule hat euphorischen Lemmingen Verluste von 90 % beschert.

    Seit Sommer 2009 es aber so, daß mehr oder weniger im Gleichschritt alle Edelmetalle (und die Aktien!) raufgehen, weil Politik und Notenbanken konzertiert an der Ruinierung der Währungen arbeiten. Sollte sich ähnliches abspielen wie die Hunt-Blase oder der Pd-Squeeze aus 2000, dann würde ich zwar aus dem betreffenden EM weitgehend rausgehen - aber zugunsten anderer EM, denn ich sehe (noch) nicht die unterbewerteten und crashresistenten Alternativ-Assets.


    Zitat

    Ich habe mit meinen Käufen von physischem Silber vor 5 Jahren angefangen und in den letzten 3 Monaten nichts mehr gekauft und werde über Kursen von 25 $ auch nichts mehr kaufen. Mir ist zuviel Euphorie im Markt und Silber ist nun mal extrem volatil, nach beiden Richtungen.

    Und ich hatte im Pd-Thread schon vor über einem Jahr (bei Preisen unter 500$) Skrupel, Neulingen den Einstieg zu empfehlen. Und wann kam die fällige Korrektur?


    Gruß
    Klaus_H.

    warum assoziierst Du Kleinanleger automatisch mit `zittrigen Händen`?


    Ich selbst bin schon seit etlichen Jahren in AG investiert...und Andere hier auch, die sicher zu den sog. `Kleinanlegern`gehören, und da ist gar nix mit `zittrig`...!


    Sehe ich auch so. Das Kriterium für eine 'zittrige Hand' ist, ob sie hirn- und strategielos in einer Mode- oder Panik-Stampede mitläuft. Und davon sind wir noch weit entfernt, jedenfalls weltweit.


    Denn die jetzige Krise ist eine weltweite und die (zuerst Kauf-) Panik muß erstmal weltweit werden. Wenn dann parallel dazu anderes auch noch panikartig abverkauft wird, sollte man anfangen, seine Unzen auf entbehrliche zu überprüfen.


    Gruß
    Klaus_H.


    Der kritische Punkt ist dort, wo der reale Gegenwert (in Gütern und Dienstleistungen) der exponentiell mitsteigenden Gewinnansprüche (Zinsen) nicht mehr erarbeitet werden kann. Ab diesem Punkt muß zwangsläufig entweder auf Gewinn in Geld verzichtet werden (das nennt man ordinär 'Pleite') oder die Kaufkraft von Geld muß sinken. Das geschieht natürlich nicht gleichmäßig, wie das schöne Wort 'die Inflation' suggeriert, sondern chaotisch in einem großen Hauen und Stechen aller gegen alle, weil jeder glaubt, daß er sich selber doch noch irgendwie retten kann.


    Wollen wir hoffen, daß die letzten Versuche zur Produktion von 'Werthaltigem' oder zum 'Werterhalt' nicht in Richtung Kernwaffen gehen.


    Zitat

    Noch ein, allerallerhöchstens zwei Jahre, dann wird dem Treiben automatisch ein Ende gesetzt werden und zwar in einer gigantischen Katastrophe wie sie bisher in der Finanzwelt noch nie dagewesen ist. Wie das dann ablaufen wird, da lass ich mich mal überraschen.

    Streiche 'Finanz' aus dem Wort 'Finanzwelt'.


    Ich glaube allerdings nicht an ein solches Tempo. Wir haben jetzt die erste globale Finanzkrise, seit der Wahn in den 70/80ern begann, und es wäre ungewöhnlich, wenn ein etabliertes System schon in der ersten Krise total crasht. Für uns erscheint die jetzige Krise nur deshalb so dramatisch, weil sie zum erstenmal in die Zentren des etablierten Weltsystems (USA, Europa) vorrückt, wo wir selber sitzen. In Südamerika, Rußland und den Ex-Kolonialländern ist man da (noch, schon?) ganz anderes gewohnt.


    Gruß
    Klaus_H.

    ...also könnte meine Angst irgendwo ins Fettnäppchen zu treten berechtigt sein.


    Ich habe vor Jahren auf einige User hier gehört, die Anonyme Käufe empfohlen. Jetzt habe ich keine Quittungen für 5 Barren da ich auf den Kontoauszügen xyz vermerkte.


    Dann geb ich dir noch einen Tip: weil die Spekulationsfrist ein Jahr ist, kann das Finanzamt bei einer Schätzung nur den Kursverlauf des letzten Jahres heranziehen.


    Falls der Höchstkurs während des Jahres vor dem Verkauf maximal 10% über dem Verkaufspreis lag, dann kann man dir also maximal 10% des Verkaufspreises als Einkommen anrechnen. Ganz auf der sicheren Seite bist du, wenn du an einem Tag verkaufst, an dem der POS ein 1-Jahres-Tief erreicht. Und sollte die Spekulationsfrist auf 5 Jahre angehoben werden, dann mußt du einfach nur ein 5-Jahres-Tief abwarten.


    Sag mir bitte Beschied, wenn es so weit ist.


    Gruß
    Klaus_H.


    Könnte es nicht sein, dass die Erhöhung der Frequenz es ist, die das "System" zwingend braucht


    Ich frage mich, ob es diese Erhöhung überhaupt gibt.


    Man könnte sie ganz einfach demonstrieren: genügend hoch aufgelöste Daten (es sollte sie im Minuten- oder noch kürzerem Rhythmus geben) über eine Zeitachse auftragen, die exponentiell (Umkehrfunktion des Logaritnmus) zunehmend gedehnt ist Wenn man dann Schwingungen sieht, deren Hochs und Tiefs in dieser Auftragung um eine etwa konstante Strecke auseinanderliegen (und wenn dasselbe im Zeitraum 2001-2005 nicht funktioniert!), dann würde ich die These der Autoren für begründet halten. Vorher würde ich gar nicht anfangen zu rechnen.


