Ich hätte da mal eine ganz grundsätzliche Frage zum Haircut ...
Angenommen ich bin eine Bank:
Wenn ich griechische Staatsanleihen kaufe, bekomme ich doch am Ende der Laufzeit mein geliehenes Geld zurück plus Zins, richtig?
Ja, wenn es zwischenzeitlich keinen Zahlungsausfall gibt.
Und jetzt kommt die EU, und zwingt mich zum Haircut.
Nein. Das ist ja noch die große Unbekannte an den Gipfelbeschlüssen: die EU und auch der Bankenverband kann die privaten Banken nicht per Beschluss zwingen, auf 50 % ihrer Forderungen zu verzichten. Ob die Banken dem Bschluss folgen werden, steht auf einem anderen Blatt - jedenfalls nicht auf dem Blatt der Jubelmeldungen, nach denen der Euro schon gerettet wäre. Frau Merkel schlägt ja auch eher vorsichtige Töne an und spricht von einem ersten Schritt, dem noch viele folgen müssten ...
Die Banken sind aber nicht doof. Sie wissen auch, dass die Lage aussichtslos ist, wenn es nicht bald IRGENDEINEN Plan gibt, der das Vertrauen in die Märkte zurückbringt. Und 50 % Verlust könnte gegen 100 % Verlust attraktiv sein, sodass sie doch FREIWILLIG auf die Hälfte verzichten. Die Freiwilligkeit ist wegen der CDS von entscheidender Bedeutung.
Ich warte jeden Tag darauf, dass eine US-Rating-Agentur aus dem Busch gesprungen kommt und den Zahlungsausfall Griechenlands feststellt. Damit wäre die Rettung Geschichte und der Euro wahrscheinlich auch ...
Auf welchen Teil wird der Haircut jetzt angesetzt? Verliehre ich als Bank 50% der mir zustehenden Zinsen oder 50% des zuvor geliehenen Betrags, oder beides?
50 % deiner geliehenen Summe. Ohne Zinsen. Die bekommst du oben drauf. So rechnen sich Banken den Haircut intern ja schön: im Juli waren es 21 % minus sagen wir 6 oder 8 % Zinsen, blieben ein effektiver Verlust von 13 - 15 %. Ist jetzt natürlich mehr, da sie von 50 % Verlust ausgehen müssen.
Und noch ein Frage: Erfolgt die Auszahlung der Zinsen bei Staatsanleihen jährlich, oder erst am Ende der Laufzeit?
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Weiß ich nicht. Jährlich würde ich vermuten.