Markus Blaschzok über Gold, Silber, GSR und Öl.
https://www.goldseiten.de/arti…g-ja-Entwarnung-nein.html
Auszug:
Polen erwägt Goldverkäufe – weniger Zentralbankkäufe in 2026 möglich
Die Edelmetallpreise gerieten letzte Woche kurzzeitig unter Druck, nachdem Berichte über mögliche Goldverkäufe der polnischen Zentralbank veröffentlicht wurden. Demnach hat der Gouverneur der Narodowy Bank Polski, Adam Glapiński, vorgeschlagen, einen Teil der Goldreserven zu veräußern, um Mittel für steigende Verteidigungsausgaben zu mobilisieren. Konkret geht es um bis zu 48 Milliarden Zloty, umgerechnet rund 13 Milliarden US-Dollar, die durch einen teilweisen Verkauf der rund 550 Tonnen umfassenden Goldreserven generiert werden könnten.
Der Vorschlag wurde laut Bloomberg in einem Treffen mit Präsident Karol Nawrocki diskutiert. Hintergrund ist die Suche nach alternativen Finanzierungsquellen für das steigende Militärbudget, nachdem Warschau ein EUProgramm im Umfang von 150 Milliarden Euro kritisch bewertet hat. Die Regierung befürchtet, dass das Programm politisch kostspielig sein und die Beziehungen zu den USA belasten könnte.
Ein tatsächlicher Verkauf von Goldreserven ist jedoch bislang nicht beschlossen worden. Die Idee besteht unter anderem darin, Gewinne aus den gestiegenen Goldbewertungen zu realisieren oder temporär Gold zu verkaufen und später wieder zurückzukaufen, um Liquidität zu schaffen. Zudem stehen rechtliche und politische Hürden im Raum, da die polnische Zentralbank die Regierung grundsätzlich nicht direkt finanzieren darf und Premierminister Donald Tusk weiterhin plant, Polens Anteil von rund 44 Milliarden € aus dem europäischen Programm "Security Action for Europe" zu nutzen.
Der Vorschlag sorgte kurzfristig für Unruhe an den Edelmetallmärkten, da Polen in den vergangenen Jahren zu den größten Goldkäufern unter den Zentralbanken zählte und in den letzten beiden Jahren jeweils mehr als 100 Tonnen pro Jahr akkumulierte. Ein möglicher Strategiewechsel von einem strukturellen Käufer hin zu einem potenziellen Verkäufer wurde daher von den Märkten als für den Goldpreis bärisches Signal interpretiert.
Zentralbankkäufe waren in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Treiber der Goldrallye. Nach dem starken Preisanstieg könnte es jedoch zu einer Neuallokation der Währungsreserven kommen, wodurch die Nachfrage der Notenbanken im Jahr 2026 geringer ausfallen dürfte als in den Vorjahren. Sollten einzelne Zentralbanken, wie etwa die polnische Nationalbank, tatsächlich Verkäufe in Erwägung ziehen, würde damit ein wichtiger bullischer Faktor für den Goldpreis in diesem Jahr teilweise wegfallen.
Gold-Silber-Ratio als strategisches Rotationsinstrument
Das Gold-Silber-Ratio stieg in dieser Woche leicht auf 60 an. Bereits Ende Januar, noch vor dem großen Crash des Silberpreises, hatte ich empfohlen, bei einem Ratio von 44 Silber zu veräußern und in Gold umzuschichten. Es handelte sich um eine äußerst seltene Gelegenheit, die sich nur alle ein bis zwei Jahrzehnte ergab, um relativ teures Silber gegen günstigeres Gold einzutauschen. Danach kann man in wenigen Jahren, bei einer Rückkehr des Ratios in den Bereich von 85 bis 100, zurück in Silber rotieren und so seinen Edelmetallbestand risikolos verdoppeln.
Durch diese disziplinierte Strategie lässt sich über mehrere Jahrzehnte eine massive Outperformance zum nominalen Preisanstieg erzielen. Wer seit 1980 regelmäßig diesen Wechsel vollzog, hat seine physischen Bestände tatsächlich versiebenfacht. Das Gold-Silber-Ratio ist damit eines der mächtigsten strategischen Werkzeuge für langfristig agierende Edelmetall-Investoren, während man gleichzeitig immer in Edelmetalle investiert bleibt und so immer seinen Inflationsschutz behält.
Bei einem nochmaligen spekulativen Ausbruch unter 50 im Gold-Silber-Ratio sollten langfristig agierende Investoren die Chance nutzen und restliche Silberbestände in Gold tauschen. Der Bereich um 30 wurde nur zweimal in 57 Jahren erreicht, weshalb die aktuelle Hoffnung darauf ein statistisch unwahrscheinliches Ereignis darstellt. Strategisch zählt vor allem, bei extrem hohen und extrem niedrigen Ratios zwischen den beiden Edelmetallen zu rotieren. Selbst beim aktuellen Ratio von 58 ist Gold relativ zu Silber weiterhin eher günstig, weshalb es sich für langfristige Anleger anbietet, Gold derze it überzugewichten.