    Zitat

    Generell möchte ich noch meine Meinung zur heutigen "Hure" Wissenschaft sagen, dass mir in den technischen Bereichen auffällt, dass es einen ganz klaren Trend hin zum "Türken" von Ergebnissen gibt, wenn sie die vorher aufgestellten Modellannahmen nicht treffen.
    Eine Plausibilätsabfrage wird gar nicht mehr gemacht, die Messmethode nicht mehr infrage gestellt und bewertet, das Ergebnis nur noch zur schnellsten kommerziellen Nutzung "gepushed". Für mich inzwischen nur noch ekelhaft.


    Zweckgutachten sind eine moderne (und lukrative!) Form von Korruption. Die forschende Pharmaindustrie erforscht das gerade genauer. Aber hier geht es wohl nur um Profilierungssucht. Wer am lautesten auf die Pauke haut und auch noch Glück damit hat, kriegt den nächsten freien Lehrstuhl.


    Gruß
    Klaus_H.

    Im Juni endet das QE 2-Programm der Fed.


    Kann es nicht sein, dass die Autoren die reichlich simple Logik haben, dass es im Vorfeld des Auslaufen dieses Programmes stärkere Schwankungen beim Goldpreis gibt (Gibt es im Anschluss ein QE3 oder gar eine restriktivere Geldpolitik?) und sie diese Logik pseudowissenschaftlich fundieren wollten?


    Ich muß nochmal zurückkommen auf das Erstposting von Deneas. Was in der Formel explosiv anwächst ist nicht die Amplitude der Schwingung (die Größe des Ausschlags), sondern die Frequenz (das Tempo). Die Frage ist, ob dieser aus der Formel herausgelesene Effekt wirklich einen realen Hintergrund hat. In der Formel sind 6 Parameter, die an die empirische Preiskurve angepaßt werden, sowie ein mathematischer Unfug (der Logarithmus einer Zeit), der an mindestens drei Stellen sehr unübersichtliche Effekte bewirkt, die diejenigen der anderen 6 Anpassungsparameter verstärken oder abschwächen. Mit 6 bis 9 Parametern kann man so gut wie alles anpassen. Zum Vergleich: die spezielle Relativitätstheorie kommt mit einem einzigen Parameter aus, nämlich der Lichtgeschwindigkeit. Hat man die einmal bestimmt, gibts für alles eindeutige Ergebnisse, die man dann als entweder eindeutig falsch oder als richtig einordnen kann. Genau eine solche Beschränkung der Rechenoptionen erzeugt Nobelpreiswürdigkeit, nicht ihr Ausufern..


    Die Schwingung (Volatilität) wird beschrieben durch einen Term cos(w ln(t-tc)), während die übliche Form cos(wt) oder auch cos(w(t-tc)) lautet. In dieser üblichen Form läuft eine Schwingung ab, wenn der Ausdruck wt bzw. w(t-tc) ein Intervall der Länge 2Pi durchläuft, d.h. 2Pi/w ist die Schwingungsdauer. Ob man t und 1/w dabei in Sekunden oder Jahrmillionen angibt, ist egal, wie es sein sollte. Die Autoren verwenden jedoch anstelle der Zeit t eine Funktion der Zeit, die langsamer variiert als diese, nämlich den Logarithmus, und der außerdem dimensionslos ist, womit es auch 1/w werden muß. Im Grund kann man schon damit keinen Zeiteffekt mehr sinnvoll darstellen. Nehmen wir jetzt an, die echte Schwingungdauer bleibe unverändert, dank der vielen Parameter könne man aber halbwegs erfolgreich auch mit einem Logarithmus ln(t-tc) anstelle t (oder t-tc) die Kurve (im Sinne von Zahlenhaufen) reproduzieren. Dann würde in der Formel eine Schwingung ablaufen, wenn der Logarithmus einen Zahlenbereich der Länge 2Pi/w durchläuft, und das entspricht mit fallendem t-tc (und ln(t-tc) )einem kontinuierlich schrumpfenden Zeitintervall. Es würde quasi in der Formel die Zeit zunehmend schneller laufen als in der Realität. Vertuscht würde das durch die vielen anderen Anpassungsparameter, zumindest in einem beschränkten Zeitraum, aber interpretiert würde es als Beschleunigung der Schwingung.


    Ich kann jetzt nicht nachrechnen, was man alles mit der Formel anstellen kann. Weil sich die.Beschleunigung mit Annäherung von t an tc (t-tc an null) ins Unendliche steigert und der konkrete Zahlenwert von t-tc unmgekehrt proportional zur (nichtgewählten!) Einheit ist, hat das auch gar keinen Sinn, solange das Argument des Logarithmus dimensionsbehaftet und der Log selber damit von der Einheitenwahl abhängig bleibt, während im Gegenzug die Schwingungsdauer 2Pi/w zur reinen Zahl ohne Zeitdimension gemacht(!) wird. Aber die von den Autoren erwähnte Tatsache, daß mehrere Anpassungsparameter empfindlich davon abhängen, welchen realen Zeitpunkt man als Startzeitpunkt der Anpassung wählt, spricht stark dafür, daß die Formel zumindest nichts über das Stadium aussagen kann, in dem sich ein Zyklus befindet. Oben wurde schon zu Recht darauf hingeweisen, daß man ähnliche Phänomene vor Erdbeben gefunden hat, daß die Vorhersage weiterer Erdbeben damit aber nicht klappte.


    Daß irgendein Phänomen mit irgendeiner Formel reproduziert werden kann, heißt eben nicht, daß diese Formel irgendeine allgemeingültige (alternativlose) Wahrheit enthalten muß. Die Übereinstimmung kann auch Zufall sein. Oder die Formel so allgemein, daß alles reinpaßt, was es im Universum gibt.


