Der Otte hatte doch dieses Buch geschrieben: "Der Crash kommt"
Und in ein 2008 aktualisiertes Vorwort zur Weltwirtschaftskrise von 1929.
Der glaubt, dass es einen Aufschwung gibt und bringt sich in Position, dass ihm seine pessimistischen Prognosen nicht zusehr nachhängen.
Im Studium habe ich ein klassisches Beispiel aus der Psychologie kennengelernt:
In einem Experiment saßen 10 Probanden in einem Raum.
An der Tafel waren zwei Striche, die fast parallel waren. Bei genauem Hinsehen konnte man aber erkennen, dass sie nicht parallel sind.
Nun sind aber 9 der vorgeblichen Probanden in Wirklichkeit instruierte Schauhspieler.
Jeder der „Probanden“ soll nun sagen, ob die Striche parallel sind.
Der einzige echte Proband beginnt: er sagt, dass sie NICHT parallel sind.
Nachdem alle anderen in der Runde sagen, die Striche sind parallel, ändert er seine meinung und schließt sich der Mehrheitsmeinung an.
Dann jedoch „fallen“ 3 Mitlieder der Gruppe und ändern ihre Meinung:
„wir haben uns getäuscht, die Striche sind NICHT parallel“.
Der echte proband ändert daraufhin seine Meinung und schließt sich den drei Opponenten an:
„das habe ich doch vorhin schon gesagt: die Striche sind nicht parallel“.
Nach nochmaligen Betrachtungen, ändern die Opponenten ihre Meinung und sagen wieder, dass alle Striche parallel sind.
Was passiert? Der proband ändert seine Meinung und schließt sich wieder der Mehrheitsmeinung an.
Dass ist jetzt 20 Jahre her, dass ich das in einem Lehrbuch gelesen habe,
aber es ist mir in Erinnerung geblieben.
Es ist sehr sehr sehr schwer, eine Meinung gegen den Mainstream zu vertreten.
Deswegen muss ein erfolgreicher Börsianer sich möglichst vom Mainstream abschotten:
Sonst schafft er es nie eine eigene meinung zu bilden.
Peinlich ist es natürlich, wenn ein Mann wie Otte heute so schreibt und morgen so.
In dem Buch über den großen Crash, dass er selbst als eine seiner großen Inspirationen bezeichnet hat, wurde nachgewiesen, dass 1929 sich das meiste Kapital in den Händen ganz weniger menschen zusammenballte. Obwohl es nicht letztlich geklärt ist, wie alles funktioniert, ergeben sich stabile Situationen, wenn der reichtum gleichmäsiger verteilt ist (wie in den 50er Jahren), während Kapitalzusammenballungen zu Instabilitäten führen.
Kann sein, dass derzeit ein Crash abgewendet ist: aber da alle probleme, die zu diesem Crash geführt haben, noch existieren, dürfte der Crash beim nächsten Konjunkturzyklus noch schlimmer sein. Die Schnelligkeit mit der Blasen entstehen und zerplatzen (China, Schanghai Index : 100% plus in einem Jahr, -6% an einem tag vor ein paar tagen) und die surreal hohe Staatsverschuldung und die Handelsbilanzungleichgewichte machen mich allerdings pessimistisch, dass es noch mal einen ganzen 2-6jährigen Konjunturzyklus hält.
Dinge, die nicht immer so weiter gehen können, enden irgendwann.
Ein stabiles System hält einiges aus: selbst wenn Bundesbanker Volltrottel sind oder der amerikanische Präsident über den Sex mit der Praltikantin lügt.
Derzeit würde es ausreichen, wenn ein chinesischer Notenbanker irgendwo ein Fax im taxi liegen lässt,
um den Dollar kollabieren zu lassen. Das ist alles andere als stabil.