Jeffrey Gundlach auf YT, en, Dauer 48:36. Zusammenfassung von mir.
(Jeffrey Gundlach verwaltet 150 Mrd. USD. Die ersten 30 Min. werden hier zusammengefasst, der Rest dreht sich um Gundlach's DoubleLine Capital, welche 10-jähriges Jubiläum feiert, und kann m.E. übersprungen werden.)
(Wer englisch versteht, sollte sich das Video ansehen. Wer besser ist im lesen statt verstehen: automatische Untertitel einschalten: die Technik ist mittlerweile absolut brauchbar.)
Jeffrey Gundlach über Märkte, Ökonomie, Rezession und mehr
1. Märkte 2020
Ende 2018 schloss ziemlich schwach ab, und es war absehbar, dass 2019 sehr einfach werden würde um Gewinne in fast allen Bereichen zu erzielen.
Viel davon ist allerdings auf das Verhalten der Fed zurückzuführen. Bis vor einem Jahr war sie im Autopilot QT-Modus, egal wie die Marktdaten aussahen. Die Märkte schmierten deswegen allerdings ab, und die Fed gab das QT auf zugunsten QE 4.0 (auch wenn sie es nicht so nennen will). Erwartungsgemäss führte das die Märkte zurück auf neue Höhen.
Nur führen die dauernden Zins-Manipulationen der Fed vermehrt zu einer Nichtakzeptanz im Markt. Das Wachstum der Verschuldung liegt substanziell über dem Wachstum des BIP: nominell gibt es derzeit ein Negativwachstum im BIP, weil das gesamte Wachstum der letzten Quartale schuldenbasiert ist. Aber dank der Fed war 2019 dennoch recht einfach für Investoren.
Wenn die Welt in 4 Regionen unterteilt wird (US, Japan, Europa, Schwellenmärkte), und die Hauptindices dieser Regionen betrachtet werden, sieht man, dass in den 80ern Japan unbesiegbar schien, bis die Rezession in den 90ern den Nikkei so quasi auslöschte. 30 Jahre später ist der Nikkei immer noch weit von jenen Rekorden entfernt.
In den 90ern war es dann Europa, speziell mit dem Hoffnungsträger Euro: aber in den Nullerjahren kam auch hier die Rezession und die Märkte kamen bis jetzt nicht wieder in jene Höhen.
Seit Mitte der Nullerjahre dominierten dann die Schwellenländer; der Dollar war schwach, der Aufstieg Chinas begann, und die Schwellenländer lagen bei weitem ganz vorne. Aber auch hier: die Rezession schlug zu, und die höchsten Höhen von damals blieben bis jetzt unerreicht.
Und jetzt die USA: der S&P500 ist das Killerinvestment überhaupt, aber ich behaupte, auch hier wird sich das Muster wiederholen: sobald die Rezession zuschlägt werden die Märkte abtauchen und sich nicht so schnell wieder erholen. Der USD war 2019 erstaunlich stabil, DXY 96 bis 97, aber während der Rezession wird er wegen des Defizitproblems abtauchen, weil die Investoren in den anderen Währungen bessere Chancen sehen werden.
2. Rezession
Die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens einer Rezession während 2020, so ab etwa August, September, würde ich mit 40% beziffern. Die Wirtschaftsdaten sehen nicht so gut aus, vielleicht mit Ausnahme des Verbrauchervertrauens-Indexes. Das Umschlagen der negativen Zinskurve ins Positive ist dabei ein typischer Vorsagewert für eine Rezession in den nächsten 12 Monaten.
3. Wahlen 2020
[Halte ich kurz.]
Trump gewinnt, wenn die Wirtschaft stimmt bis zu den Wahlen (und das könnte gerade so reichen), und zwar hauptsächlich, weil es keine Winnertypen bei den Demokraten gibt, ausser vielleicht Pete Budaj, der sehr redegewandt ist, aber für die meisten Amerikaner zu jung.