    Gruß
    Klaus_H.


    Es wird recht oft, auch hier im Forum, von der derzeit angeblich hohen Gold-Volatilitaet geschrieben. Im Anhang die Volatilitaet von XAU/USD von 1968 bis heute. (Details: London PM Fix, berechnet taeglich auf Grundlage der jeweils letzten 21 Handelstage, Daten ex http://www.lbma.org.uk). Derzeitiger Wert 14%, Median seit 1968 ebenfalls 14%. Wert am 21.01.1980 (Hoehepunkt der 70er PM-Hausse) war 88%.


    Falls Volatilitaet als Indikator fuer Blasen eine gewisse Aussagekraft hat (und dafuer spricht in der Tat einiges), dann ist daran derzeit weit und breit keine Gold-Blase zu erkennen.


    Man sollte hinzufügen, daß die Schwankungen hier sinnvollerweise auf den aktuellen Preis bezogen sind (korrekterweise ist zu ergänzen, daß auch in den Rechnungen der diesem Thread zugrundeliegenden Studie so vorgegangen wird). Das Zeichnen nichtlogarithmischer Charts aber umgeht diese Reduktion, so daß dort 14% von 1400 als +/-200 erscheinen und damit viel beeindruckender als 14% von 300 - oder +/-42.


    Lustig ist aber folgende Methodik in der Studie:

    Zitat von Studie aus dem Erstposting


    The first step was to describe the hyperbolic trend. It should be noted that the trend equation is
    highly dependent on the starting point of the hyperbolic growth (though log-periodic deviation
    from the trend is much less dependent on the starting point). Also, as in Sornette's method, the
    selection of the starting point was made by eye, referring to the analyzed curve.


    Ich übersetze das mal frei und schiebe den Klammersatz dabei ans Ende. Dann lautet diese Beschreibung streng mathematischer Methodik:


    'Im ersten Schritt war der hyperbolische Trend festzulegen und dabei zu beachten, daß die dafür ermittelte Formel empfindlich vom gewählten Startpunkt abhängt. Also haben wir uns diesen Startpunkt - der etablierten Methode von Sornette folgend - nach Gefühl so ausgesucht, daß das Ergebnis möglichst gut zur gewünschten Kurvenanalyse paßt. Die log-periodische Abweichung vom Trend [alias Kurzfristfluktuation oder Volatilität; K.H.] hängt allerdings sehr viel weniger vom gewählten Startpunkt ab.'


    Das ist dieselbe Aussage wie oben: die Volatilität gibt derzeit auch in dieser Rechnung keinen Hinweis, daß die Goldpreisentwicklung irgendeinem besonderen Stadium zustrebt. Ich formuliere deshalb noch einen Satz, der im letzten Zitat an dieser Stelle direkt hätte folgen müssen, der leider dort aber fehlt.


    ['After achieving this result we should have realized, that it conctradicts our basic assumption that volatility as determined by our method contains information about the stage of the gold price cycle' ('an dieser Stelle hätten wir uns klarmachen müssen, daß dieses Ergebnis im Widerspruch zu unserer Grundannahme steht, die nach unserer Formel bestimmte Volatilität enthalte eine Aussage über das Stadium, in dem sich der Basistrend des Goldpreises gerade befindet']


    Gruß
    Klaus_H.


    Es wird recht oft, auch hier im Forum, von der derzeit angeblich hohen Gold-Volatilitaet geschrieben. Im Anhang die Volatilitaet von XAU/USD von 1968 bis heute. (Details: London PM Fix, berechnet taeglich auf Grundlage der jeweils letzten 21 Handelstage, Daten ex http://www.lbma.org.uk). Derzeitiger Wert 14%, Median seit 1968 ebenfalls 14%. Wert am 21.01.1980 (Hoehepunkt der 70er PM-Hausse) war 88%.


    Falls Volatilitaet als Indikator fuer Blasen eine gewisse Aussagekraft hat (und dafuer spricht in der Tat einiges), dann ist daran derzeit weit und breit keine Gold-Blase zu erkennen.


    Man sollte hinzufügen, daß die Schwankungen hier sinnvollerweise auf den aktuellen Preis bezogen sind (korrekterweise ist zu ergänzen, daß auch in den Rechnungen der diesem Thread zugrundeliegenden Studie so vorgegangen wird). Das Zeichnen nichtlogarithmischer Charts aber umgeht diese Reduktion, so daß dort 14% von 1400 als +/-200 erscheinen und damit viel beeindruckender als 14% von 300 - oder +/-42.


    Lustig ist aber folgende Methodik in der Studie:

    Zitat von Studie aus dem Erstposting


    The first step was to describe the hyperbolic trend. It should be noted that the trend equation is
    highly dependent on the starting point of the hyperbolic growth (though log-periodic deviation
    from the trend is much less dependent on the starting point). Also, as in Sornette's method, the
    selection of the starting point was made by eye, referring to the analyzed curve.


    Ich übersetze das mal frei und schiebe den Klammersatz dabei ans Ende. Dann lautet diese Beschreibung streng mathematischer Methodik:


    'Im ersten Schritt war der hyperbolische Trend festzulegen und dabei zu beachten, daß die dafür ermittelte Formel empfindlich vom gewählten Startpunkt abhängt. Also haben wir uns diesen Startpunkt - der etablierten Methode von Sornette folgend - nach Gefühl so ausgesucht, daß das Ergebnis möglichst gut zur gewünschten Kurvenanalyse paßt. Die log-periodische Abweichung vom Trend [alias Kurzfristfluktuation oder Volatilität; K.H.] hängt allerdings sehr viel weniger vom gewählten Startpunkt ab.'


