GOLD, SILBER, ACHTUNG
Jan 11, 2024 | Artikel, Chartupdate
Konstellationen und Korrelationen haben etwas angerührt, auf das der gemeine Gold- und Silberbug ganz genau schauen sollte. Das edle Blech stand bereits am Mittwoch vor einem größeren Abrutsch, der in überletzter Sekunde abgebrochen wurde.
Doch damit ist die Kuh natürlich nicht vom Eis, zumal es heute am Donnerstag, wie schon besprochen, auch noch US-Inflationszahlen geben wird.
Sind das jetzt schlechte Nachrichten? Nun, das kommt ganz auf den Standpunkt an. Dass beim Edelmetall der Rückwärtsgang eingelegt werden soll, die Warnung ist hier seit geraumer Zeit auch eine Art beständiges Mantra.
Ja, auch als fanatischer Metallbug darf man sich hin und wieder das Bärenfell anziehen. Und manchmal sollte man es tunlichst auch.
Welche Marken zählen jetzt? Welche Querverbindungen zu anderen Assets sind entstanden?
Um das Bild beim Edelmetall zu verstehen, müssen wir beim EURUSD, EURJPY und USDJPY anfangen.
Im Ergebnis hat der EURJPY am Mittwoch den prognostizierte Bereich 159,10 - 159,20 überschritten und das auch kräftig und weit rüber. Damit wurde Plan B aktiviert und die EURJPY-Shorts (immerhin ein halbes Lot von 163 kommend), komplett geschlossen. Sicher war es bis zur letzte Minute nicht. Während der US-Session hat man schon gesehen, wie sehr der Markt gerungen hat. Letztendlich war ein Problem dann doch unüberwindbar - nämlich der YEN.
Silber als stets schneller Vorreiter für Abwärts schwächelt schon seit Tagen. Und touchierte eine enorm wichtige letzte Haltelinie zwischen 22,70 und 22,90 bereits 4 bis 5 Mal. Und eigentlich wollte sich Silber Mittwoch schon auf den Weg zu einem ausgewachsenen Wasserfall machen. So wie es auch Platin und Gold anzeigten.
Die Rettung für das Blech bestand in letzter Sekunde aus mehren Komponenten. Und diese waren eben zur US-Session und einem Euro der zwischen 1.0940 und 1.0930 nicht wusste, soll er weiter runter oder eher hoch, nebst einem EURJPY, der an seiner Trend-Begrenzungslinie stand, eindeutig erkennbar. Aber der Reihe nach.
Das Blech will runter, weil es da nochmals hin muss. Der Chart zeigt es, der Chart verlangt es. Doch was braucht man für einen ordentlichen Edelmetall-Wasserfall? Zum einen einen weichen Yen und einen starken US-Dollar, welcher am leichtesten über einen fallenden Euro generiert wird.
Silber rutschte Mittwoch bereits durch seine Trendlinie, die im Bild zu sehen ist. Sogar mit einem neuen kleinen Tief. Die Fibo-Levels derart unterschritten, dass eigentlich der Weg zu mindestens 22,40 - 22,60 frei war. Auf der anderen Seite des Spielfeldes stand der EURJPY. Hätte er seine Begrenzungslinie respektiert, wäre hier ein Wasserfall nach unten vorprogrammiert. Doch was hätte es dazu gebraucht? Einen stärker werdenden YEN. Dann aber wäre eben der Edelmetall-Short nicht mehr drin gewesen.
Einige Zeit lang wurde versucht, denn Euro so abzusenken, dass es den USDJPY relativ gleichmäßig oben auf einem Niveau hält. Das reicht fürs Metall nach unten, aber kaum für Wasserfälle. Gleiches dann auch beim EURJPY. So eine Konstellation hätte den EURJPY nach unten gedrückt. Aber nicht in der Art für Momentum gesorgt, wie es dann an der Chartmarke erforderlich gewesen wäre.
Ohne weiter auf FX-Korrelationen einzugehen. Es war also eine Entscheidung, ob YEN weiter schwach oder Metalle doch wieder stark. Die Entscheidung ist für Yen vorerst weiter schwach gefallen.
Nun zu den Chartbildern (Chartbilder Tagesschluss, Mittwoch 10.01.2024) und einer Tasse Kaffee. Interessanterweise haben sich seit Neujahr in mehreren Charts sogenannte Tasse-Henkel Formationen fertig gebildet, welche bei erfolgreicher Auflösung stets enorme Kursbewegungen nach sich ziehen. Eine davon hat sich am Mittwoch bullisch aufgelöst, nämlich die im EURJPY:
Gleiche Formation auch im DAX. Wenn man es genau nimmt, besteht selbst der Henkel nochmals aus einem kleiner Becher. Also ein Doppelter sozusagen.
Heute früh wurde diese Formation schon nach oben verlassen. Allerdings sehr zaghaft und ängstlich. Der Anstiegsimpuls dabei mehrfach überschnitten, was immer kein Zeichen für Momentum und Zutrauen ist. Terminlich kein Wunder, die US-Inflationszahlen stehen an. Wenn diese enttäuschen, und die erwartete erste Zinssenkung im März nicht bestätigen, dann geht der Becher kaputt.
Soweit die Vorrede. Jetzt zum Edelmetall. Hier finden wir mittlerweile die gleichen Formationen, nur ist hier die Tasse mit Henkel nach unten gerichtet.
Zuerst Silber im Kleinen, um dass Martyrium vom Mittwoch besser zu verstehen:
Normalerweise, wenn so ein Fibo-Tool, ein altes Tief unterschreitet, ist der Weg nach unten frei. Üblicher bis zur 161,8 % Extension. Gerade wenn hier auch noch so eine Unterstützungslinie fällt. In den größeren Bildern sieht es beim Silber dann sogar so aus:
Die Auflösung dieser Formation bringt genau den Anschub, um endlich die viel zitierten Gaps zu schließen. Von den Kursmarken her gilt für Donnerstag: Alles unter 22,85 wird für Longs hochgefährlich. Zum Luftholen könnte es sogar bis 23,25 - 23,35 hochlaufen, wobei das eher unwahrscheinlich ist. Andere Zwischenmarke wäre 23,12.
Und beim Gold sieht es so aus:
Unter 2008,- US$ bekommt der Goldbulle echt ein Problem. Die Obergrenze zum potentiellen Luftholen lagert so bei 2042 - 2043 US$. Aber auch hier gilt, eher unwahrscheinlich, 2035,- ist mittlerweile ein guter Widerstand.
Also aufpassen. Zur Stunde während der Beitrag entsteht, ziehen sich die Long Onlys aus dem DAX dann doch lieber zurück in die sichere Handelsrange.
Die US-Inflationsdaten werden die wirklich Kursrichtung geben. In Summe sieht es aber schon nach enormer Dollar-Stärke aus, die ansteht.
Selbstverständlich wird es beim Abrutschen des Edelmetalles wieder heißen: Das ist alles Kursmanipulation der Zentralbanken.
Nein, Schuld daran sind die 85% der Marktteilnehmer, die tatsächlich immer noch glauben, im März gibt es den ersten Zinssenkungsschritt der Federal Reserve. Bei denen darf man sich dann bedanken. Und die sind interessanterweise auch zahlreich unter den Goldbugs zu finden.
Quelle : Blog von Robert ! Empfehlenswert !