[Interessant die Unterstellung, dass Trump mit seinen Zöllen diabolische wahlpolitische Ziele verfolgt, ab 10:45].
4. Die Fed
Ich war optmistisch als Powell übernahm, ein Pragmatiker war gefragt statt der vorherigen Akademiker. QT wurde vom Markt aber nicht angenommen und der U-Turn zum QE war mit manchen Erklärungsnöten verbunden. Derzeit erscheint mir die Fed so ziemlich steuerlos, schamloser als je zuvor dem Bondmarkt folgend. Derzeit würde ich Powell die Note C- [70%, DE: 3-, CH: 4.5] geben.
Powell ist ein Cheerleader für höhere Inflation. Lyle Brainard von der Fed [hab ich kürzlich detailliert besprochen] sagte, dass die Gründe dafür, dass die Fed die Inflation heisslaufen sehen will "zu kompliziert sind, um sie dem Publikum zu erläutern". Übersetzung: die Schulden nehmen alarmierende Ausmasse an, und die Nationalbanken wollen im globalen Massstab die Inflation ankurbeln und die Zinsen niedrig halten, um die Schulden ein wenig zurückzufahren.
[Wie George Gammon grinst auch er bei Brainard's Begründung für ein "durchschnittliches Inflationsziel von 2% unter Einbezug der Vergangenheit: "What does this even mean?".]
5. Negativzinsen
Damit versuchen die Zentralbanken letztlich, ihre Ökonomien zu stimulieren. Allerdings leiden darunter die Banken und Versicherungen, inbesondere underperformen hier die Europäer.
Das seltsame an der ganzen Geschichte ist aber, dass niemand wirklich diese Negativzins-Bonds hält: 97% werden von den Zentralbanken und deren Institutionen gehalten.
Die USA wird keine Negativzinsen sehen. Powell hat das völlig klar gemacht (und deshalb kriegt er auch ein C- und kein D-). Würden die USA darin Japan und Europa folgen, wäre das tödlich für das globale Bankwesen: das Kapital könnte schlichtweg nirgendwo mehr hin. Die US sind ein wirklich grosser Markt, das japanische und europäische Kapital kann aufgenommen werden. Das ist auch einer der Gründe für die Stärke des Dollars.
6. Philosophie und Geschichte
[Die düsteren Gedanken über Aufstände und Bürgerkriege in seiner 4-Phasen-Theorie überspringe ich hier.]
7. Wie weiter?
Die Fed bekämpft das Eintreten der nächsten Rezession mit allen Mitteln, aber sie wird doch kommen. Deshalb muss man bereits jetzt in die Verteidigung gehen, wie man es 2006 auch hätte tun müssen.
Unternehmensanleihen sind heute doppelt so hoch wie bei der letzten Krise, in welcher es hiess, die hätten nie so hoch werden dürfen. Es gibt derzeit Zombie-Unternehmen, die existieren nur noch wegen der künstlich tief gehaltenen Zinsen. Ein Drittel der als investitionswürdig angesehenen Unternehmen wie AT&T müssten heute eigentlich als Junk betrachtet werden. Wenn die Rezession kommt, wird es viele Downgradings geben, und das wird die Preise nicht steigen lassen. Statt Investitionen werden wir viele Desinvestitionen sehen. Viele werden das nicht verstehen und Verluste einfahren.
Investitionen in Unternehmen sollten sich auf ein absolutes Minimum beschränken. Nicht-US-Investments sollten maximiert werden, doch wenn schliesslich wieder Gelegenheiten auftreten, sollte das dafür benötigte Pulver ebenfalls vorhanden sein.
Bonds steigen langsam, aber sie fallen schnell. In der Gewinnphase gehen sie langsam von 100 zu 103, aber in Rezessionen fallen sie auf 50. Sie wollen das Pulver haben um bei 50 zu kaufen, und das heisst, jetzt bei 103 zu verkaufen.