    Das ist dieselbe Aussage wie oben: die Volatilität gibt derzeit auch in dieser Rechnung keinen Hinweis, daß die Goldpreisentwicklung irgendeinem besonderen Stadium zustrebt. Ich formuliere deshalb noch einen Satz, der im letzten Zitat an dieser Stelle direkt hätte folgen müssen, der leider dort aber fehlt.


    ['After achieving this result we should have realized, that it conctradicts our basic assumption that volatility as determined by our method contains information about the stage of the gold price cycle' ('an dieser Stelle hätten wir uns klarmachen müssen, daß dieses Ergebnis im Widerspruch zu unserer Grundannahme steht, die nach unserer Formel bestimmte Volatilität enthalte eine Aussage über das Stadium, in dem sich der Basistrend des Goldpreises gerade befindet']


    Gruß
    Klaus_H.

    Auf der Website escholarship.org wurde eine Studie eines russischen Autors veröffentlicht, die anhand eines mathematischen Musters zu erkennen meint, dass Gold in einer Bubble ist und das Platzen der Bubble im April-Juni 2011 erfolgen wird. Diese Studie wurde ich im Forum schon kontrovers diskutiert.
    Die Studie enthält Inhaltsverweise auf gängige Fachliteratur , Grafiken und diverse Formeln: damit ist sie also kein Schnellschuss, sondern eine fundiertes Paket, mit dem man sich auseinander setzen sollte.
    http://www.escholarship.org/uc/item/7qk9z9kz#page-1


    Das interessanteste (eigentlich das einzig Interessante) ist für mich, daß der als Beispiel hervorgehobene Ölpreis im letzten Wirtschaftsboomjahr 2007 sein inflationsbereinigtes Allzeithoch aus 1980 überschritt, während sich der Goldpreis derzeit diesem Punkt nähert. Sinn und Korrektheit einer Inflationskorrektur hin oder her - jedenfalls ergibt sich das aus den Grafiken in der Studie mit derjenigen Inflationskorrektur, welche die Autoren anwenden. Es wäre interessant zu prüfen, ob sich die von den Autoren beschriebene Tendenz zu einer Explosion der Volatilität auch bei anderen Assets ausbildet(e), wenn der Hochpunkt (oder andere markante Phasen) einer früheren Blase passiert werden. Ob eine solche Phase also gewissermaßen noch Jahre später Wellen wirft. In den Kitco-Charts (ohne Inflationsbereinigung) sehe ich da durchaus Anzeichen bei Silber, Pd und Platin (sofern man das Pt-Vorkrisenhoch als 'annähernde Blase' einstufen will).


    Die Autoren zerlegen im wesentlichen den beobachteten Kursverlauf in Trend+Volatilität.Sowas kann man rechnerisch immer machen, ein bekanntes Beispiel ist Geburtenrate=Storchpopulation+ Irgendwas. In der Studie zeigt sich, daß der Kursverlauf sich zusammensetzen läßt aus einem glatten Trend und einer Volatilität, die in der Spätphase beim Öl explodierte und jetzt beim Gold dahin tendiert. Einen inhaltlichen Sinn bekommt eine solche Prozedur aber erst, wenn man einen kausalen Mechanismus vermutet und angibt, wie das eine vom anderen oder beides von einem (vielen) dritten Faktor(en) abhängen soll. Also: welches Element verursacht in den lt. Studie in der Literatur schon bekannten und diskutierten Beispielen die Explosion der Volatilität? Oder ist letzteres ein Artifakt der Rechenprozedur? Oder zumindest der behauptete Zusammenhang mit einem 'Endzeitpunkt', aus dem als Zeitpunkt für das Platzen einer Goldpreisblase der kommende Sommer abgeschätzt wird?


    Einer Antwort auf diese Frage käme man näher, wenn man ein pseudomathematisches Element entfernen könnte, nämlich aus dem Ausdruck für Volatilität den Logarithmus ln(tc-t) wobei t die Variable Zeit ist und tc ein kritischer (End-)Zeitpunkt, kurz vor dem es zum Kollaps kommt. Da der Logarithmus von a mal b dasselbe ist wie der Logarithmus von a plus dem Logarithmus von b, darf man jedoch in einen Logarithmus keine Argumente einsetzen, die mit einer Einheit oder 'Dimension' (hier: Zeit) behaftet sind. Denn dann läßt dieser Logarithmus sich schon durch die Wahl der Einheit beliebig manipulieren. Gibt man beispielsweise die Zeit in Stunden statt Tagen an, vergrößern sich alle Zahlen für Zeiten (auch für t-tc) um den Faktor 24 und zu allen daraus gezogenen Logarithmen addiert(!) sich demzufolge die Zahl ln(24)=3.2 (was beim Übergang von 'Jahr' auf 'Minute' passiert, bitte selber ausrechnen). Das wirft sämtliche Rechenergebnisse quantitativ um und viele auch qualitativ. Umgekehrt kann man durch Wahl der einen Einheit Rechenergebnisse produzieren, die bei Wahl anderer Einheiten nicht auftreten oder sich gar ins Gegenteil verkehren. Ganz ähnliches gilt für den Ausdruck '(tc-t) hoch alpha' im Ausdruck für den Trend; dort produziert der Übergang von Tagen zu Stunden einen Faktor(!) von '24 hoch alpha' oder 2.33 in der in der Goldpreisrechnung (mit alpha=0.267), in der Ölpreisrechnung aber einen Faktor 18.3 (mit alpha=0.915).


    Was man hier tun müßte: die Ausdrücke tc-t ersetzen durch (tc-t)/T, wobei T irgendein charakteristischer Zeitraum ist, der in derselben Einheit angegeben wird wie t und tc. Der Bruch und damit der aus ihm gezogene Logarithmus werden so einheitenunabhängiog. Kriegt man dann in überzeugender Weise für einen bestimmten gewählten Zeitraum T dieselbe Zerlegung hin und für andere Zeiträume nicht, dann hat T vermutlich eine Bedeutung, der man nachgehen sollte. Noch mehr Grund zum Nachgehen gäbe es, wenn man für verschiedene Assets dasselbe T bekäme oder dieselbe Abhängigkeit von irgendwas, z.B. vom Zeitabstand zum letzten Hoch/Tief/Trendwechsel/Blase. Da die Autoren sowohl beim Öl als auch beim Gold t und tc in der Einheit 'Jahr' angeben können, lässt sich aus ihrer erfolgreichen Reproduktion vergangener Preiskurven gerade noch schließen, daß in diesen(!) zwei verschiedenen entwickelten (oder runaway?)-Bullenmärkten zunehmende Volatilität auf der Zeitskala von Jahresbruchteilen (Monaten) auftrat/auftritt. Wer hätte das gedacht?


    Mehr kann man leider nicht mehr zuverlässig schließen. Schon Zeitpunkte für Maxima und Minima lassen sich nicht mehr bestimmen, denn der Schwingungsfaktor hat die Form cos(w ln(tc-t)+Festezahl), und die Festezahl hängt über ln(1/T) ebenso von der Einheitenwahl ab wie die Frequenz w, deren Kehrwert 1/w die Schwingungsdauer darstellt (bis auf einen festen Faktor). Damit verändert jede Einheitenwahl (egal ob implizit oder explizit) sowohl die Frequenz als auch die Phasenlage der durch den cosinus beschriebenen Schwingung. Noch sinnloser wird die Rechnung, wenn man (wie die Autoren auf den letzten zwei Seiten) zwei kritische Zeitpunkte tc1 und tc2 für die Beschreibung von Trend und Volatilität verwendet, weil dadurch eine der Zahlen tc1-t oder tc2-1 beliebig geschrumpft werden kann, während der Einheitenfaktor ln(1/T) unverändert bleibt und dadurch dominant wird. Allerdings erhöht das die Chance, die Formel an die Vergangenheit anzupassen.


    Wer Wirtschaft studiert hat, wird sich vielleicht noch daran erinnern daß Funktionen wie 'x hoch alpha' (alpha<1) und ln(x) eine wichtige Rolle im Marginalismus spielen. Dort geht man genauso vor wie die Autoren in der Studie: man setzt als Argument x beliebige einheitenbehaftete Größen ein (Inputs in Geld oder physischen Einheiten, Produktivität in Geld oder physischen Einheiten, Arbeit in Stunden, Beschäftigten oder Lohn, 'Nutzen' in bisher unbekannten Einheiten...). Dann rechnet man irgendwas daraus aus. Auf diese Weise gelingt es fast immer, die Gegenwart durch eine Formel wiederzugeben und fortzuschreiben. Aber es gelingt fast nie, eine Zukunft annähernd richtig vorauszusagen.


    Gruß
    Klaus_H.

    Angenommen man besitzt e. Titel (GerichtsUrteil)
    ==> mit 30 Jahren GeltungsDaeuer (Verfallsfrist)
    ==> wo drauf steht: "Verzinsung mit 5 % ueber dem BasisZinsSatz" ...


    Was passiert damit bei Inflation ? Ist zu erwarten, dass der ZinsSatz angeglichen wird ? Oder schuetzt den Schuldner die InflationsBeschoenigerei der statistischen Aemter u. Regierungen ?
    ==> Kann d. Schuldner gemuetich den Verfall des Geldwertes abwarten u. dann zum genehmen Zeitpunkt begleichen ?


    Ich würde mich wundern, wenn es sowas überhaupt gibt. Normalerweise wird ein Spruch bei Eintritt der Rechtskraft vollstreckbar. Der Schuldner muß dann kurzfristig zahlen oder kann zum Offenbarungseid gezwungen werden. Es bleibt das Risiko, daß die Forderung schon während des Prozesses durch galoppierende Inflation wertlos wird: Pech gehabt, wie andere Gläubiger. Intelligenterweise sollte man dann (sofern möglich) auf Herausgabe von $Sachleistung klagen statt auf Kompensation in Geld.


    Oder meinst du den Fall, daß dir ein Gericht bescheinigt, der Beklagte müsse 30 Jahre lang strittige Zinsen und dann ein Kapital zurückzahlen? Das wird er dann regelmäßig pünktlich tun müssen und dabei die Bestimmungen der Währungsreform für die Umstellung von Schuldverhältnissen beachten, sobald diese kommt. Du hast dann anderen Gläubigern den Titel voraus, aber genausowenig wie diese einen Inflationsschutz.


    Gruß
    Klaus_H.

    war es nicht mal so gedacht dass man unschuldig ist, so lange einem keine schuld nachgewiesen werden konnte?

    Bei einigen tausend EUR in Silber wird wahrscheinlich gar kein Strafverfahren eingeleitet, weil auch Finanzämter wissen, daß sie damit nicht durchkommen. Außerdem wollen sie ja in erster Linie Geld. Und da greift bei allem, was mit Ausland zu tun hat (also z.B. Silber an der Grenze) etwas, das 'erweiterte Mitwirkungspflicht' oder ähnlich heißt. Bringt man keinen Nachweis, wo das Vermögen her ist, kann es als Einkommen 'geschätzt' werden.


    Gruß
    Klaus_H..


    Ich verstehe das so, dass es innerhalb der EU keine Begrenzungen gibt, solange man die Herkunft des Bargeldes bzw. der Edelmetalle nachweisen kann. Was immer dafür nötig ist?


    Kaufquittung. Dann kommt als nächste Frage: HabenSie dort ein Konto? Nein? Wo haben Sie denn in D ein Konto und welches Finanzamt ist für Sie zuständig? Dieses prüft dann nach, ob du ein Einkommen versteuert hast, das deinen Metallbesitz erklären kann.

    Zitat

    Das heisst eigentlich, dass es keine unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze innerhalb der EU geben kann/sollte.

    Oder die Regelung mit Rückerstattung im Ausfuhrland und Nacherhebung von 'Einfuhrumsatzsteuer' im Einfuhrland. Ich würde mich da sehr genau erkundigen, denn man ist verpflichtet, bei einer Stichprobe an der Grenze die Frage nach 'Wertgegenständen von mehr als 10000EUR' korrekt zu beantworten. Tut man es nicht, gibts ein Verfahren wegen Geldwäsche(versuch) und ggf. Hinterziehung vion (Einfuhrumsatz-)Steuern.


    Zitat

    Ich selbst habe meine ersten Krügerrands von befreundeten Bankangestellten in der Salzburger Filiale der LBB gekauft und "schmuggeln lassen". (damals war es völlig ausgeschlossen, ad hoc zum Tages- oder gar Stundenkurs irgendetwas zu kaufen. Nicht mal Wertpapiere!)

    Zumindest bei Silber empfiehlt sich Salzburg als Quelle nicht, denn in Österreich ist die USt. darauf abenteuerlich hoch, ich meine etwa 20% auf alles.


    Gruß
    Klaus_H.


    Ich glaube nicht, dass es jemals eine Vereinfachung unseres Steuersystems gibt. Unseren Politikern kann doch nicht daran gelegen sein, dass der Michel merkt, dass sein Geld mehrfach versteuert wird. :wall:
    Ich habe mal von Plänen gelesen, alle Steuern abzuschaffen und einfach alle Abgaben vom Monatsentgeld abzuziehen. Da würde mancher staunen, wenn er nur 20 oder 30% "seines" Geldes bekäme.


    Noch mehr würde er staunen, wenn in das neue Steuersystem alle die Effekte eingebaut werden, die das derzeitige hinkriegt. Die wären dann offen sichtbar statt in allen möglichen Details versteckt. Mit Sozialabgaben und Verbrauchssteuern (MWSt., Mineralöl...) wäre selbst ein Einkommen auf Sozialhilfeniveau zu 50% und mehr belastet, ein gutverdienender Angestellter käme in die Gegend von 80%-90%, während bankrotte Banken Rückzahlungen nie gezahlter Steuern in Höhe ihrer Verluste plus ihres alternativlosen Gewinnanspruchs kriegen (man müßte das wohl als Rückzahlung nie gezahlter oder fiktiver Steuern deklarieren).


    Gruß
    Klaus_H.


    Der Zusammenhang zwischen POS und dem OI für Ag-Kontrakte wurde hier grafisch dargestellt und findet sich in meinem Beitrag 121 im COT-Analyse-Fred
    http://www.24hgold.com/english…butor=Adrian+Douglas&mk=1


    Das ist wirklich interessant und auch gut nachvollziehbar dargestellt. Daß der Preis immer stärker auf die bekannte(!!!) potentielle Nachfrage reagiert, spricht in der Tat für eine Klemme bei der Lieferung, Und daß es sogar so weit kommt, daß der Preis bei sinkender (bekannter!) potentieller Nachfrage steigt, kann man in der Tat nur noch so deuten, daß er ganz woanders gemacht wird als im Handel mit realem Silber.


    Nun gibts allerdings die Theorien, in überhitzten Phasen würden die Preise ohnehin vorwiegend spekulativ entstehen, sich deshalb weit von allen denkbaren Gleichgewichtspunkten entfernen und damit auch von allen sonst üblichen Verhaltensmustern (das thermodynamische Gegenstück nennt man 'Explosion'). Deswegen ist m.E.noch eine Lücke zu schließen:

    Zitat von Adrian Douglas in 24hgold.com

    ...cross plot of Comex silver futures open interest against the silver price since 2001. By looking at the data in this way the time element is removed and the relationship between open interest and price is revealed.


    Weil seit 2001 ein nur einmal ernsthaft angeschlagener Bullenmarkt läuft, kann man die Preisachse (waagrecht) doch häufig verwenden, um Phänomene oder Punkte einem Zeitraum zuzuordnen. Die fallende Ellipse in der Abb.1 beispielsweise kann schon anhand der Silberpreise nur aus Daten der letzten Monate bestehen. Das wirft für den Empiriker die Frage auf, ob es ähnliche Phänomene am Ende anderer langlaufender Bullenmärkte gab. Infrage kämen z.B.Aktien von 1988 bis zur dotcom-Blase oder die Zeit danach bis 2008. Oder vielleicht auch die Ölruns. Wenn man ähnliches dort nicht findet, dann steigt der Erklärungsbedarf bei Silber nochmals erheblich.


    Gruß
    Klaus_H.


    ... erklärt nicht, warum es überhaupt so stark überproportional viel mehr Londoner Verlusttage (intraday) als Gewinntage gibt.


    Findet sich die relative Anzahl Verlusttage im vollständigen SI-Artikel? Das wäre in der Tat ein Argument. Ich habe bisher allerdings nur den Goldseiten-Beitrag und aus dessen Abb.2 kann ich eine solche Information nicht herauslesen. Daraus ergibt sich nur, daß das Muster 'tagsüber in London runter und nachts rauf' innerhalb der Auflösung der Grafik nie längere Zeit durchbrochen wurde. Diese Auflösung ist allerdings nur im Bereich 10$-20$, was selbst bei einem zeitlich streng linearen Preisanstieg mehreren Wochen entspräche, so daß man über kürzere Zeiträume gar nichts sagen kann. Dazu müßte Tag für Tag die Preisdifferenz PM-AM gegen die Preisdifferenz AM-PM als Punkt aufgetragen werden (oder vergleichbares), und dann würde man sehen, wie sich die Verlust/Gewinntage zueinander verhalten und ob die Größe der Londoner Verluste auf Tagesbasis positiv mit der Größe der Asien-Gewinne auf Tagesbasis korrelieren. Oder ob es vielleicht so ist, daß schwache Asientage vorzugsweise vor/nach besonders schwachen London-Tagen lagen und Asien-Raketen vorwiegend dann abgingen, wenn auch London mal zulegte. Interessant wäre weiter, was vor- und was nachläuft (wenn es irgendeinen Zusammenhang gibt).


    Zitat

    ...ein Muster müsste ganz regelmäßig schnell erkannt und aufgelöst werden. Man kann doch nicht einfach opportunitätskäufer unterstellen. Da würden sich superschnell ganz viele Player anhängen und dann würde das Spiel nicht mehr funktionieren, jedenfalls keine 10 Jahre! Der perfekte Markt lässt solche Muster auf dauer nicht zu.

    Das ist die Kernfrage: Was ist 'der Markt' und wann ist er 'perfekt'? Warum kann es sein, daß 'der Markt' 10 Jahre lang aufwärts läuft ohne daß dieses(!) Muster aufgelöst wird. Wo ist der richtige (wahre, optimale...) Wert von Gold, zu dem es hinstrebt, und warum ist dieser nicht längst schon verwirklicht? Weil die BoC manipuliert, indem sie 'zu wenig' kauft?


    Ich wollte im wesentlichen demonstrieren, wie leicht es ist, ein- und denselben Sachverhalt spiegelbildlich zu deuten. So wie es in (fast) jedem Handel Käufer und Verkäufer tun, denn beide glauben im Regelfall, auf der richtigen Seite zu sein. Die 'BoC' dient dabei nur als konkretes Gegenstück zu 'JPM'. Natürlich kaufen (und verkaufen) auch andere.


    Gruß
    Klaus_H.


    [zum Thema: statistischer Nachweis für POS- und POG-Manipulation]: Jedenfalls empfehle ich dringend erst Lektüre, dann Kommentar.
    => Andeutung, weil ich den Artikel nunmal nicht online stellen kann (wir arbeiten daran): es handelt sich um zwei zeitlich nacheinander gültige Korrelationsgleichungen (einmal 2001-2008, einmal 2008-2010) mit jeweils nur zwei Variablen (x = Goldpreis; y = Silberpreis). Völlig trivial - ist sogar ohne Mathematikvorlesung verständlich.


    Da wir nun zumindest einen Teil des Materials haben (dank Peter Boehringer und Adrian Douglas):
    http://www.goldseiten.de/conte…php?storyid=15365&seite=0
    läßt sich das interessante Thema weiterspinnen.


    =========================
    Befund a) Die tagsüber zwischen den Londoner Fixings kumulierte Goldpreisentwicklung 2001-2009 liegt nicht nur unter dem Preisanstieg dieser Periode, sondern ist sogar negativ. Die über die London-Nacht (also während des Asienhandels) kumulierte Goldpreisentwicklung liegt dagegen über dem Preisanstieg.


    Schlußfolgerung Boehringer/Douglas: "Es ist damit bewiesen, dass "jemand" seit 2001 konsequent und konsistent und sogar über kurze Zeiträume proportional an fast jedem asiatischen overnight-Gewinntag diesen Gewinn sehr schnell am Folgetag oder kurz danach im europäischen und amerikanischen Handel wieder abverkauft hat!"


    Gegenposition: 'Es ist damit bewiesen, dass "jemand" seit 2001 konsequent und konsistent und sogar über kurze Zeiträume proportional nach fast jedem Londoner Verlusttag sehr schnell die Gelegenheit genutzt hat, um zu relativ günstigen Preisen massiv zu kaufen. Die Reaktion erfolgte im Mittel schon innerhalb weniger Stunden und wird dadurch bei einer Kumulierung des Asienhandels als zusätzlicher Preisanstieg sichtbar.'


    =========================
    Befund b) Es gibt zwei annähernd parallele Ausgleichsgeraden für die Korrelation POS(POG) für die Perioden 2001-Aug2008 und Sept.2008-Sept2010. Beide sind deutlich gegeneinander verschoben, aber fast parallel Anschaulich: das Verhältnis POS/POG machte im Herbst 2008 einen Sprung nach unten, der deutlich größer war als seine Schwankungen innerhalb der zwei Zeiträume.


    Beschreibung und Schlußfolgerung BoehringerDouglas: "Der Kollaps war dabei bei Silber stärker als bei Gold. Man kann mit gewissem Recht vermuten, dass speziell der zuvor extrem schnell angestiegene Silberpreis damals für die Preisdrücker ein noch größeres Problem als der Goldpreis dargestellt hatte. Auch in jüngster Zeit seit September 2010 sehen wir wieder eine verstärkte Outperformance von Silber gegenüber Gold. Silber steigt mittlerweile sogar wieder schneller als in der Zeit vor August 2008. Dies könnte (!) darauf hindeuten, dass die Kabale die extrem starke Drückung von Silber seit 2008 nicht mehr länger durchhalten kann."


    Gegenposition: 'Der Kollaps war bei Gold schwächer als bei Silber- und den Industriemetallen. Man kann mit gewissem Recht vermuten, dass dabei ein konjunkturbedingter Anteil im Preis von Silber (wie bei Pt- und Industriemetallen) eine Rolle spielte, der ebenso am vorangehenden extrem schnellen Anstieg beteiligt war. Auch in jüngster Zeit seit September 2010 sehen wir wieder eine verstärkte Outperformance von Silber und der Industriemetalle gegenüber Gold. Silber steigt mittlerweile sogar wieder schneller als in der Zeit vor August 2008. Dies könnte (!) darauf hindeuten, dass die Konjunktureffekte sich wieder auf das Vorkrisenniveau einpendeln.' (was hier zur Klärung beitrüge: wie siehts mit den Korrelationen zwischen Au und Ag einerseits und Pt-Metallen sowie Industriemetallen andererseits aus?)

    =========================
    Kommentar BoehringerDouglas:
    "Wenn ein solch extrem klares Muster bestehen bleibt, obwohl es allseits erkennbar ist und auch erkannt wurde, dann erlaubt dies zwingend zwei Folgerungen:


    1. Es gibt eine Macht zwischen AM- und PM-Fixing, die ihren Willen zur Preisdrückung mit aller Macht und buchstäblich ohne Rücksicht auf die vorherrschende Markttendenz oder auf erforderliche Geldmittel und unter Inkaufnahme hoher Verluste durchsetzt! Konsequent, dauerhaft und ganz klar im Sinne eines "not-for-profit"-Marktteilnehmers, was normalerweise in Regulierungskreisen ganz eindeutig als Manipulationsbeweis gewertet wird. Denn wer macht schon freiwillig dauerhaft Verluste - wenn nicht an anderer Stelle (illegale) Vorteile durch die Manipulation locken würden?"


    Gegenposition: Es gibt eine Macht, die massiv kauft,und zwar überproportional zwischen PM-Fixing und AM-Fixing, Diese Macht ist (neben anderen, aber kleineren Langfristinvestoren) die BoC. Diese kauft (diese kaufen) seit 2001 aus langfristig-strategischen Überlegungen und hat (haben) damit einerseits den Gold- und Silberpreis hochgetrieben und andrerseits große Gewinne eingefahren.


    =========================
    Kommentar Boehringer/Douglas:
    "2. Diese Macht schlägt besonders auf Spekulanten und Daytrader ein, die das Muster erkannt haben und die es wagen, sich (long spekulierend) dagegen zu stellen."


    Gegenposition: Kurzfristspekulanten und Daytrader haben das Muster erkannt und sich daran angepaßt. Insbes.riskieren sie kurzfristige Shorts zunehmend nur noch, während Asien schläft. Das verzerrt systematisch die tägliche Preiskurve und das wiederum deuten manche als systematische Manipulation im Londoner und New Yorker Handel. (welcher Typ empirischer Daten hier zur Klärung beitrüge, ist offensichtlich)


    =========================
    Boehringer/Douglas' Beweis für Manipulation:


    "Die weltweite Community der Trader würde schon nach wenigen Wochen ein solches wiederkehrendes Muster erkennen und dieses durch antizipierende Gegentrades und Arbitrage-Geschäfte bis zur Unkenntlichkeit auflösen!"


    Kommentar: M.E. ein fundamentaler Irrtum. Der POS oder POG steigt gegenüber anderen Investments, wenn netto Geld aus anderen Investments in Au und Ag umgeschichtet wird. Der POG steigt schneller als der POS, wenn (relativ) mehr Geld in Au fließt als in Ag usw.. Dauerhafte Manipulation durch Shorts würde zwar wirken wie Nettoverkäufe, die Shorts müßten sich dann aber in ähnlicher Weise kumulieren wie umgekehrt die Bestände physischer Nettokäufer. Und solches Material fehlt leider! Es gab hier schon mehrmals Debatten zu veröffentlichten COT- und ähnlichen Daten, aber ein klares Bild habe ich mir daraus nicht machen können.


    Die rein profitorientierte Spekulation und ganz besonders die kurzfristige ist dagegen im wesentlichen ein Nullsummenspiel, da die Summe ihrer Trades ein Vielfaches ihrer Nettoeffekte (des eingesetzten Kapitals) ist. Damit kann sie eventuell einen Trend glätten, aber nur wenig beeinflussen, wenn es nennenswerte Netto(ver)käufe gibt. Selbst die Glättungshypothese ist fragwürdig, denn sie setzt voraus, daß die Marktpreise (und die Handlungen der Marktteilnehmer) rein zufällige Schwankungen um einen Gleichgewichtswert ausführen. Und das kann man schon seit längerem als empirisch widerlegt ansehen. S. dazu 'fat tails' bei wikipedia oder google (schon über 80000 Einträge). Es ist deswegen keineswegs ausgeschlossen, daß Ausschläge sogar verstärkt werden, An solchen Stellen wird es extrem wichtig zu prüfen, ob lineare Näherungen wirklich gerechtfertigt sind. Diese produzieren nämlich u.U. nicht nur quantitative 'Fehler', sondern ein qualitativ anderes Verhalten als ein vollständigerer Ansatz. Insbes. die Gleichgewichtsvorstellungen der etablierten Ökonomie sind ein auf solche Weise entstandener Humbug.



    Gruß
    Klaus_H.


    Unter den Kommentaren ist einer,der den Nagel auf den Kopf trifft:

    Zitat von handelsblatt.com


    Ich habe mir gerade eine Tasse Kaffee aufgebrüht und
    wie jeden Nachmittag im Kaffeesatz gelesen. Was ich dort sah, das gefiel mir nicht und verunsicherte mich in höchstem Maße bezüglich meiner Investitionsentscheidung.
    Also mußte die nächste Tasse her. Und diesmal
    war alles so wie ich es auch im Horoskop gesehen hatte. Morgen wird kräftig investiert


    Das wird ohne Zweifel ein erfolgreiches Geschäft. Wenn nicht für den Käufer, dann für den Verkäufer. Denn die Börse ist in einem einzigartig: dort gibts immer Erfolg (die keinen Erfolg haben, sind nicht mehr an der Börse).


    Gruß
    Klaus_H.